Be­schafft sich Volks­wa­gen für Por­sche fri­sches Ka­pi­tal?

Spe­ku­la­ti­on be­wegt Ak­ti­en – Denk­bar, aber nicht zwin­gend – Al­les of­fen

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - CB

Wo es auf vie­le Fra­gen nur we­ni­ge Ant­wor­ten gibt, da spries­sen am Ak­ti­en­markt al­ler­lei Spe­ku­la­tio­nen und Ge­rüch­te. Erst recht gilt das, wenn der Sach­ver­halt hoch kom­pli­ziert ist, wenn zwar ein Ziel fest­steht, nicht aber der Weg dort­hin, und wenn die spär­li­chen Ant­wor­ten der in­vol­vier­ten Par­tei­en sich nicht voll­stän­dig de­cken. Will­kom­men im The­men­kom­plex Volks­wa­gen-Por­sche!

Im frü­hen Mon­tags­han­del büss­ten die Stamm­ak­ti­en von Volks­wa­gen bis zu 5%, die Vor­zugs­ak­ti­en bis zu 6% ein; bis Han­dels­en­de ver­rin­ger­te sich der Ver­lust aber auf 2 re­spek­ti­ve 1%. Grund für den Tau­cher war ein­mal mehr ein sich auf Kon­zern­krei­se be­ru­fen­der Me­dien­be­richt. Die Wolfs­bur­ger Au­to­mo­bil­grup­pe er­wä­ge, das Ka­pi­tal um 4Mrd.€ zu er­hö­hen, mel­de­te «Fi­nan­ci­al Ti­mes Deutsch­land». Die Mit­tel dien­ten der Über­nah­me der Dr. Ing. h. c. F. Por­sche, des ope­ra­ti­ven Ge­schäfts der Por­sche Au­to­mo­bil Hol­ding (PAH).

Aus­gangs­la­ge ist kom­plex

Volks­wa­gen mel­de­te ver­gan­ge­ne Wo­che, der ge­plan­te in­te­grier­te Au­to­mo­bil­kon­zern aus den ei­ge­nen Ak­ti­vi­tä­ten und der PAH sol­le durch die schritt­wei­se Be­tei­li­gung an der Dr. Ing. h. c. F. Por­sche und die ab­schlies­sen­de Ver­schmel­zung der PAH mit Volks­wa­gen ent­ste­hen. So ein­fach wird das aber nicht ge­hen, zu kom­plex ist die Aus­gangs­la­ge und zu vie­le ver­schie­de­ne In­ter­es­sen wol­len in dem auf zwei Jah­re ver­an­schlag­ten Zu­sam­men­füh­rungs­pro­zess be­rück­sich­tigt wer­den.

Von­sei­ten der PAH liegt zu dem skiz­zier­ten Plan bis da­to kein of­fi­zi­el­ler Be­schluss vor; das kann sich mit der re­gu­lä­ren Auf­sichts­rats­sit­zung vom 29. Ju­li je­doch än­dern. Vor al­lem aber lässt sich ei­ne Ver­schmel­zung von Volks­wa­gen und der PAH, die im Ja­nu­ar 51% der Volks­wa­gen-Stim­men kon­trol­lier­te, nicht so ein­fach be­werk­stel­li­gen – das Fu­si­ons­pro­dukt hiel­te weit mehr als die ge­setz­lich er­laub­ten 10% an ei­ge­nen Ti­teln (vgl. Sams­tag­aus­ga­be).

Oh­ne­hin ist aus­ser dem ge­mein­sa­men Ziel ei­nes in­te­grier­ten Au­to­mo­bil­kon­zerns das Meis­te noch völ­lig of­fen. Des­halb und weil al­les so kom­pli­ziert ist, be­zeich­net «Der Spie­gel» das Vor­ha­ben der zwei Un­ter­neh­men tref­fend als Kon­junk­tur­pro­gramm für Ju­ris­ten und Be­ra­ter. Auf­grund des­sen mag auch Volks­wa­gen ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung er­wä­gen, al­les wei­te­re aber bleibt Spe­ku­la­ti­on. Das gilt um­so mehr, als ei­ne Ka­pi­tal­auf­sto­ckung nicht un­be­dingt not­wen­dig ist, um die Dr. Ing. h. c. F. Por­sche zu über­neh­men.

Die Wolfs­bur­ger ver­füg­ten En­de März im Kon­zern­be­reich Au­to­mo­bi­le im­mer­hin über ei­ne Net­to­li­qui­di­tät von 10,7 Mrd.€; dank ih­rer Be­tei­li­gun­gen ste­hen ih­nen dar­über hin­aus noch an­de­re We­ge der Mit­tel­be­schaf­fung of­fen.

Auf das Wie kommt es an

Für Volks­wa­gen wä­re im ge­gen­wär­ti­gen Kon­text selbst ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung ein kom­pli­zier­tes Un­ter­fan­gen. Wür­de sie mit Vor­zugs­ak­ti­en durch­ge­führt wer­den, wä­re der Ver­wäs­se­rungs­ef­fekt gross; Op­po­si­ti­on der Vor­zugs­ak­tio­nä­re wä­re ihr ge­wiss. Die­se zö­gen es vor, wenn das neue Ka­pi­tal über Stamm­ak­ti­en zu­ge­führt wür­de. Die sind we­gen Por­sche mas­siv über­teu­ert, wes­halb man mit ei­ner deut­lich ge­rin­ge­ren An­zahl neu­er Ti­tel aus­kä­me. Die Emis­si­on neu­er Stäm­me wür­de je­doch Stimm­rechts­in­ter­es­sen tan­gie­ren, und es stell­te sich die Fra­ge, wer die fun­da­men­tal über­be­wer­te­ten Ti­tel zeich­nen soll­te.

Oh­ne­hin müs­sen sich In­ves­to­ren der Über­be­wer­tung der Stamm­ak­ti­en be­wusst sein, ist doch da­von aus­zu­ge­hen, dass die Ti­tel frü­her oder spä­ter kol­la­bie­ren. Die Vor­zugs­ak­ti­en da­ge­gen ha­ben durch­aus noch Wert­stei­ge­rungs­po­ten­zi­al. Ih­re Be­wer­tung ist nach wie vor at­trak­tiv. Die Mög­lich­keit ei­ner Ka­pi­tal­er­hö­hung birgt aber Ri­si­ken. Soll­te es da­zu kom­men, stün­de dem ver­wäs­sern­den Ef­fekt auf den Ge­winn je Ak­tie zwar auch ein Mehr­er­trag durch Por­sche ge­gen­über. Aber der Net­to­ef­fekt ist der­zeit nicht ab­schätz­bar.

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