Si­cher­heit geht über al­les

IN­TER­NA­TIO­NA­LE AN­LEI­HEN Die Fol­gen der eu­ro­päi­schen Schul­den­kri­se rei­chen rund um den Glo­bus

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - RE­TO HUENERWADEL UND DA­MI­AN KAI­SER,

In Eu­ro­pa be­ginnt sich der durch die Schul­den­kri­se auf­ge­wir­bel­te Staub zu set­zen. Selbst die jüngs­ten Be­mer­kun­gen über die un­ga­ri­sche Fis­kal­si­tua­ti­on ha­ben die La­ge nicht de­sta­bi­li­siert. Die Fol­gen der Kri­se be­stim­men aber wei­ter­hin eu­ro­päi­sche An­lei­hen. Nur sind die EU-Län­der un­ter­schied­lich be­trof­fen. Län­der mit ver­gleichs­wei­se so­li­dem Staats­haus­halt und ex­port­ori­en­tier­ter Volks­wirt­schaft wie Deutsch­land oder die Nie­der­lan­de pro­fi­tie­ren von der Schwä­che des Eu­ros und dem tie­fen Zins­ni­veau auf­grund der vor­aus­sicht­lich län­ger an­hal­ten­den ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik.

An­der­seits wird das Wirt­schafts­wachs­tum in den nächs­ten Jah­ren in Spa­ni­en, Por­tu­gal und Grie­chen­land we­gen der ein­schnei­den­den, aber not­wen­di­gen Spar­pro­gram­me und der ho­hen Ri­si­ko­prä­mi­en ge­dämpft. Die­se Di­ver­genz spie­gelt sich am lan­gen En­de der Zins­kur­ven. Bei den deut­schen und den fran­zö­si­schen Staats­an­lei­hen sind die Ren­di­ten auf­grund der ho­hen Nach­fra­ge nach si­che­ren Staats­an­lei­hen in Kom­bi­na­ti­on mit mo­de­ra­ten In­fla­ti­ons­ra­ten wei­ter ge­sun­ken.

Da­ge­gen ha­ben die Ri­si­ko­prä­mi­en an­ge­sichts der un­ge­wis­sen Er­folgs­aus­sich­ten und der kurz­fris­tig ne­ga­ti­ven Wachs­tums­ef­fek­te der Spar­pa­ke­te die Ren­di­ten lang­lau­fen­der por­tu­gie­si­scher und grie­chi­scher Staats­an­lei­hen er­höht. Das­sel­be gilt für spa­ni­sche Staats­pa­pie­re, bei de­nen die jüngs­te Her­ab­stu­fung der Kre­dit­wür­dig­keit den Zins­an­stieg be­schleu­nigt hat.

Tie­fe Ren­di­ten in den USA

Im Schat­ten der Eu­ro­dis­kus­sio­nen er­ge­ben sich auch in­ter­es­san­te Ent­wick­lun­gen rund um den Glo­bus. In den USA be­fin­den sich die Ren­di­ten der An­lei­hen eben­falls im Sink­flug. Al­ler­dings ist dort die In­fla­ti­on un­ter Er­war­ten aus­ge­fal­len und be­fin­det sich auf sehr tie­fem Ni­veau. Für die Zu­kunft wer­den ver­gleichs­wei­se be­schei­de­ne Teue­rungs­ra­ten er­war­tet. Dies ist auf die schlep­pen­de Er­ho­lung des Ar­beits­mark­tes zu­rück­zu­füh­ren. Die Zahl der wö­chent­lich neu re­gis­trier­ten Ar­beits­lo­sen be­trägt mehr als 450000, die Ar­beits­lo­sen­quo­te fällt nur lang­sam.

Zu­dem führ­te der Kauf von US-Staats­pa­pie­ren durch ver­un­si­cher­te An­le­ger aus Sa­fe-Ha­ven-Über­le­gun­gen im Zu­ge der Eu­ro­kri­se zu tie­fen US-Staats­an­lei­hen­ren­di­ten. Für in der Schweiz do­mi­zi­lier­te In­ves­to­ren bot sich ei­ne sehr at­trak­ti­ve Ren­di­te von An­la­gen in zehn­jäh­ri­ge US-Tre­a­su­ries: Seit Jah­res­be­ginn konn­te dank des Auf­wärts­drucks des Dol­lars ei­ne Ren­di­te von 20% er­zielt wer­den, wohl­ge­merkt in Fran­ken. Mit der Er­ho­lung der US-Wirt­schaft dürf­ten sich kur­ze und lan­ge Zin­sen vom ak­tu­el­len Tief et­was er­hö­hen.

Ka­na­das Zen­tral­bank hat am Di­ens­tag er­war­tungs­ge­mäss die Leit­zin­sen von 0,25 auf 0,5% an­ge­ho­ben. So­mit hat der nörd­li­che Nach­bar der USA ein­mal mehr den ers­ten Schritt in Rich­tung re­strik­ti­ve­re Geld­po­li­tik ge­macht. Ka­na­da ist der ers­te der G-7-Staa­ten, der die Zin­sen er­höht hat. Die Straf­fung wur­de vor al­lem we­gen des star­ken In­land­wachs­tums der bei­den letz­ten Quar­ta­le not­wen­dig. Trotz­dem äus­sert sich die Zen­tral­bank zu­rück­hal­tend. Sie be­tont die Un­si­cher­heit an den glo­ba­len Fi­nanz­märk­ten und die un­gleich­mäs­si­ge Er­ho­lung der Welt­wirt­schaft.

Ja­pans Er­fol­ge über­se­hen

Ja­pan lei­det zwar noch un­ter de­fla­tio­nä­ren Ten­den­zen. Es gibt aber auch po­si­ti­ve Zei­chen, wie den über­ra­schend kräf­ti­gen An­stieg von Kon­sum-und Ka­pi­tal­aus­ga­ben so­wie der Ex­por­te und des Leis­tungs­bi­lanz­über­schus­ses. Im Kon­text der eu­ro­päi­schen Schul­den­kri­se wer­den die gu­ten Nach­rich­ten je­doch durch die enor­me Staats­ver­schul­dung Ja­pans in den Schat­ten ge­stellt.

Die fla­che Zins­kur­ve of­fe­riert nur ge­rin­ge Ren­di­ten. Sor­gen um den Staats­haus­halt und der Wirt­schafts­auf­schwung könn­ten die Zin­sen stei­gen las­sen. Pro­fi­te in ja­pa­ni­schen An­lei­hen sind aber noch ei­ne Zu­kunfts­ge­schich­te.

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