Rd nichts nüt­zen

Der Landbote - - WOCHENENDE -

Be­trach­tung. Tat­säch­lich sind die Aus­ga­ben­kom­pe­ten­zen ja schon heu­te ge­staf­felt – ho­he Aus­ga­ben müs­sen oh­ne­hin vors Volk. Und ei­ner un­ter­le­ge­nen Ge­mein­de­rats­min­der­heit, die 20 Stim­men auf sich ver­eint, steht es je­der­zeit frei, das Re­fe­ren­dum ge­gen ei­nen Aus­ga­ben­be­schluss zu ver­lan­gen. Ge­nau­so kann das je­der Bür­ger, der 500 gül­ti­ge Un­ter­schrif­ten bei­bringt.

In­dem die Aus­ga­ben­brem­se für ho­he Aus­ga­ben ei­ne ab­so­lu­te Mehr­heit von 31 von 60 Stim­men vor­aus­setzt, schafft sie aber um­ge­kehrt ei­nen ei­ge­nen Fall de­mo­kra­ti­scher Un­ge­rech­tig­keit. Denn so kann ei­ne Aus­ga­be, die von ei­ner Par­la­ments­mehr­heit ei­gent­lich ge­stützt wird, zu­fäl­lig, zum Bei­spiel we­gen ei­ner Grip­pe­wel­le, schei­tern. Und da­ge­gen lässt sich nicht das Re­fe­ren­dum er­grei­fen.

In der ak­tu­el­len Le­gis­la­tur, in der SP, Grü­ne, AL und EVP nach deut­li­chen Sitz­ge­win­nen 29 Stim­men auf sich ver­ei­nen, ist die Mög­lich­keit ei­nes lin­ken Zu­falls­mehrs zwar ge­ge­ben, und mög­li­cher­wei­se rührt da­her ein Teil der Op­po­si­ti­on ge­gen die Vor­la­ge. Doch das sind Ge­dan­ken­spie­le. Nüch­tern be­trach­tet, er­rei­chen Aus­ga­be­ent­schei­de das ab­so­lu­te Mehr heu­te aber fast im­mer deut­lich. Und eben: Für al­le an­de­ren Fäl­le steht den Un­ter­le­ge­nen das Re­fe­ren­dum of­fen. Die Fra­ge ist al­so, was die Aus­ga­ben­brem­se für ei­nen Mehr­wert bringt.

Drit­tens setzt die Schul­den­brem­se nicht dort an, wo die Ver­schul­dung der Stadt her­kommt. Sieht man sich das Schul­den­wachs­tum der letz­ten Jah­re an, so sind näm­lich we­der die Haus­halts­füh­rung noch die Aus­ga­belau­ne des Par­la­ments ver­ant­wort­lich für den Schul­den­berg, son­dern fast aus­schliess­lich die In­ves­ti­tio­nen. 42 Pro­zent der Ge­samt­schul­den stam­men aus den Ei­gen­wirt­schafts­be­trie­ben, die neue Ofen­li­nie der KVA kos­te­te 210 Mil­lio­nen, die neu­en Un­ter­wer­ke 187 Mil­lio­nen, das Glas­fa­ser­netz 67 Mil­lio­nen. Es sind das auch ei­gent­lich «un­pro­ble­ma­ti­sche Schul­den», denn ih­re Til­gung ist in die Ge­büh­ren lang­fris­tig ein­ge­rech­net und ih­nen ge­gen­über steht wie beim Haus­kauf mit Hy­po­thek ein Ge­gen­wert.

Ein an­de­rer er­heb­li­cher Teil der Schul­den ist ei­ne di­rek­te Fol­ge des Stadt­wachs­tums, die vie­len neu­en Schul­bau­ten zum Bei­spiel. Die­se In­ves­ti­tio­nen sind zwin­gend, und auch für sie hat die Stadt ei­nen Ge­gen­wert. Nicht zu in­ves­tie­ren, gera­de in Schul­bau­ten, ist kei­ne Op­ti­on, das ist auch der Grund, war­um das Par­la­ment kei­ne In­ves­ti­ti­ons­brem­se woll­te und die­se aus der Vor­la­ge ge­stri­chen hat.

Die «schlech­ten Schul­den», de­nen kein Ge­gen­wert ent­spricht, stam­men aus der Sa­nie­rung der Pen­si­ons­kas­se der Stadt. 243 Mil­lio­nen wur­den al­lein bei der Ver­selbst­stän­di­gung aus­ge­ge­ben. Wei­te­re 144 Mil­lio­nen sol­len fol­gen. Die­se Aus­ga­ben aber las­sen sich mit der Schul­den­brem­se nicht stop­pen. Die Aus­ga­ben für die Pen­si­ons­kas­se sind vom Haus­halts­aus­gleich ex­pli­zit aus­ge­nom­men.

Die Schul­den­brem­se bringt al­so nichts mehr als ei­nen zu­sätz­li­chen For­ma­lis­mus, sie ver­kom­pli­ziert den par­la­men­ta­ri­schen Pro­zess oh­ne Nut­zen. Die Stadt Win­ter­thur ist mit ih­rer Schul­den­si­tua­ti­on und der Per­spek­ti­ve ei­nes wei­te­ren Wachs­tums auf ei­ne har­te Rea­li­tät zu­rück­ge­wor­fen: Sie muss ge­nü­gend Über­schüs­se schrei­ben, um die In­ves­ti­tio­nen zu re­fi­nan­zie­ren. Und da­für müs­sen die Steu­ern hoch blei­ben. Ob man die Vor­la­ge an­nimmt oder nicht, dar­an wird sich nichts än­dern.

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