Deut­sche Bank nicht ganz so gut

Not­lei­den­de Kre­di­te ma­chen sich im zwei­ten Quar­tal be­merk­bar

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - ADRI­AN BLUM

Mit ih­rem am Di­ens­tag vor­ge­leg­ten Zwi­schen­be­richt hat die Deut­sche Bank zwar ih­re Chan­cen un­ter Be­weis ge­stellt, als ei­ne der Sie­ge­rin­nen aus der Fi­nanz-und Wirt­schafts­kri­se her­vor­zu­ge­hen. Die be­reits sehr hoch­ge­steck­ten Er­war­tun­gen der In­ves­to­ren ver­moch­te Vor­stands­chef Jo­sef Acker­mann aber nicht ganz zu er­fül­len. Gleich­wohl wur­de am Di­ens­tag im Auf­sichts­rat of­fi­zi­ell be­schlos­sen, was im Früh­jahr über­ra­schend an­ge­kün­digt wor­den war: Joe Acker­mann bleibt bis 2013 Chef der Deut­schen Bank.

Der für April bis Ju­ni aus­ge­wie­se­ne Ge­winn der Deut­schen Bank lag mit knapp 1,1 Mrd.€ zwar leicht über den Kon­sens­schät­zun­gen der Ana­lys­ten; die Qua­li­tät liess aber et­was zu wün­schen üb­rig. Denn auch Steu­er­ef­fek­te und die Ve­räus­se­rung von Be­tei­li­gun­gen (Daim­ler) tru­gen zum er­freu­li­chen Ge­winn­aus­weis bei. Aus­ser­dem miss­fällt der An­stieg der not­lei­den­den Kre­di­te. Die Ak­ti­en der Frank­fur­ter Gross­bank, die in den ver­gan­ge­nen zwei Wo­chen 25% an Wert ge­won­nen hat­ten, lit­ten am Di­ens­tag un­ter Ge­winn­mit­nah­men und ver­lo­ren 10% auf 46.84 €.

Wirt­schafts­kri­se mel­det sich

Ähn­lich wie die Cre­dit Suis­se hat auch die Deut­sche Bank ih­ren an­sehn­li­chen Quar­tals­ge­winn vor al­lem dem In­vest­ment Ban­king zu ver­dan­ken. Die Be­rei­che Tran­sac­tion Ban­king, As­set and We­alth Ma­nage­ment so­wie das Pri­vat-und Kun­den­ge­schäft ha­ben sich zwar so­li­de, ins­ge­samt be­trach­tet aber et­was ent­täu­schend ent­wi­ckelt. Die not­lei­den­den Kre­di­te der Deut­schen Bank ha­ben den stei­gen­den Trend fort­ge­setzt. Sie er­reich­ten 8,2 Mrd.€ nach 5,7 Mrd.€ im Vor­quar­tal und 3,3 Mrd.€ in der Vor­jah­res­pe­ri­ode. Die all­ge­gen­wär­ti­ge Be­fürch­tung, die Wirt­schafts­kri­se wer­de den Ban­ken mehr und mehr zu schaf­fen ma­chen, fin­det hier ih­re Be­stä­ti­gung. Die Ri­si­ko­vor­sor­ge wur­de dem­ent­spre­chend deut­lich er­höht und er­reich­te 1 Mrd.€ – ei­ne Ver­viel­fa­chung im Vor­jah­res­ver­gleich. Da­mit ge­ben die Frank­fur­ter ein deut­lich schlech­te­res Bild ab als man­cher Kon­kur­rent und vor al­lem als die Cre­dit Suis­se.

Ri­si­ko­ak­ti­va leicht ge­sun­ken

Die Deut­sche Bank ver­sucht wie vie­le Kon­kur­ren­ten, Ri­si­ken ab­zu­bau­en. Die ri­si­ko­ge­wich­te­ten Ak­ti­va re­du­zier­ten sich aber nur leicht auf 295 Mrd.€. In den Quar­ta­len seit An­fang 2008 lag die­se Grös­se je­weils zwi­schen 300 und 320 Mrd.€. Die CS kann un­ter die­sem Aspekt grös­se­re Er­fol­ge vor­wei­sen (vgl. Ta­bel­le).

Mit der Ent­sor­gung pro­ble­ma­ti­scher, ver­brief­ter Wert­pa­pie­re kam das deut­sche In­sti­tut vor­an: Die Le­vel 3 As­sets ( Ver­mö­gens­wer­te, für die es am Markt kei­ne Prei­se gibt) ver­rin­ger­ten sich von 88 Mrd.€ per En­de De­zem­ber 2008 und 80 Mrd.€ per En­de März 2009 auf mitt­ler­wei­le «nur noch» 64 Mrd.€.

Ein di­rek­ter Ver­gleich zur CS ist für ge­wis­se Kenn­zah­len nur be­dingt oder gar nicht mög­lich, weil die Deut­sche Bank nach IFRS, die Schwei­zer aber nach USGaap bi­lan­zie­ren. Sicht­bar ist das be­son­ders an der Bi­lanz­sum­me und der Kenn­zahl Le­ver­a­ge Ra­tio (Ei­gen­mit­tel im Ver­hält­nis zur Bi­lanz­sum­me). Hier er­reich­te die CS ei­nen Wert von knapp 4%, was im Ziel­be­reich liegt. Die Deut­sche Bank kommt nach IFRS auf ei­ne (sehr viel schlech­te­re) Le­ver­a­ge Ra­tio von 2,2%. Aus­ge­wie­sen wird je­doch auch der Pro-for­ma-Wert nach US-Gaap, wo­mit die Le­ver­a­ge Ra­tio der Deut­schen Bank mit knapp 4,2% so­gar noch et­was bes­ser ist als je­ne der CS Group.

Fi­nanz­chef Ste­fan Krau­se sag­te auf der Te­le­fon­kon­fe­renz für Ana­lys­ten, die Deut­sche Bank ha­be das Ri­si­ko be­reits der­mas­sen her­un­ter­ge­fah­ren, dass das wei­te­re Po­ten­zi­al in die­ser Hin­sicht be­grenzt sei. Nicht nur die Le­ver­a­ge Ra­tio liegt nun im Ziel­kor­ri­dor. Die Kern­ka­pi­tal­quo­te ( Tier 1) er­reich­te mit 11% (CS Group: 15,5%) den höchs­ten je­mals er­reich­ten Wert; ge­mäss Krau­se gibt es kei­nen Grund, die Ziel­grös­se von 10% an­zu­pas­sen. Eben­so Be­stand ha­ben soll das grund­sätz­li­che Be­stre­ben, im Ka­len­der­jahr ei­ne Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­te vor Steu­ern von 25% (ers­tes Halb­jahr 2009: 20,3%) zu er­wirt­schaf­ten.

Der Aus­blick der Kon­zern­füh­rung auf die kom­men­den Mo­na­te ist von Zu­rück­hal­tung und Vor­sicht ge­prägt. Die Ban­ken­bran­che und die Fi­nanz­märk­te hät­ten sich zwar sta­bi­li­siert, schreibt Joe Acker­mann im Zwi­schen­be­richt, we­gen der schlech­ten Aus­sich­ten für die Welt­wirt­schaft sei­en aber wei­te­re Be­las­tun­gen im Kre­dit­um­feld zu er­war­ten.

Die Ak­ti­en Deut­sche Bank sind ba­sie­rend auf Kon­sens­schät­zun­gen mit Kurs- Ge­winn-Ver­hält­nis­sen von 8 für 2009 und von 7 für 2010 zwar güns­tig be­wer­tet. Das Kur­s­po­ten­zi­al für die kom­men­den Mo­na­te dürf­te we­gen des schlech­ten wirt­schaft­li­chen Um­felds auf wich­ti­gen Märk­ten und der Schwan­kungs­an­fäl­lig­keit des In­vest­ment Ban­king aber be­grenzt sein.

Nun ist es of­fi­zi­ell: Joe Acker­mann bleibt bis Früh­jahr 2013 Chef der Deut­schen Bank.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.