Po­di­en, ein­ge­bet­tet in den Un­ter­richt

Der Landbote - - WINTERTHUR -

Der Ver­ein Dis­cuss it wur­de von en­ga­gier­ten Stu­die­ren­den und jun­gen Be­rufs­leu­ten im Jahr 2017 ge­grün­det. Der neu­tra­le Ver­ein hat zum Ziel, das po­li­ti­sche In­ter­es­se von Ju­gend­li­chen zu we­cken und die po­li­ti­sche Par­ti­zi­pa­ti­on zu för­dern. Zu die­sem Zweck bie­tet er Kan­tons­und Be­rufs­schu­len je­weils vor den na­tio­na­len Ab­stim­mun­gen die Or­ga­ni­sa­ti­on und Durch­füh­rung von Po­li­tik­po­di­en an. Al­lein vor der Ab­stim­mung am 25. No­vem­ber fin­den 14 Po­di­en statt, die ge­gen 1500 Ju­gend­li­che er­rei­chen; 34 Ver­an­stal­tun­gen sind es 2018 ins­ge­samt.

Laut Vor­stands­mit­glied Da­vid Fi­scher ver­sucht der Ver­ein stets, ein mög­lichst aus­ge­gli­che­nes Teil­neh­mer­feld auf den Po­di­en zu prä­sen­tie­ren. «Jün­ge­re Po­li­ti­ker sol­len eben­so ver­tre­ten sein wie Frau­en und Män­ner aus mög­lichst al­len Par­tei­en.» Die Mo­de­ra­ti­on über­neh­men in der Re­gel Ver­eins­mit­glie­der. Fi­scher be­tont, dass al­le Ver­eins­mit­glie­der sich eh­ren­amt­lich en­ga­gie­ren. «Da sam­meln sich vie­le Stun­den Ar­beit an.» Zu Be­ginn hät­ten die Mit­glie­der so­gar die Kos­ten aus dem ei­ge­nen Sack be­zahlt. In­zwi­schen wer­den die Po­di­en je­doch durch Bei­trä­ge von Schu­len fi­nan­ziert.

Doch wes­halb wählt man ei­ne so kom­ple­xe Vor­la­ge wie die Selbst­be­stim­mungs­in­itia­ti­ve, um Jun­ge für Po­li­tik zu in­ter­es­sie­ren? Laut Fi­scher wä­re das Ziel, mög­lichst al­le na­tio­na­len Ab­stim­mun­gen zu dis­ku­tie­ren, doch da­zu rei­che die Zeit oft nicht aus. Und da ver­su­che man, den Wün­schen der Schu­len zu ent­spre­chen. Grund­sätz­lich ist Fi­scher aber der Mei­nung, dass für Be­rufs- und Kan­tons­schu­len kei­ne Vor­la­ge zu kom­pli­ziert sei, um dar­über zu dis­ku­tie­ren. «Wir emp­feh­len den Schu­len je­doch im­mer, die Vor­la­gen schon im Vor­feld zu be­spre­chen.»

Pe­ter Lau­ten­schla­ger ist Pro­rek­tor der Kan­tons­schu­le Büel­rain. Die Schu­le hat schon im letz­ten Jahr Dis­cuss-it-po­di­en für die Schü­ler­schaft an­ge­bo­ten. «Wir sind froh, dass der Ver­ein uns das Or­ga­ni­sa­to­ri­sche ab­nimmt», sagt er. Ei­ne Eva­lua­ti­on frü­he­rer An­läs­se ha­be ge­zeigt, dass die Po­di­en gut an­kä­men. Wohl nicht zu­letzt, weil sie zwar ob­li­ga­to­risch sind, aber wäh­rend des Un­ter­richts statt­fin­den. Laut ei­ner Um­fra­ge nach der letz­ten Durch­füh­rung wä­ren bei ei­ner frei­wil­li­gen Teil­nah­me deut­lich we­ni­ger Zu­hö­re­rin­nen und Zu­hö­rer zu er­war­ten. Ei­ne frei­wil­li­ge Po­di­ums­ver­an­stal­tung über Mit­tag wür­den nur 45 Pro­zent der Schü­ler be­su­chen, ei­ne am Abend gar nur et­wa 15 Pro­zent.

Ge­mäss Lau­ten­schla­ger pas­sen die po­li­ti­schen Po­di­en gut zur wirt­schaft­lich aus­ge­rich­te­ten Schu­le Büel­rain. «Wir dis­ku­tie­ren die The­men je­weils auch im Rechts- oder Staats­kun­de­un­ter­richt.» Vor­ge­se­hen ist, dass je­de Klas­se ein­mal im Jahr an ei­nem Dis­cuss-it-po­di­um teil­neh­men kann. Dies­mal wur­den die 2.und 3.-Kläss­ler ein­ge­la­den. «Bei ih­nen geht es noch we­ni­ger dar­um, was de­bat­tiert wur­de, als viel­mehr dar­um, wie die Dis­kus­si­ons­kul­tur war.» Lau­ten­schla­ger räumt ein, dass die Dis­kus­si­on zur Selbst­be­stim­mungs­in­itia­ti­ve teil­wei­se wirr und aus­ufernd war. Trotz­dem hält er die The­men­wahl für rich­tig. «Wir wol­len nicht das ein­fachs­te, son­dern das wich­tigs­te The­ma auf­grei­fen.»

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