Von Chi­nas Stim­mungs­hoch ge­tra­gen

TO­KIO Neue Li­qui­di­tät strömt auf den Markt – Ree­de­rei­en kla­gen – Hit­a­chi gibt sich neue Struk­tur

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN EUROPA/ÜBERSEE - FUW

Die gu­te Stim­mung an den Bör­sen in den USA und Eu­ro­pa, vor al­lem aber die Hausse in Chi­na wir­ken sich güns­tig auf den Ak­ti­en­markt in To­kio aus. Zu­dem ha­ben bis­her die meis­ten Un­ter­neh­men bes­se­re Zah­len für das ers­te Quar­tal aus­ge­wie­sen als er­war­tet. Die Be­richts­sai­son ist nun in vol­lem Gang. Der Nik­kei-225-In­dex stieg auf 10087,26 und no­tier­te da­mit 1,4% fes­ter als zum Vor­wo­chen­schluss. Der markt­brei­te To­pix klet­ter­te 1,1% auf 930,13. Auch wenn der Ka­bu­to­cho – ge­mes­sen an der Kurs­ent­wick­lung seit Jah­res­be­ginn – im asia­ti­schen Qu­er­ver­gleich weit hin­ter den Nach­bar­bör­sen hin­ter­her­hinkt, hat das Han­dels­vo­lu­men wie­der deut­lich an­ge­zo­gen. Neue Li­qui­di­tät strömt auf den Markt. Es gibt eben nichts Schlim­me­res für ei­nen Fonds­ma­na­ger, als stei­gen­den Kur­sen zu­se­hen zu müs­sen, oh­ne selbst in­ves­tiert zu sein.

Auf Sek­to­re­nebe­ne la­gen die Stahl­wer­te mit ei­nem Plus von 4,5% am bes­ten im Ren­nen. Ein Bro­ke­rup­grade und ei­ne ge­plan­te Er­hö­hung der Ka­pa­zi­täts­aus­las­tung bei JFE wur­den als Grün­de an­ge­führt. Auch die Fi­nanz­ti­tel leg­ten kräf­tig zu: Bro­ker­ak­ti­en um 2,8% und Bank­va­lo­ren um 1,9%. Star­ke Ver­lus­te setz­te es da­ge­gen in den Schiff­fahrts­wer­ten ab. Die drei ja­pa­ni­schen Rie­sen ha­ben die Jah­res­pro­gno­sen nach un­ten re­vi­diert. Markt­füh­rer Nip­pon Yu­sen be­klag­te ei­nen Auf­trags­rück­gang aus Eu­ro­pa und den USA für Con­tainertrans­por­te und er­war­tet zum ers­ten Mal seit 23 Jah­ren ei­nen Net­to­ver­lust – und zwar 5 Mrd. Yen (vgl. FuW Nr. 58 vom 25. Ju­li). In Aus­sicht ge­stellt wur­de ur­sprüng­lich ein Ge­winn von 18 Mrd. Yen. Auch Ka­wa­sa­ki Ki­sen mel­de­te sin­ken­de Aus­las­tun­gen und nied­ri­ge­re Ra­ten pro La­dung. Be­son­ders bei Mö­bel­trans­por­ten, Bau­ma­te­ri­al und Kon­sum­elek­tro­nik sei die Nach­fra­ge schwach. Die neue Pro­gno­se lau­tet auf 31 Mrd. Yen Ver­lust.

Der Elek­tro­nik­kon­zern Hit­a­chi will fünf sei­ner ko­tier­ten Toch­ter­un­ter­neh­men in den Kon­zern ein­glie­dern und da­für 282,2 Mrd. Yen aus­ge­ben (vgl. Sei­te 27). Die an­ge­bo­te­nen Über­nah­me­prei­se lie­gen deut­lich über den letzt­ge­han­del­ten Kur­sen. Al­le fünf Wer­te spran­gen nach der Be­kannt­ga­be um bis zu 20% in die Hö­he. Al­ler­dings steht die Fra­ge im Raum, wie Hit­a­chi bei ei­ner Ei­gen­ka­pi­tal­quo­te von ge­gen­wär­tig nur et­wa 11% die­se Ak­qui­si­tio­nen über­haupt fi­nan­zie­ren will und ob die Prä­mi­en tat­säch­lich so hoch sein muss­ten.

Ca­non hat am Di­ens­tag nach Markt­schluss ge­mel­det, in den ver­gan­ge­nen drei Mo­na­ten mit 15,6 Mrd. Yen 86% we­ni­ger ver­dient zu ha­ben als im Vor­jahr. Die Pro- gno­se für den Um­satz im Ge­samt­jahr wur­de um 3,9% auf 3,2 Bio. Yen re­vi­diert. Al­ler­dings hat der Her­stel­ler von Bü­ro­ma­schi­nen und Di­gi­tal­ka­me­ras die Fix­kos­ten kräf­ti­ger sen­ken kön­nen als er­war­tet. Das Ma­nage­ment sprach von ei­ner mög­li­chen Sen­kung von 220 Mrd. Yen. Das wä­re dop­pelt so viel wie im De­zem­ber an­ge­kün­digt. Der ope­ra­ti­ve Jah­res­ge­winn soll mit 190 Mrd. Yen nun 10 Mrd. hö­her aus­fal­len als er­war­tet. Die Ge­winn­pro­gno­se blieb mit 110 Mrd. Yen un­ver­än­dert.

Ki­rin Bre­we­ry ver­dien­te im ers­ten Halb­jahr mit 14 Mrd. Yen nach Steu­ern 40% mehr, als der Bier­brau­er zu Jah­res­be­ginn noch er­war­tet hat­te. Der star­ke Wech­sel­kurs des Yens war ein Haupt­grund, dass der Ak­ti­en­kurs mit 1428 Yen na­he dem Jah­res­höchst no­tiert. Am De­vi­sen­markt wa­ren al­ler­dings kei­ne gros­sen Aus­schlä­ge zu be­ob­ach­ten. Für ei­nen Dol­lar wer­den 94.6 Yen be­zahlt, das sind 0,2% we­ni­ger als zu Be­ginn des Be­richts­zeit­raums. Zu den an­de­ren Welt­wäh­run­gen ten­dier­te der Yen aber schwä­cher.

Die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger Staats­an­lei­hen blieb mit 1,385% fast un­ver­än­dert. Die Pro­gno­sen für die Kon­su­men­ten­preis­ent­wick­lung im Ju­ni, die am Frei­tag ver­öf­fent­licht wird, zei­gen ein Mi­nus von 1,7% – al­so ei­ne De­fla­ti­on. Da­her scheint ei­ne bal­di­ge Er­hö­hung der Leit­zin­sen durch die Bank von Ja­pan den Ob­li­ga­tio­nen­händ­lern sehr un­wahr­schein­lich. Das Ren­dite­hoch von 1,56%, das am 11. Ju­ni er­reicht wur­de, könn­te für ei­ni­ge Zeit das höchs­te Zins­ni­veau blei­ben, da in ei­ner an­hal­ten­den De­fla­ti­on nied­ri­ge­re Ren­di­ten und ei­ne Aus­wei­tung der Geld­men­ge er­war­tet wer­den.

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