Wal­ls­treet wird Kon­junk­tur­sor­gen nicht los

Ent­täu­schen­de Be­schäf­ti­gungs­zah­len – Fort­schritt im Tech­sek­tor – Spe­ku­la­ti­on über ei­nen Go­ing Pri­va­te von Dell – Ge­misch­tes Bild im De­tail­han­del

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN NEW YORK - JAN BAU­MANN,

AZu­ver­sicht­li­che Wor­te ka­men vom Chef des gröss­ten Soft­ware­her­stel­lers, Mi­cro­soft (26.86 $ am Don­ners­tag, +3,3% im Wo­chen­ver­gleich). CEO Ste­ve Ball­mer mein­te, der Ab­satz von PC – die mehr­heit­lich mit dem Be­triebs­sys­tem Win­dows von Mi­cro­soft aus­ge­stat­tet sind – wer­de auf Jah­re hin­aus zu­neh­men. Die Idee, die Stan­dar­drech­ner für den in­di­vi­du­el­len Ge­brauch da­heim und im Bü­ro wür­den n der Bör­se New York fes­tig­te sich in der zwei­ten Wo­chen­hälf­te zu­nächst das Ver­trau­en in die Wi­der­stands­kraft der US-Wirt­schaft et­was. Die Staats­schul­den­kri­se in Eu­ro­pa wer­de den Auf­schwung in Ame­ri­ka schon nicht ab­wür­gen, hiess es. Die jüngs­te Le­sung des ISM-Ein­kaufs­ma­na­ger­inde­xes zur Ver­fas­sung des Di­enst­leis­tungs­sek­tors be­stärk­te am Don­ners­tag die­se Hoff­nung noch. Be­son­ders das Tech­seg­ment ent­wi­ckel­te neu­en Schwung, wäh­rend dem Ener­gie­sek­tor die Öl­ver­schmut­zungs­mi­se­re im Golf von Me­xi­ko zu schaf­fen mach­te.

Mit Span­nung er­war­te­ten die In­ves­to­ren den mo­nat­li­chen Ar­beits­markt­be­richt, der am Frei­tag­mor­gen ei­ne St­un­de vor Han­dels­be­ginn her­ein­kam. Die Öko­no­men hat­ten ei­nen deut­li­chen Be­schäf­ti­gungs­zu­wachs vor­her­ge­sagt. Die Schät­zun­gen be­weg­ten sich in der Grös­sen­ord­nung von rund ei­ner hal­ben Mil­li­on bis gut 600 000 zu­sätz­li­chen Stel­len im Mo­nat Mai – nicht zu­letzt dank der Volks­zäh­lung, die die­sen Som­mer Hun­dert­tau­sen­den vor­über­ge­hend zu ei­nem Job ver­hilft. Gross war dann die Ent­täu­schung über die tat­säch­li­chen Zah­len. Zieht man die 411 000 für den Zen­sus im Mai zu­sätz­lich ein­ge­stell­ten Staats­an­ge­stell­ten ab, bleibt nur ein Zu­wachs im Pri­vat­sek­tor von 41000 Stel­len üb­rig (vgl. Spot­light).

Mi­cro­soft zu­ver­sicht­lich

von klei­ne­ren, mo­bi­len Ge­rä­ten wie dem iPho­ne von App­le (263.12 $, +3,9%) ver­drängt, sei Un­fug. Die Zah­len ge­ben Ball­mer recht: Al­lein die­ses Jahr dürf­te der PCAb­satz um 22% auf 376,6 Mio. Ein­hei­ten stei­gen, sagt das un­ab­hän­gi­ge Markt­for­schungs­un­ter­neh­men Gart­ner vor­aus. Seit Mi­cro­soft im Ok­to­ber Win­dows 7 lan­cier­te, wur­den über 100 Mio. Li­zen­zen für die Soft­ware ver­kauft. App­le wird dem­ge­gen­über die­ses Jahr «nur» schät­zungs­wei­se 10 Mio. Ex­em­pla­re von den in Eu­ro­pa so­eben in den Ver­kauf ge­gan­ge­nen iPad-Ta­blett-Rech­nern ab­set­zen.

Neu­er Mo­bil­ta­rif mit Fol­gen

App­les ex­klu­si­ver Mo­bil­funk-Part­ner für iPho­nes und iPads in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten ist AT&T (24.80 $, +0,7%). Der Tele­com­kon­zern än­dert das Ge­büh­ren­mo­dell für den draht­lo­sen Zu­gang aufs In­ter­net. Der An­bie­ter wird künf­tig je nach Ge­brauch des Di­ens­tes ta­ri­fie­ren, statt – wie bis­lang – für ei­nen fi­xen Preis un­be­grenz­ten Da­ten­ver­kehr zu er­mög­li­chen. Der Ta­rif­wech­sel könn­te weit­rei­chen­de Fol­gen in der Bran­che ha­ben und da­zu füh­ren, dass die Nut­zer bei­spiels­wei­se den Kon­sum von da­ten­in­ten­si­ven Spiel-Ap­pli­ka­tio­nen auf ih­ren mo­bi­len Ge­rä­ten dros­seln.

In­di­rekt könn­te Re­se­arch in Mo­ti­on (61.65 $, –0,1%) da­von pro­fi­tie­ren. Der Her­stel­ler der Black­ber­ry-Smart­pho­nes be­lohnt schon län­ger den spar­sa­men Da­ten­ge­brauch. Die Ver­lo­ckung, al­lein we­gen des ta­rif­lich un­li­mi­tier­ten In­ter­net­zu­gangs vom Black­ber­ry auf das iPho­ne zu wech­seln, ent­fällt nun.

An ei­ner In­ves­to­ren­kon­fe­renz liess sich Michael Dell, Grün­der und Kon­zern­chef des nach ihm be­nann­ten Com­pu­ter­kon­zerns Dell (13.76 $, +2,7%), zu ei­ner viel­sa­gen­den Äus­se­rung hin­reis­sen: Er ha­be in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit er­wo­gen, sei­ne Ge­sell­schaft von der Bör­se zu neh­men. Der dritt­gröss­te PC-Her­stel­ler ist

In­di­zes New York nicht in son­der­lich gu­ter Form, und es ist da­her ver­ständ­lich, dass sich Dell dem kri­ti­schen Ur­teil durch die Bör­se manch­mal lie­ber ent­zie­hen wür­de. Al­ler­dings wä­ren Über­nah­men nach ei­nem Ta­king Pri­va­te viel schwie­ri­ger zu fi­nan­zie­ren. Am Frei­tag leg­te sich die Spe­ku­la­ti­on über ein all­fäl­li­ges An­ge­bot für die im Markt be­find­li­chen Dell-Pa­pie­re wie­der.

Die Zah­len zum De­tail­han­dels­um­satz im Mai sind ge­mischt aus­ge­fal­len. Wäh­rend hö­her­prei­si­ge Ge­schäf­te wie die von Saks (9.14 $, +0,2%) und Nord­strom (38.52 $, –3,5%) auf ver­gleich­ba­rer Flä­che bes­ser ver­kauf­ten, hat­ten Klei­der­ket­ten, die sich ans jün­ge­re, preis­be­wuss­te Pu­bli­kum rich­ten, bei­spiels­wei­se Aber­crom­bie & Fitch (37.58 $, +5,6%), eher Mü­he. Das gilt im Fall Aber­crom­bie aber nur für den Heim­markt USA. Der in­ter­na­tio­na­le Um­satz des Kon­zerns nahm im Mai kräf­tig zu. Ma­cy’s (22.49 $, +2%) er­füll­te mit ei­nem Zu­wachs von 1,4% die ge­dämpf­ten Er­war­tun­gen an die Mai­ve­r­kaufs­zah­len.

Greg St­ein­ha­fel, Chair­man und Chef von Tar­get (54.48 $, –1,5%), kom­men­tier­te, die Schwan­kun­gen im Ab­satz des Ein­zel­han­dels wür­den die Un­si­cher­heit über den US-Kon­junk­tur­ver­lauf spie­geln. Sei­ne Grup­pe stei­ger­te die so­ge­nann­ten Sa­meS­to­re-Sa­les im Mai um 1,3%.

Die Fi­nanz­wer­te blie­ben un­ter Druck. In Gross­bri­tan­ni­en hat sich J. P. Mor­gan Cha­se (39.10 $, –3,3%) ei­ne Re­kord­bus­se im Um­fang von 33,3 Mio. £ (49 Mio. $) ein­ge­fan­gen. Die Fi­nanz­markt­auf­sicht ver­häng­te die Stra­fe da­für, dass die US-Bank Kun­den­gel­der jah­re­lang buch­hal­te­risch nicht sau­ber ab­ge­grenzt hat. Des­halb sei­en die Mit­tel un­nö­ti­ger­wei­se ei­nem er­höh­ten Ri­si­ko aus­ge­setzt ge­we­sen.

Die Ban­ken­re­gu­lie­rung bleibt auf meh­re­ren Bühnen ein The­ma. Am Wo­che­n­en­de tref­fen sich Spit­zen­ver­tre­ter der G20-Staa­ten in Süd­ko­rea, um über die Re­form der Ka­pi­tal­vor­schrif­ten zu spre­chen. Es geht dar­um, in­ter­na­tio­nal ein­heit­li­che Re­geln ein­zu­füh­ren. Auf na­tio­na­ler Ebe­ne ei­len die USA mit der Fi­nanz­markt­re­form vor­aus. Bis An­fang Ju­li soll die de­fi­ni­ti­ve Fas­sung des neu­en Auf­sichts­ge­set­zes vor­lie­gen (vgl. Sei­te 12).

Ener­gie­wer­te un­ter Druck

Auf der Ver­lie­rer­sei­te stan­den ei­ni­ge Roh­stoff­wer­te. So büss­ten Free­port-McMoRan Cop­per & Gold (66.17 $, –6,9%) und die Ti­tel des Alu­mi­ni­um­kon­zerns Al­coa (11.37 $, –3,8%) Ter­rain ein. Die Be­fürch­tung, Chi­na wer­de das Wachs­tum über­mäs­sig dros­seln, be­las­te­ten. Harsch zu­rück­ge­stuft wur­den auch Ana­dar­ko Pe­tro­le­um (46.06 $, –17,1%). Der Kon­zern ist mit­be­tei­ligt an der Öl­platt­form von BP, die seit ei­ner Ex­plo­si­on vor über sechs Wo­chen den Golf von Me­xi­ko ver­schmutzt. Ana­dar­ko ge­hört 25% der Öl­quel­le, und Ana­lys­ten sa­gen, die Ge­sell­schaft müs­se sich zu et­wa 15% an den Auf­räum­ar­bei­ten be­tei­li­gen.

Der Dow Jo­nes In­dus­tri­al schloss am Don­ners­tag mit 10255,28 fast auf dem glei­chen Stand wie vor Wo­chen­frist. Der tech­no­lo­gie­las­ti­ge Nas­daq-Com­po­si­te-In­dex konn­te um 1,1% auf 2303,03 zu­le­gen. Am Bond­markt stieg die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger Tre­a­su­ry No­tes um vier Ba­sis­punk­te auf 3,38%. Am Frei­tag­mit­tag no­tier­te der Dow 2,3% im Mi­nus.

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