Klei­nes Haus ganz gross

Ei­gent­lich hät­te es ab­ge­bro­chen wer­den sol­len. Doch jetzt ist das Mehl­hüs­li in Seuzach ein schmu­ckes Event­häus­chen ge­wor­den.

Der Landbote - - REGION - Dag­mar Ap­pelt

Ein Jahr lang wur­de am Mehl­hüs­li ge­wer­kelt und ge­baut. «Es ist nicht wie ge­plant her­aus­ge­kom­men, son­dern bes­ser», freut sich Mar­tin Tan­ner, der das Pro­jekt mit Ge­mein­de­rat Mar­cel Fritz und Ar­chi­tekt Urs Ber­glas vor fünf Jah­ren ins Le­ben ge­ru­fen hat. Fritz war da­mals noch nicht im Ge­mein­de­rat. Vie­le hät­ten am Ge­mein­schafts­werk mit­ge­wirkt, sagt Tan­ner. Ei­ne Da­me ha­be zum Bei­spiel je­den Sams­tag für das 25-köp­fi­ge Bau­team Sup­pe ge­kocht.

Das Mehl­hüs­li vis-à-vis dem Ge­mein­de­haus wur­de um 1880 er­baut. Frü­her dien­te es der Bä­cke­rei Bern­er­güet­li als La­ger­haus. An­sons­ten war es in sei­nem In­nern düs­ter. «Aus dem häss­li­chen jun­gen Ent­lein ist ein schö­ner Schwan ge­wor­den», zeigt sich auch Fritz zu­frie­den.

Der ers­te Schritt ins In­ne­re des auf­ge­hüb­sch­ten Back­stein­häus­chens of­fen­bart ei­ne Bau­ern­stu­be im Stil der Jahr­hun­dert­wen­de. Auf ech­tem Holz­bo­den aus ge­räu­cher­ter Ei­che, rings­um azur­blau­es Tä­fer, ste­hen in der Mit­te schö­ne al­te Bei­zen­mö­bel. «Ei­ne Frau hat uns die Mö­bel ge­schenkt», sagt Tan­ner an­läss­lich ei­ner Füh­rung durchs Haus. Den Na­men der Spen­de­rin ken­ne er lei­der nicht. «Wir sind auf der Su­che, um uns bei ihr zu be­dan­ken.»

Die ge­müt­li­che Bau­ern­stu­be be­fin­det sich in tech­nisch hoch­mo­der­ner Um­ge­bung: Pa­nel statt Licht­schal­ter. Fens­ter, die au­to­ma­tisch auf- und zu­ge­hen. Was­ser, das auf Wunsch sie­dend heiss aus dem Hah­nen kommt, oder Schlan­gen­leuch­ten in der frisch ein­ge­zo­ge­nen Holz­de­cke, die auf Wunsch die Far­be wech­seln. Im Mehl­hüs­li, in dem samt Ga­le­rie 35 Leu­te Platz fin­den, gibt es ei­ne klei­ne Sound­an­la­ge, In­ter­net, ei­nen Bea­mer und ei­ne hoch­mo­der­ne Kü­che. Die Sitz­bän­ke kön­nen als Apé­ro­ti­sche auf­ge­stellt wer­den.

Der Um­bau wur­de in mehr als 2000 eh­ren­amt­li­chen Ar­beits­stun­den be­wäl­tigt. Den­noch wa­ren vie­le Fach­leu­te am Werk. «Wir ha­ben ver­sier­te Be­rufs­leu­te im Ver­ein», sagt Tan­ner, der den Ver­ein Kon­fet­ti prä­si­diert. Der Ver­ein hat sich den Um­bau und Be­trieb des Mehl­hüs­lis auf die Fah­ne ge­schrie­ben.

Die Ge­mein­de woll­te das Mehl­hüs­li ur­sprüng­lich ab­reis­sen. Der Ver­ein Kon­fet­ti hat dar­auf­hin ein Kon­zept für ei­ne Art Event­lo­kal vor­ge­legt, das der Be­völ­ke­rung, Ver­ei­nen und der Ge­mein­de zu güns­ti­gen Ta­ri­fen et­wa für Vor­stands­sit­zun­gen, pri­va­te Fei­ern oder Aus­stel­lun­gen die­nen soll. 60 000 Fran­ken hät­te der Ab­bruch ge­kos­tet. Die­sen Bei­trag gibt die Ge­mein­de nun an die Re­no­va­ti­on, die ins­ge­samt auf rund 140 000 Fran­ken zu ste­hen kommt. Et­wa 30 000 Fran­ken müss­ten via Crowd­fun­ding noch be­schafft wer­den. «Den Rest ha­ben wir», sagt Tan­ner. Wer sich ein Bild ma­chen möch­te: Am Wo­che­n­en­de vom 20./21. Ok­to­ber, je­weils von 9 bis 18 Uhr, ist Tag der of­fe­nen Tür.

Fo­tos: Nat­ha­lie Gui­nand

Bau­ern­stu­be in hoch­mo­der­ner Um­ge­bung. Auf der Ga­le­rie im ers­ten Stock hat es wei­te­re Sitz­ge­le­gen­hei­ten und ein WC (Bild un­ten links).

Mar­tin Tan­ner, Prä­si­dent Kon­fet­ti

Mar­cel Fritz, Ge­mein­de­rat

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