iPho­ne-Boom hält Swiss­com auf Tr­ab

An­sturm auf App­le-Te­le­fon bringt Tele­com­kon­zer­ne ins Schwit­zen – Ge­rä­te­sub­ven­tio­nen wer­fen Fra­gen auf – Ak­ti­en blei­ben di­vi­den­den­si­cher

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - CHRIS­TOPH GI­SI­GER

Das iPho­ne von App­le ver­kauft sich trotz der Wirt­schafts­flau­te wie war­me Sem­meln. Für Tele­com­kon­zer­ne wie Swiss­com bringt das in­ter­net­fä­hi­ge Te­le­fon je­doch nicht nur Vor­tei­le mit sich. So wächst an der Bör­se et­wa die Be­fürch­tung, dass die Mar­gen im Mo­bil­funk Scha­den neh­men könn­ten, weil die teu­ren Ge­rä­te im Kampf um Markt­an­tei­le schwer sub­ven­tio­niert wer­den.

Mehr als 5 Mio. Te­le­fo­ne hat App­le im ver­gan­ge­nen Quar­tal ver­kauft. Das sind gut sie­ben­mal mehr als in der Vor­jah­res­pe­ri­ode. Auch Black­ber­ry-Her­stel­ler Re­se­arch in Mo­ti­on, der vor al­lem un­ter Ge­schäfts­leu­ten gut an­kommt, spürt von der Re­zes­si­on we­nig und hat den Ab­satz im zwei­ten Quar­tal fast 50% auf an­nä­hernd 8 Mio. Stück ge­stei­gert. Die­se re­ge Nach­fra­ge nach in­tel­li­gen­ten Te­le­fo­nen – in der Bran­che Smart­pho­nes ge­nannt – bringt die Tele­com­bran­che ins Schwit­zen. Sind die Ge­rä­te der­art «heiss», fra­gen sich im­mer mehr In­ves­to­ren, ob sich die Netz­be­trei­ber nicht dar­an ver­bren­nen.

Markt­an­teil wird ze­men­tiert

Der Vor­teil in­tel­li­gen­ter Te­le­fo­ne liegt für Tele­com­un­ter­neh­men wie Swiss­com vor al­lem dar­in, dass sie die Aus­ga­be­nei­gung der Kun­den sti­mu­lie­ren und hel­fen, Markt­an­tei­le zu ze­men­tie­ren. Um den Ab­satz an­zu­kur­beln, ver­rin­gern die Netz­be­trei­ber den Ver­kaufs­preis der Ge­rä­te des­halb oft auf ei­ge­ne Kos­ten und neh­men da­mit Ein­bus­sen in der Er­trags­kraft in Kauf. Hin­zu kommt die Ge­fahr, dass sich die Loya­li­tät der Kun­den zu­se­hends weg von den Mo­bil­funk­an­bie­tern hin zu IT-Iko­nen wie App­le ver­schie­ben könn­te.

In der Schweiz teilt sich Swiss­com das Ver­triebs­recht für das iPho­ne mit der Fran­ce-Tele­com-Toch­ter Oran­ge. Die Markt­ein­füh­rung hat der «Blaue Rie­se» un­ter viel me­dia­ler Auf­merk­sam­keit im ver­gan­ge­nen Som­mer ze­le­briert. Seit­her hat er über 250000 Te­le­fo­ne von App­le ver­kauft und er­war­tet, dass es bis En­de Jahr rund 300 000 sein wer­den. Ins­ge­samt be­trägt der Smart­pho­ne-An­teil im Netz von Swiss­com über 20%, nach­dem es 2007 noch le­dig­lich 10% wa­ren. Das macht sich in den Ein­nah­men be­merk­bar: 2008 wuchs der Um­satz mit mo­bi­len Da­ten­diens­ten (oh­ne SMS) über 30% auf knapp 380 Mio. Fr., was rund 11% der Mo­bil­funk­ein­nah­men in der Schweiz ent­spricht.

Ein Ge­ben und Neh­men

«Na­tür­lich kann man die Sub­ven­tio­nen und ih­re Hö­he kri­tisch hin­ter­fra­gen», sagt Swiss­com-Spre­cher Cars­ten Roetz. «Ver­mut­lich wä­ren die Prei­se im Mo­bil­funk nied­ri­ger, wenn die Han­dy­sub­ven­tio­nen nicht 300 bis 400 Fr. pro Neu­kun­den be­tra­gen wür­den. Sie sind je­doch im Schwei­zer Markt seit Jah­ren ein eta­blier­tes In­stru­ment, an das sich die Kun­den ge­wöhnt ha­ben», fügt er hin­zu. Zu­dem weist Swiss­com dar­auf hin, dass der pri­mä­re Kun­den­kon­takt beim Un­ter­neh­men blei­be und ge­ra­de die Ko­ope­ra­ti­on mit App­le zei­ge, wie wich­tig der Netz­be­trei­ber für End­ge­rä­te­her­stel­ler sei. So wählt App­le in der Re­gel den An­bie­ter mit der dich­tes­ten Ver­triebs­in­fra­struk­tur und ei­nem qua­li­ta­tiv gu­ten Mo­bil­funk­netz, denn das ist für das «Kun­den­er­leb­nis» ent­schei­dend.

Gra­tis ist der De­al je­doch nicht. Der An­sturm nach der iPho­ne-Lan­cie­rung be­ein­träch­tig­te im drit­ten Quar­tal 2008 das Be­triebs­er­geb­nis (Ebitda) von Swiss­com um 45 Mio. Fr., wo­durch sich die Mar­ge 0,5% schmä­ler­te. An­ders als da­mals hat die Markt­ein­füh­rung des neu­en iPho­ne 3GS die­sen Som­mer aber längst nicht den glei­chen An­drang aus­ge­löst. Ei­ne gra­vie­ren­de Ein­bus­se in der Er­trags­kraft ist da­her nicht zu be­fürch­ten. Ent­schei­dend ist letzt­lich, dass die Kun­den beim Kauf ei­nes ver­bil­lig­ten Han­dys ei­nen Ver­trag mit ei­ner Min­dest­lauf­zeit ab­schlies­sen, wo­mit sich die Sub­ven­tio­nie­rung ge­mäss Swiss­com un­ter dem Strich «lohnt».

Bis­her hat der iPho­ne-Boom dem Fern­mel­de­kon­zern nicht ge­scha­det. Im Ge­gen­teil: Weil sich das Da­ten­vo­lu­men im Mo­bil­funk al­le zehn Mo­na­te ver­dop­pelt, dämpft das die Um­sat­z­e­ro­si­on im Sprach­ver­kehr (vgl. FuW Nr. 52 vom 4. Ju­li). Auch ist ei­ne Sen­kung der Prei­se für die mo­bi­le Da­ten­über­tra­gung ge­mäss Swiss­com der­zeit nicht in Sicht. Für An­le­ger, die dem Op­ti­mis­mus an der Bör­se nicht ganz trau­en, sind die ak­tu­ell 4,4% ren­tie­ren­den Tele­com­wer­te wei­ter­hin ers­te Wahl.

Der tech­no­lo­gie­be­geis­ter­te Swiss­com-Chef Cars­ten Schlo­ter ist ein gros­ser App­le-Fan.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.