Na­tio­nal Grid loh­nen als Ren­di­te­ti­tel

AKTIENEXPOSÉ Bri­ti­scher Ver­sor­ger ar­bei­tet am Wert des US-Ge­schäfts – Am­bi­tiö­se In­ves­ti­ti­ons­plä­ne im Heim­markt – Schuld­ner­ra­ting mit Ka­pi­tal­er­hö­hung ge­si­chert

Finanz und Wirtschaft - - KAPITALANLAGEN - CLIFFORD PADEVIT,

Stei­gen­der Strom­preis

In re­gu­lier­te Bran­chen zu in­ves­tie­ren, ist nicht je­der­manns Sa­che. Die Ren­di­ten der An­bie­ter sind be­grenzt, die Prei­se wer­den nicht am Markt fest­ge­legt. Was aber an Ver­sor­gern lockt, sind die Sta­bi­li­tät, ein kon­stan­ter Cash­flow und gross­zü­gi­ge Di­vi­den­den. All die­se Kri­te­ri­en pas­sen auf Na­tio­nal Grid. Der Ver­sor­ger ist in Gross­bri­tan­ni­en und in den USA ak­tiv. Ent­stan­den ist das Un­ter­neh­men 1990, als die Elek­tri­zi­täts­ver­sor­gung in Gross­bri­tan­ni­en pri­va­ti­siert wur­de. In En­g­land und Wa­les be­sitzt Na­tio­nal Grid Hoch­span­nungs­lei­tun­gen und be­lie­fert 11 Mio. Ge­schäf­te und Haus­hal­te mit Gas, was rund ei­nem Vier­tel der lan­des­wei­ten Ab­neh­mer ent­spricht. Das USGe­schäft ist auf die Gas-und Strom­ver­sor- gung im Nord­os­ten Ame­ri­kas kon­zen­triert. Es do­mi­niert den Um­satz, ren­ta­bler sind in­des die bri­ti­schen Ak­ti­vi­tä­ten (70% des Ge­winns). Die Hälf­te des Ge­winns stammt aus der Strom­über­tra­gung, gut ein Drit­tel aus der Gas­ver­tei­lung.

Der un­ter­neh­me­ri­sche Frei­raum von Na­tio­nal Grid ist be­schränkt, denn die Strom­prei­se in den USA und in Gross­bri­tan­ni­en sind re­gu­liert. Das Wachs­tum be­wegt sich in ei­nem en­gen Rah­men. Je­doch sind die Ein­nah­men im Heim­markt an den Kon­su­men­ten­preis­in­dex ge­knüpft, und zu­dem wird der Strom­preis in den kom­men­den Jah­ren stei­gen.

Ver­sor­gungs­lü­cke

Hin­ter­grund ist die dro­hen­de Ver­sor­gungs­lü­cke. Sie ent­steht, weil die bri­ti­sche Re­gie­rung und die EU Kli­ma­zie­le vor­ge­ben. Die Treib­haus­gas­emis­sio­nen in der EU sol­len bis 2020 ver­gli­chen mit dem Stand von 1990 um 20% ge­senkt wer­den. Gross­bri­tan­ni­en hat sich über­dies zum Ziel ge­setzt, dass bis 2020 15% des Stroms aus er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en stam­men, was ei­ner Ver­sie­ben­fa­chung ge­mes­sen am An­teil von 2008 ent­spricht. 2009 wur­den in Bri­tan­ni­en noch fast 30% des Strom­be­darfs durch Koh­le­kraft­wer­ke ge­deckt. Der bri­ti­sche Re­gu­la­tor Of­gem warn­te un­längst vor ei­ner Lü­cke. Im schlech­tes­ten Fall könn­te ab 2016 die Nach­fra­ge in Spit­zen­zei­ten nicht ge­deckt wer­den, was Strom­un­ter­brü­che nach sich zö­ge. Des­halb sind ge­mäss Of­gem in den kom­men­den zehn Jah­ren In­ves­ti­tio­nen von 200 Mrd.£ (knapp 340 Mrd. Fr.) nö­tig. Oh­ne Preis­er­hö­hun­gen lässt sich die­se Sum­me nicht fi­nan­zie­ren. Of­gem rech­net mit ei­nem An­stieg der Strom­prei­se für pri­va­te Haus­hal­te bis 2020 von 13 bis 26%.

Bei hö­he­ren Prei­sen loh­nen sich auch In­ves­ti­tio­nen. Na­tio­nal Grid in­ves­tiert in Bri­tan­ni­en in die Er­neue­rung der Ver­teil­net­ze. Dar­um hat die Grup­pe – zur Über­ra­schung vie­ler – En­de Mai ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung von 3,2 Mrd. £ an­ge­kün­digt. Da­mit wird das In­ves­ti­ti­ons­pro­gramm von 22 Mrd.£ für die nächs­ten fünf Jah­re ab­ge­si­chert. In den letz­ten fünf Jah­ren wur­den «nur» 14 Mrd.£ aus­ge­ge­ben. Dank des fri­schen Ak­ti­en­ka­pi­tals si­chert sich Na­tio­nal Grid das Schuld­ner­ra­ting A. An­ge­sichts der ho­hen Ver­schul­dung von Ver­sor­gern wie Na­tio­nal Grid spielt die­se No­te ei­ne gros­se Rol­le. Je bes­ser das Ra­ting, des­to ge­rin­ger der Fi­nan­zie­rungs­auf­wand.

Als Schwach­punkt und als Chan­ce wird das US-Ge­schäft be­trach­tet. Un­ter den mo­men­ta­nen Ver­trä­gen wirft es we­ni­ger ab als die Ak­ti­vi­tä­ten im Heim­markt. UBSAna­lys­ten lei­ten dar­aus ei­ne Chan­ce ab. Ent­we­der bringt es Na­tio­nal Grid fer­tig, Mehr­ein­nah­men zu er­zie­len, oder ver­kauft Tei­le der An­la­gen. Kürz­lich ab­ge­schlos­se­ne Ver­käu­fe von Über­tra­gungs­an­la­gen in den USA durch Iber­dro­la und Eon ha­ben ho­he Be­wer­tun­gen er­zielt.

Doch selbst wenn es ge­lingt, den Wert des US-Ge­schäfts zu stei­gern, sind Na­tio­nal Grid kei­ne Kurs­ra­ke­te. Die Ak­ti­en sind ei­ne de­fen­si­ve An­la­ge mit nied­ri­ger Be­wer­tung (Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis 2010/11 von 10). Die Di­vi­den­den­ren­di­te von 7,4% über­trifft die sämt­li­cher an­de­rer Ver­sor­ger­ak­ti­en in Gross­bri­tan­ni­en. Zu­dem wird ei­ne Zu­nah­me der Aus­schüt­tung von jähr­lich 8% bis 2012 ver­spro­chen. Al­les in al­lem ein Kauf.

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