Der Mak­ler von der Gold­küs­te

Finanz und Wirtschaft - - IN KÜRZE - KK

Gerhard E. Wal­de steht im Im­mo­bi­li­en­ge­schäft ganz oben. 81 Me­ter über den Dä­chern von Zü­rich ver­mark­tet Wal­de & Part­ner im Mo­bi­mo To­wer Woh­nun­gen von welt­städ­ti­schen Di­men­sio­nen: Lofts mit bis zu 324 m² Flä­che und zu Prei­sen bis über 4,8 Mio. Fr. In 25 Jah­ren hat Wal­de es ge­schafft, den Na­men zum Mar­ken­zei­chen für hoch­wer­ti­ge Lie­gen­schaf­ten in ei­ner der teu­ers­ten Re­gio­nen der Schweiz zu ma­chen. Heu­te hat er gar zu­sam­men mit Gi­nes­ta Im­mo­bi­li­en, der Fir­ma des Doy­ens der Zürcher Im­mo­bi­li­en­mak­ler, das Man­dat für die Lu­xus­vil­len von Sa­mih Sa­wiris in An­der­matt.

Vom Quer­ein­stei­ger ist er zu ei­nem der Mar­ket Ma­kers ge­wor­den. Am 30. Mai 1954 in Un­ter­sig­gen­thal ge­bo­ren, in «ganz ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen» auf­ge­wach­sen, grün­de­te er nach ei­ner kauf­män­ni­schen Aus­bil­dung in den frü­hen Acht­zi­ger­jah­ren ein Un­ter­neh­men für Si­cher­heits­tech­nik und Alarm­an­la­gen. Ein­ge­mie­tet war das Bü­ro im sel­ben Haus an der Rä­mi­stras­se in Zü­rich wie der Mie­terser­vice, ein Adress­ver­mitt­lungs­dienst für Zim­mer und Woh­nun­gen. Am 1. Ok­to­ber 1985 über­nah­men er und sei­ne da­ma­li­ge Freun­din und heu­ti­ge Ehe­frau Ma­ri­an­ne den Mie­terser­vice mit drei An­ge­stell­ten. En­de No­vem­ber schrieb er den ers­ten Check für Mie­te und Löh­ne, im De­zem­ber den zwei­ten, und beim drit­ten rech­ne­te er Ma­ri­an­ne vor, dass er bis zum 30. Mai, sei­nem 32. Ge­burts­tag, Plei­te sein wer­de. Es galt was zu än­dern. Mar­ke­tin­ger­fah­ren, aber bar al­ler Markt­kennt­nis­se, wie er of­fen ge­steht, stieg er in den Im­mo­bi­li­en­han­del ein – und mach­te es bes­ser als die eta­blier­ten Lie­gen­schaf­ten­händ­ler. Das ers­te Haus, das er ver­kauf­te, war ei­ne Ju­gend­stil­vil­la an der He­gi­bach­stras­se in Zü­rich, für 1,98 Mio. Fr. Die ers­te Pro­vi­si­on war ver­dient. 3% wa­ren das da­mals.

Das Kli­schee vom pro­vi­si­ons­schef­feln­den Im­mo­bi­li­en­mak­ler ist so falsch wie al­le Vor­ur­tei­le. Die Zei­ten mö­gen zwar gol­dig und auch hemds­ärm­lig ge­we­sen sein. Wer aber die Im­mo­bi­li­en­kri­se der Neun­zi­ger­jah­re über­stan­den hat, der muss ei­ni­ges bes­ser ge­macht ha­ben als an­de­re. Heu­te be­schäf­tigt Wal­de & Part­ner vier­zig Mit­ar­bei­ten­de. Mit der Ver­mark­tung von Wohn­ei­gen­tum, Neu­bau­pro­jek­ten, Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern, Ge­schäfts­lie­gen­schaf­ten und Grund­stü­cken so­wie von An­la­ge­lie­gen­schaf­ten (www.wal­de.ch) wird ein Trans­ak­ti­ons­vo­lu­men von jähr­lich über 500 Mio. Fr. er­wirt­schaf­tet. «Das Im­mo­bi­li­en­ge­schäft ist pro­fes­sio­nel­ler ge­wor­den», be­schreibt Gerhard E. Wal­de den Markt heu­te. Das In­ter­net hat die Trans­pa­renz er­höht, was Prei­se und An­ge­bo­te be­trifft. Die Kun­den sind in­for­mier­ter, mün­dig und ver­lan­gen ein um­fas­sen­des Di­enst­leis­tungs­pa­ket. Nichts ge­än­dert hat sich an der Kunst des Mak­lers. Er muss zwi­schen zwei ab­so­lut di­ver­gie­ren­den Er­war­tun­gen, der des Ver­käu­fers und der des Käu­fers, ver­mit­teln, da­mit bei­de mit der Zuf­rie­den­heit, den rich­ti­gen Preis zu ha­ben, in das Ge­schäft ein­schla­gen – wo­bei die Kom­mis­si­on heu­te un­ter 2% ist.

Kaum Sor­gen macht sich Wal­de über die Im­mo­bi­li­en­prei­se. Noch stütz­ten nied­ri­ge Zin­sen und die Zu­wan­de­rung die Nach­fra­ge. Sor­gen macht ihm, dass In­fla­ti­on droht. Ganz Im­mo­bi­li­en­pro­fi, meint er: «Kor­ri­giert der Markt den Preis, kor­ri­giert die In­fla­ti­on die Schuld.»

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