Streit um Pri­va­ti­sie­rung der Ki­wi­bank

Neu­see­land prüft Bör­sen­gang – Aus­tra­li­sche Gross­ban­ken wä­ren po­ten­zi­el­le Nutz­nies­ser

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN ÜBERSEE - UW

Die Re­gie­rung Neu­see­lands prüft die Pri­va­ti­sie­rung der er­folg­rei­chen Ki­wi­bank. Wie Fi­nanz­mi­nis­ter Bill Eng­lish er­klär­te, sei die 2002 ge­grün­de­te Ge­mein­de­bank ei­ne at­trak­ti­ve An­la­ge für In­ves­to­ren. Das Fi­nanz­in­sti­tut ist ei­ner von meh­re­ren staats­ei­ge­nen Be­trie­ben, die von Wel­ling­ton ver­kauft wer­den könn­ten.

Die Ki­wi­bank war 2002 von der da­ma­li­gen La­bour-Re­gie­rung ins Le­ben ge­ru­fen wor­den, um Neu­see­län­dern auf Ge­mein­de­ebe­ne ei­ne Al­ter­na­ti­ve zu den vier aus­tra­li­schen In­sti­tu­ten zu bie­ten, die den Markt be­herrsch­ten. Was als Ver­such ge­plant war, ent­wi­ckel­te sich zu ei­nem Gross­er­folg: Die Ki­wi­bank hat heu­te 700 000 Kun­den in ei­nem Land mit nur 3,4 Mio. Ein­woh­nern und kon­trol­liert Ak­ti­va im Ge­samt­wert von 200 Mrd. NZ-$. Wie Eng­lish mein­te, ha­be die Ki­wi­bank ei­ne Grös­se er­reicht, wo sie ent­we­der ei­ne Re­gie­rungs­ga­ran­tie be­nö­ti­ge oder ei­ne gros­se Men­ge neu­en Ka­pi­tals. Kaum ein Ge­schäft wer­de von Ra­tin­ga­gen­tu­ren als so ri­si­ko­reich be­wer­tet wie «ei­ne klei­ne, rasch wach­sen­de Bank».

Als Al­ter­na­ti­ve zu ei­nem Bör­sen­gang stell­te Eng­lish zur De­bat­te, ob die Ki­wi­bank zur Mehr­heit in Re­gie­rungs­hand blei­ben, der Rest des Ka­pi­tals aber am Markt auf­ge­nom­men wer­den soll­te. Der Ver­kauf staats­ei­ge­ner Be­trie­be war ei­ne der Haup­t­emp­feh­lun­gen ei­ner zu Be­ginn der Fi­nanz­kri­se von der La­bour-Par­tei ein­ge­setz­ten Un­ter­su­chungs­kom­mis­si­on. Die kon­ser­va­ti­ve Re­gie­rung un­ter der Füh­rung von Pre­mier­mi­nis­ter John Key, ei­nem frü­he­ren In­vest­ment­ban­ker, war im No­vem­ber 2008 an die Macht ge­kom­men.

Die Aus­sicht auf ei­nen auch nur teil­wei­sen Ver­kauf der Ki­wi­bank führ­te so- wohl in der Be­völ­ke­rung als auch un­ter Po­li­ti­kern zu hef­ti­ger Kri­tik. Die Neu­see­län­der zeig­ten sich in Le­ser­zu­schrif­ten über die Plä­ne em­pört. Der Chef der La­bour-Par­tei, Phil Goff, wies dar­auf hin, dass die vier do­mi­nan­ten aus­tra­li­schen Gross­ban­ken schon heu­te «rie­si­ge Ge­win­ne aus dem Land schaf­fen». Ki­wi­bank sei aus dem Grund so er­folg­reich, weil sie den Neu­see­län­dern ge­hö­re. Jim An­der­ton, Füh­rer der Pro­gres­si­ven Par­tei, auf de­ren Initia­ti­ve Ki­wi­bank ge­grün­det wor­den war, sprach von wirt­schaft­li­chem Van­da­lis­mus. «Die Pri­va­ti­sie­rung wür­de Ki­wi­bank in die Hän­de von Aus­län­dern brin­gen. Die Käu­fer wä­ren aus­tra­li­sche Ban­ken», er­klär­te der Po­li­ti­ker.

Zwei­fels­oh­ne wür­den die aus­tra­li­sche Na­tio­nal Aus­tra­lia Bank, Com­mon­wealth Bank, ANZ und West­pac stark von ei­ner Über­nah­me der Ki­wi­bank pro­fi­tie­ren. Die Big Four könn­ten ih­re Po­si­ti­on in Neu­see­land ver­bes­sern und aus­bau­en.

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