Syn­thes geht in Chi­na in Po­si­ti­on

Wachs­tum bis zu 50% er­war­tet –Kon­kur­ren­ten sind längst po­si­tio­niert – Ak­ti­en güns­tig be­wer­tet

Finanz und Wirtschaft - - VORDERSEITE - CAR­LA PALM

Der Or­tho­pä­die­kon­zern er­öff­net ei­ne Fa­b­rik in Suz­hou und will dort Pro­duk­te für die Un­fall­chir­ur­gie her­stel­len. Die Zu­las­sung dürf­te aber noch et­wa sechs bis zwölf Mo­na­te dau­ern.

Der Or­tho­pä­die­markt in Chi­na kommt in Be­we­gung. Vor zwei Wo­chen er­öff­ne­te Syn­thes ei­ne Pro­duk­ti­ons­stät­te in Suz­hou. Kurz dar­auf folg­te Smith & Ne­phew mit ei­ner Fa­b­rik in Pe­king. Für den Schwei­zer Or­tho­pä­die­kon­zern ist der Pro­duk­ti­ons­aus­bau in Chi­na ein über­fäl­li­ger Schritt. Die meis­ten Kon­kur­ren­ten ha­ben sich dort den Zu­gang zum lo­ka­len Markt längst ge­si­chert. Syn­thes er­war­tet für die nächs­ten Jah­re zwi­schen 30 und 50% Wachs­tum in Chi­na (und In­di­en), wie Un­ter­neh­mens­spre­cher Gil­gi­an Eis­ner ge­gen­über «Fi­nanz und Wirt­schaft» sagt. Dies ent­spre­che et­wa ei­nem Pro­zent­punkt des Ge­samt­wachs­tums der Ge­sell­schaft (6,3% für 2009).

In Suz­hou wer­den zu­nächst et­wa fünf­zig Ar­ti­kel für die Un­fall­chir­ur­gie (Plat­ten und Schrau­ben) ge­fer­tigt. Ih­re Zu­las­sung wird aber erst in sechs bis zwölf Mo­na­ten er­war­tet. Die Re­gu­lie­rungs­be­hör­den in Chi­na ver­lan­gen von den Med­tech-Un­ter­neh­men zur Va­li­die­rung un­ter an­de­rem ei­ne Do­ku­men­ta­ti­on der tat­säch­li­chen Se­ri­en­pro­duk­ti­on. Syn­thes be­schäf­tigt in Suz­hou we­ni­ger als hun­dert Mit­ar­bei­ter. Wei­ter­hin will sich die Ge­sell­schaft dort um die Re­kru­tie­rung des Ver­kaufs­aus­sen­diens­tes küm­mern und die Aus­bil­dung der Chir­ur­gen vor­an­trei­ben.

Un­ter­schied­li­che Stra­te­gi­en

Die An­stren­gun­gen von Syn­thes schei­nen mit Blick auf Her­stel­ler wie Med­t­ro­nic, Bio­met oder De Puy al­ler­dings et­was haus­ba­cken. Für S&N ist die Fa­b­rik in Pe­king be­reits der zwei­te Stand­ort in Chi­na. Seit der Über­nah­me von Plus Or­tho­pe­dics (2007) sind die An­gel­sach­sen mit ei­ner Pro­duk­ti­on für Wund­pro­duk­te eben­falls in Suz­hou ver­tre­ten. In Pe­king sol­len nun ein­fa­che Ope­ra­ti­ons­in­stru­men­te so­wie Kom­po­nen­ten für Hüft-und Kni­e­im­plan­ta­te her­ge­stellt wer­den. Un­klar ist, ob auch Pro­duk­te für die Un­fall­chir­ur­gie ( Trau­ma) da­zu­kom­men. S&N will von Chi­na aus zu­erst in­ter­na­tio­na­le Kun­den be­lie­fern und spä­ter den lo­ka­len Markt ver­sor­gen.

Markt­füh­rer Med­t­ro­nic wie­der­um ist der Ein­tritt in Chi­na vor drei Jah­ren über ei­ne Ko­ope­ra­ti­on mit dem Med­tech-Un­ter­neh­men Shan­dong Wei­gao ge­lun­gen. Shan­dong ist ne­ben vie­lem an­de­rem auch in der Or­tho­pä­die ak­tiv (Hüf­te, Schul­ter, Wir­bel­säu­le). Über das Jo­int Ven­ture ver­trei­ben bei­de nun ih­re Pro­duk­te in Chi­na. Med­t­ro­nic hat zu­dem ei­ne 15%-Be­tei­li­gung an Shan­dong er­wor­ben.

Bio­met stellt seit 2004 chir­ur­gi­sche In­stru­men­te in Chi­na her und lie­fert sie nach Eu­ro­pa und den USA, wo sie je­doch erst we­ni­ger als 10% der Stück­zah­len aus­ma­chen. Es wird er­war­tet, dass die Pro­duk­ti­on von Schrau­ben und Plat­ten für die Un­fall­chir­ur­gie in Chi­na hin­zu­kommt.

«Man sieht im Mo­ment Un­ter­schie­de zwi­schen den ver­schie­de­nen Un­ter­neh­men im Auf­bau des Ver­triebs und der Pro­duk­ti­on», meint Fe­lix Kap­peler von MIV As­set Ma­nage­ment, de­ren Fonds­ver­mö­gen zu 8% im Be­reich Or­tho­pä­die an­ge­legt ist. Er geht aber da­von aus, dass der Mas­sen­markt in Chi­na nur mit lokal her­ge-

Or­ga­ni­scher Weg

Syn­thes stell­ten Pro­duk­ten be­dient wer­den kann und die Her­stel­ler trotz Un­si­cher­heit in Be­zug auf Nach­ah­mer­pro­duk­te «je län­ger, je mehr» in Chi­na in­ves­tie­ren wer­den.

Die Sor­ge um Nach­ah­mer­pro­duk­te lässt die meis­ten An­bie­ter vo­r­erst nur ei­nen Teil ih­rer An­ge­bots­pa­let­te in Chi­na pro­du­zie­ren. Kom­ple­xe und in­no­va­ti­ve Pro­duk­te wer­den wei­ter­hin an den Hei­mat­stand­or­ten her­ge­stellt. Für Syn­thes steht fest, dass der Markt­auf­bau in Chi­na nicht über ei­nen Zu­kauf um­ge­setzt wird. «Wir wäh­len lie­ber den or­ga­ni­schen Weg», kom­men­tiert Spre­cher Eis­ner. Das er­war­te­te Wachs­tum je­den­falls wür­de der Ge­sell­schaft in den kom­men­den Jah­ren gut­tun. Die Re­zes­si­on hat 2009 deut­li­che Spu­ren hin­ter­las­sen.

Im wich­ti­gen US-Markt ging das Ge­schäft mit Pro­duk­ten für die Un­fall­chir­ur­gie zu­rück, und auch der Be­reich Wir­bel­säu­le ver­lor nach der Ver­schie­bung der Ein­füh­rung des Len­den­wir­bel­pro­dukts Ma­trix an Schwung. Das ein­drück­li­che Um­satz­wachs­tum von stets über 15% konn­te Syn­thes 2009 (+6,3%) nicht mehr

Kno­chen­brü­che in Chi­na. hal­ten. Für das lau­fen­de Ge­schäfts­jahr bleibt das Ma­nage­ment wei­ter vor­sich­tig, was die In­ves­to­ren merk­lich ent­täuscht.

Die an sich de­fen­si­ven Ak­ti­en Syn­thes ha­ben seit An­fang Jahr rund 12% nach­ge­ge­ben und sind nun mit ei­nem Kurs­Ge­winn-Ver­hält­nis 16 his­to­risch güns­tig be­wer­tet. Glei­ches gilt für die Ti­tel der Wett­be­wer­ber Med­t­ro­nic (KGV 11) und S&N (KGV 13). Ein Ein­stieg auf die­sem Ni­veau bie­tet sich nun an.

Vol­le Stras­sen, viel Ver­kehr:

«hofft» auf mög­lichst vie­le

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