WAS SICH GE­ÄN­DERT HAT UND WIE ES BEI EI­NER AN­NAH­ME WEITERGINGE

Der Landbote - - REGION - Jo­nas Ga­b­rie­li

Der Wie­send­an­ger Ge­mein­de­rat hat die Vor­la­ge zum Ge­wer­be­ge­biet nach dem letz­ten Nein an­ge­passt. So sol­len die Gestal­tungs­plä­ne im Fal­le ei­ner Ein­zo­nung ma­xi­mal vier Hekt­aren gross sein. Sprich: Es bräuch­te min­des­tens drei Gestal­tungs­plä­ne, um die ge­sam­te Flä­che zu über­bau­en. Durch die­se Etap­pie­rung soll nach­fra­ge­ori­en­tier­ter ge­baut wer­den. Zu­dem ist vor­ge­se­hen, dass Dä­cher und Fas­sa­den im Ge­wer­be­ge­biet be­grünt sind und nach­hal­ti­ge

für mich wie je­mand, der sei­ne Uhr ab­zieht und hofft, dass die Zeit nicht mehr wei­ter­läuft.»

Dass sich die Be­für­wor­ter die­ses Jahr mehr ins Zeug le­gen, zeigt auch ein Fly­er des Ko­mi­tees Pro Ge­wer­be­park, auf ei­ner Visualisierung ist zwi­schen grau­en Ge­bäu­den ei­ne grü­ne Wie­se und ein klei­ner blau­er See zu se­hen.

«Spä­ter lu­kra­ti­ver»

Als ein­zi­ge der Orts­par­tei­en set­zen sich die Grün­li­be­ra­len ge­gen das Ge­wer­be­ge­biet ein, wie sie das auch schon 2017 ta­ten.

Da­mals be­fürch­te­te die Par­tei mehr Ver­kehr durchs Dorf, mehr Lärm und Gestank und ins­ge­samt we­nig Ge­winn für das lo­ka­le Ge­wer­be. Ih­re ehe­ma­li­ge Prä­si­den­tin Lu­cia Ger­ber schaff­te – wohl auch dank des da­ma­li­gen En­ga­ge­ments – bei den Neu­wah­len im Früh­ling den Sprung in den Wie­send­an­ger Ge­mein­de­rat.

Die GLP sieht auch die­ses Mal «kei­nen Grund, das Pro­jekt zu be­für­wor­ten», wie sie in ei­ner Mit­tei­lung schreibt. In den letz­ten 14 Mo­na­ten ha­be sich nichts Sub­stan­zi­el­les an der Vor­la­ge geän­si­dent Ener­gie­quel­len ge­nutzt wer­den sol­len. Eben­falls sind Frei­räu­me zwi­schen den Ge­bäu­den vor­ge­se­hen. Ge­blie­ben ist die Auf­la­ge, dass der An­teil an fos­si­len Ener­gi­en ma­xi­mal 30 Pro­zent be­tra­gen darf. Falls die Ein­zo­nung an­ge­nom­men und rechts­kräf­tig wird, er­ar­bei­tet der Ge­mein­de­rat un­ter Ein­be­zug der Be­völ­ke­rung ein Ent­wick­lungs­kon­zept. Dar­in sol­len Be­bau­ungs­struk­tur, Freiraum, Er­schlies­sung, Etap­pie­rung und Mo­bi­li­tät ge­re­gelt wer­den. Auf­bau­end auf die­sem Ent­wick­lungs­kon­zept dert. Sie hin­ter­fragt auch die Ar­gu­men­ta­ti­on des Ge­mein­de­ra­tes, der be­fürch­tet, dass er die Mehr­wert­ab­ga­be des Land­be­sit­zers ver­lie­ren könn­te, wenn das Land nicht vor nächs­tem Früh­ling ein­ge­zont wird. «Ob das so ist, kann man erst sa­gen, wenn die ent­spre­chen­de Vor­la­ge den Kan­tons­rat pas­siert hat.» Die von der SP ein­ge­reich­te In­itia­ti­ve «Für ei­nen ge­mein­de­freund­li­chen Mehr­wert­aus­gleich» könn­te gar da­zu füh­ren, dass die Ein­zo­nung «zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt lu­kra­ti­ver wä­re».

Um­strit­te­ne Trak­tan­den­lis­te

Die GLP kri­ti­siert aber auch die Trak­tan­den­lis­te: «Sie lässt lei­der be­fürch­ten, dass ech­te De­mo­kra­tie nicht ge­lebt wer­den kann.»

Kon­kret geht es um das trak­tan­dier­te Gar­de­ro­ben­ge­bäu­de des FC Wie­send­an­gen (sie­he: «Wie­so zwei Ab­stim­mun­gen?») und die Dop­pel­rol­le von Ge­wer­be­ver­ein­s­und Fuss­ball­club-prä- er­ar­bei­tet der Ge­mein­de­rat an­schlies­send für je­de Etap­pe ei­nen Gestal­tungs­plan. Da­bei wer­den auch die Vor­schrif­ten aus der Bau- und Zo­nen­ord­nung (BZO) be­rück­sich­tigt. «So­fern sich die Gestal­tungs­plä­ne in­ner­halb die­ser Vor­schrif­ten be­fin­den, setzt sie der Ge­mein­de­rat fest», sagt Ge­mein­de­schrei­ber Mar­tin Schind­ler. Der Gestal­tungs­plan kä­me al­so nur vor die Ver­samm­lung, wenn die Vor­schrif­ten der BZO nicht ein­ge­hal­ten wür­den.

«Nach der bit­te­ren Ohr­fei­ge vor ei­nem Jahr wür­de ich nie sa­gen, dass ich zu­ver­sicht­lich bin.» Rue­di Mei­er, Prä­si­dent Ge­wer­be­ver­ein Wie­send­an­gen

Rue­di Mei­er. So be­fürch­ten die Geg­ner des Ge­wer­be­ge­biets, dass die mo­bi­li­sier­ten Fuss­bal­ler aus Sym­pa­thie zu Mei­er auch Ja zum Ge­wer­be­ge­biet sa­gen, zu­mal an ei­ner Ver­samm­lung je­der se­hen kön­ne, wie der an­de­re ab­stim­me.

Tat­säch­lich hat Mei­er die­se Wo­che in ei­ner Mail die Fuss­bal­ler auf­ge­for­dert, an die Ge­mein­de­ver­samm­lung zu ge­hen. Pri­mär, um für die neu­en Gar­de­ro­ben zu stim­men. In ei­nem zwei­ten Ab­schnitt zeigt er je­doch auch die Wich­tig­keit des Ge­wer­bes für die Ver­ei­ne auf.

Mög­lich wä­re, dass die GLP im Vor­feld ei­ne an­ony­me Ab­stim­mung ver­langt. Da­zu braucht es ein Vier­tel der Stim­men.

Mei­er kann mit dem Vor­wurf der Be­ein­flus­sung nicht viel an­fan­gen: «Da wird mei­ne Macht mas­siv über­schätzt.» Die Mit­glie­der des Fuss­ball­clubs sei­en al­les «er­wach­se­ne Leu­te», die am En­de vom neu­en Ge­wer­be­ge­biet über­zeugt sein müss­ten. «Ich wer­de nie­man­dem zwin­gen, sei­ne Hand zu he­ben.» Den Fuss­ball­club po­li­tisch zu miss­brau­chen, das kön­ne er sich nicht leis­ten: «Die Re­ak­tio­nen wür­den um­ge­hend fol­gen.»

Auf die Fra­ge, ob er zu­ver­sicht­lich sei, ant­wor­tet Mei­er: «Nein, nach der bit­te­ren Ohr­fei­ge vor ei­nem Jahr wür­de ich das nie sa­gen. Wir hof­fen ein­fach.»

Wer auch im­mer ver­liert, dem bleibt noch ein letz­tes Ass im Är­mel: Ein Drit­tel der An­we­sen­den könn­te näm­lich ei­ne wei­te­re Ab­stim­mung ver­lan­gen. Dann müss­te zum drit­ten Mal über das Ge­wer­be­ge­biet ent­schie­den wer­den — an der Ur­ne. Kre­dit­ab­stim­mun­gen über zwei Mil­lio­nen Fran­ken müs­sen in Wie­send­an­gen zwin­gend an die Ur­ne, so will es die Ge­mein­de­ord­nung. Da er­staunt es auf den ers­ten Blick, dass der Fuss­ball­club Wie­send­an­gen im Ju­ni von der Ver­samm­lung ei­nen Kre­dit von 1,8 Mil­lio­nen Fran­ken zu­ge­spro­chen be­kom­men hat und nun, En­de No­vem­ber, er­neut 1,8 Mil­lio­nen Fran­ken für den Ver­ein trak­tan­diert sind. Die­ses Mal für neue Gar­de­ro­ben. Bei ei­nem Ja wird der Fuss­ball­club al­so in­ner­halb von fünf Mo­na­ten ei­nen Kre­dit 3,6 Mil­lio­nen Fran­ken er­hal­ten ha­ben – oh­ne Ur­nen­ab­stim­mung. Wes­halb?

Ge­mein­de­schrei­ber Mar­tin Schind­ler sagt: «Die bei­den Ge­schäf­te ha­ben, ab­ge­se­hen da­von, dass es bei bei­den um die Sport­an­la­gen geht, kei­nen Zu­sam­men­hang. Sie sind nicht an­ein­an­der ge­bun­den. Das heisst, das ei­ne lässt sich oh­ne das an­de­re rea­li­sie­ren und um­ge­kehrt.» Der Grund für die Auf­tei­lung: Das Ge­schäft über die neu­en Gar­de­ro­ben sei im Ju­ni noch nicht so weit aus­ge­reift ge­we­sen, um es der Ge­mein­de­ver­samm­lung vor­zu­le­gen. Dass es zu ei­ner wei­te­ren Ab­stim­mung kom­men wird, war aber be­reits an der Ver­samm­lung im letz­ten Ju­ni kom­mu­ni­ziert wor­den.

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