EU-Auf­sicht für Ra­tin­ga­gen­tu­ren

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - AN

Zwei Wo­chen vor dem Gip­fel der Staats-und Re­gie­rungs­chefs der Eu­ro­päi­schen Uni­on (EU) hat Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Jo­sé Ma­nu­el Bar­ro­so dar­ge­legt, wie Ra­tin­ga­gen­tu­ren bes­ser be­auf­sich­tigt wer­den sol­len. Die we­gen ih­rer Fehl­ur­tei­le in der Be­wer­tung struk­tu­rier­ter Pro­duk­te und der Miss­ach­tung von In­ter­es­sen­kon­flik­ten in die Kri­tik ge­ra­te­nen Ana­ly­se­häu­ser sol­len dem­nach ei­ner zen­tra­len Be­hör­de, der Eu­ro­päi­schen Wert­pa­pier­auf­sichts­be­hör­de Es­ma, un­ter­stellt wer­den. Sie wür­de mit ex­klu­si­ven Be­fug­nis­sen über die in der EU re­gis­trier­ten Ra­tin­ga­gen­tu­ren aus­ge­stat­tet. Da­zu zäh­len auch die Eu­ro­pa­fi­lia­len be­kann­ter Na­men wie Fitch, Moo­dy’s und Stan­dard & Poor’s, be­ton­te Bar­ro­so am Mitt­woch.

Es­ma hät­te das Recht, In­for­ma­tio­nen ein­zu­for­dern, Er­mitt­lun­gen ein­zu­lei­ten und Un­ter­su­chun­gen an Ort und Stel­le vor­zu­neh­men. Aus­ser­dem sieht der Ver­ord­nungs­vor­schlag vor, dass Emit­ten­ten struk­tu­rier­ter Fi­nanz­in­stru­men­te, wie Kre­dit­in­sti­tu­te, Ban­ken und Wert­pa­pier­fir­men, In­for­ma­tio­nen, die sie ih­ren ei­ge­nen Agen­tu­ren be­reit­stel­len, auch al­len an­de­ren in­ter­es­sier­ten Ra­tin­ga­gen­tu­ren zur Ver­fü­gung stel­len müs­sen. Die­se sol­len da­mit in der La­ge sein, un­an­ge­for­der­te Ra­tings ab­ge­ben zu kön­nen.

Ziel ist es, die Trans­pa­renz im Ra­ting­ge­schäft zu er­hö­hen, die Wett­be­werbs­kräf­te zu för­dern und letzt­lich die Nut­zer – vor al­lem An­le­ger – bes­ser zu schüt­zen. Ein ein­heit­li­cher Auf­sichts­rah­men in der EU statt der viel­fäl­ti­gen na­tio­na­len Re­ge- lun­gen, die bis­her Zu­las­sung, Tä­tig­keit und Auf­sicht von Ra­tin­ga­gen­tu­ren re­geln, ge­hör­te zu den prio­ri­tä­ren Zie­len, seit die po­li­ti­sche Re­form­de­bat­te der Ra­tin­ga­gen­tu­ren im Som­mer 2007 be­gon­nen ha­ben. Im Win­ter 2009 war be­reits ei­ne EU-Ver­ord­nung be­schlos­sen wor­den, die u. a. ei­ne EU-Re­gis­trie­rung, das Ver­bot von Be­ra­tungs­diens­ten und die Ver­öf­fent­li­chung von Mo­del­len und Me­tho­den der Ra­ting­ana­ly­sen vor­schreibt. Die­se Ver­ord­nung wird von den na­tio­na­len Par­la­men­ten der EU-Mit­glied­staa­ten der­zeit um­ge­setzt und er­langt im De­zem­ber 2010 um­fas­sen­de Gül­tig­keit. Die neue Be­hör­de wird von den be­auf­sich­tig­ten Agen­tu­ren ei­ne Ge­bühr ver­lan­gen. De­tails da­zu wird die Kom­mis­si­on spä­ter vor­le­gen.

Bar­ro­so rech­net da­mit, dass die nun vor­ge­stell­te Er­gän­zung zum künf­ti­gen EURa­ting-Re­gel­werk im Lau­fe des kom­men­den Jah­res in Kraft tritt. Die For­de­rung, ei­ne staat­li­che eu­ro­päi­sche Ra­ting­agen­tur als Ge­gen­wicht zu den drei do­mi­nie­ren­den US-Häu­sern zu grün­den, ent­hält der Vor­schlag nicht. Sie ist des­halb aber noch nicht vom Tisch. Die Kom­mis­si­on prü­fe noch, ob ei­ne eu­ro­päi­sche Ra­ting­agen­tur Nut­zen brin­ge oder ob un­ab­hän­gi­ge staat­li­che Be­hör­den künf­tig ei­ge­ne Ra­tings aus­ge­ben sol­len. Zu­min­dest was die Beur­tei­lung der Bo­ni­tät von Staa­ten be­trifft, soll­te Bar­ro­so aber wis­sen, dass die EU mit sol­chen staat­li­chen No­ten den nächs­ten In­ter­es­sen­kon­flikt im Ra­ting­ge­wer­be vom Zaun bre­chen wür­de.

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