Zwie­späl­tig

Finanz und Wirtschaft - - AUF EINEN BLICK -

So­zi­al­mi­nis­ter Di­dier Burk­hal­ter hat zu­min­dest vo­r­erst wie­der Be­we­gung in die blo­ckier­te Dis­kus­si­on zur 11. AHV-Re­vi­si­on ge­bracht. Der Stän­de­rat hat sei­nem Vor­schlag, die ge­plan­te Er­hö­hung des Ren­ten­al­ters für die Frau­en auf 65 Jah­re nur in ei­ner «Light-Ver­si­on» so­zi­al ab­zu­fe­dern, zu­ge­stimmt. Dem­nach sol­len nicht fast al­le Er­werbs­tä­ti­gen in den Ge­nuss ei­ner er­leich­ter­ten Früh­pen­sio­nie­rung kom­men, son­dern nur Per­so­nen mit tie­fem Ein­kom­men un­ter gut 61 000 Fr. Die auf zehn Jah­re be­fris­te­te Re­ge­lung wür­de jähr­lich rund 400 Mio. Fr. kos­ten und da­mit die Hälf­te des Spar­ef­fekts aus der Er­hö­hung des Frau­en­ren­ten­al­ters gleich auf­fres­sen.

Es ist er­freu­lich – und nö­tig –, dass end­lich wie­der Be­we­gung in die AHVRe­vi­si­on kommt. Den­noch ist der Vor­schlag zwie­späl­tig. Mit Blick auf die stei­gen­de Le­bens­er­war­tung ist es grund­sätz­lich falsch, das Ren­ten­al­ter nach un­ten zu fle­xi­bi­li­sie­ren, die Al­te­rung der Be­völ­ke­rung legt eher das Ge­gen­teil na­he. Zu­dem darf der Vor­schlag Burk­hal­ters nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass die AHV da­mit noch längst nicht sa­niert ist. Sie wird, eher frü­her als spä­ter, in er­heb­li­che fi­nan­zi­el­le Schwie­rig­kei­ten ge­ra­ten, die nach dras­ti­schen Sa­nie­rungs­mass­nah­men ru­fen. Der Kom­pro­miss Burk­hal­ters könn­te im­mer­hin den Weg da­zu eb­nen. Al­ler­dings steht der Kom­pro­miss in der schwei­ze­ri­schen Po­li­tik of­fen­bar nicht mehr so hoch im Kurs wie auch schon. Der Vor­schlag Burk­hal­ters droht im Na­tio­nal­rat zwi­schen den Fron­ten der «Blo­cka­de-Al­li­anz» SP/SVP zer­rie­ben zu wer­den. Der SP geht die Lö­sung viel zu we­nig weit, sie will ei­ne gross­zü­gi­ge­re Ab­fe­de­rung, die gleich­sam ei­ner Sen­kung des Ren­ten­al­ters gleich­kä­me. Sie hält vor­der­hand an ih­rer Re­fe­ren­dums­dro­hung fest. Der SVP geht der Kom­pro­miss um­ge­kehrt zu weit, sie will gar kei­ne Ab­fe­de­rung. Die Stur­heit der Po­le zur Lin­ken und zur Rech­ten ge­fähr­det nicht nur die AHV-Re­vi­si­on, son­dern letzt­lich die AHV als Gan­zes.

Es sind die­sel­ben Par­tei­en, die auch den Staats­ver­trag zwi­schen der Schweiz und den USA in Sa­chen UBS ge­fähr­den. Wäh­rend die SP un­be­lehr­bar bei ih­rem Nein bleibt, hat die SVP nach der De­bat­te im Stän­de­rat (vgl. Sei­te 20) er­neut ei­nen Schwen­ker voll­zo­gen: Weil der Rat Mo­tio­nen zur Ein­füh­rung ei­ner Bo­nus­steu­er an­ge­nom­men hat, will die SVP den Staats­ver­trag nun im Na­tio­nal­rat wie­der ab­leh­nen. Die star­ken Par­tei­en auf den po­li­ti­schen Po­len rich­ten ih­re Po­li­tik nicht nach sach­li­chen, son­dern nach rein macht­po­li­ti­schen Über­le­gun­gen aus. Die dar­aus re­sul­tie­ren­de po­li­ti­sche Blo­cka­de scha­det der Schweiz. Wann re­agiert der Stimm­bür­ger?

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