«Re­gu­lie­run­gen im Fi­nanz­markt sind nö­tig»

BÄR­NER APÉ­RO STÄN­DE­RAT ROLF SCHWEI­GER (FDP/ZG) zum Staats­ver­trag mit den USA be­tref­fend die UBS

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - IN­TER­VIEW: PE­TER MORF

Herr Schwei­ger, der Stän­de­rat hat dem Staats­ver­trag mit den USA in Sa­chen UBS zu­ge­stimmt und dar­auf ver­zich­tet, ihn dem fa­kul­ta­ti­ven Re­fe­ren­dum zu un­ter­stel­len. Ha­ben Sie die­se Ent­wick­lung er­war­tet? Ja, nach den Ent­schei­den der Frak­ti­ons­sit­zun­gen vor rund zwei Wo­chen hat sich das so ab­ge­zeich­net.

Wel­che Be­deu­tung kommt die­sen Ent­schei­den zu? Der Stän­de­rat war in die­ser Sa­che der Er­strat, der Na­tio­nal­rat kann na­tür­lich noch an­ders ent­schei­den. Aber die Be­deu­tung ist in­so­fern gross, als die Po­si­ti­on des Stän­de­rats in ei­ner all­fäl­li­gen Ei­ni­gungs­kon­fe­renz auf­grund der kla­ren Stim­men­ver­hält­nis­se stark wä­re. Die­ser Um­stand dürf­te mit Blick auf die De­bat­te im Na­tio­nal­rat von Be­deu­tung sein, weil jetzt Mit­tel und We­ge ge­sucht wer­den, dass auch SP und SVP zu­stim­men kön­nen.

Wie in­ter­pre­tie­ren Sie die Rol­le der SP, die mit ih­rem Nein zum Staats­ver­trag Steu­er­be­trü­ger und -hin­ter­zie­her in den USA schüt­zen will? Das kann für die SP pro­ble­ma­tisch wer­den, weil man ihr nicht ab­nimmt, dass sie dies nur tut, um ei­ne Re­gu­lie­rung der sys­tem­re­le­van­ten Ban­ken zu er­rei­chen. Mit ih­rem Nein will sie ja Druck in die­se Rich­tung ma­chen. Die Wirt­schafts­kom­mis­si­on des Na­tio­nal­rats hat ei­ne Mo­ti­on ein­ge­reicht, die ent­spre­chen­de Re­gu­lie­run­gen for­dert. Sie wird noch in der lau­fen­den Ses­si­on vom Bun­des­rat be­ant­wor­tet, vor­aus­sicht­lich po­si­tiv. Das Par­la­ment will ent­spre­chen­de Mass­nah­men, will sich aber die nö­ti­ge Zeit neh­men, um sie fun­diert zu er­ar­bei­ten.

Da­bei geht es im We­sent­li­chen um die Vor­schlä­ge der Ex­per­ten­kom­mis­si­on zur Too-big-to-fail-Pro­ble­ma­tik. Ja, das trifft zu. Auch die bür­ger­li­chen Par­tei­en sind zur Über­zeu­gung ge­langt, dass ge­wis­se Re­gu­lie­run­gen im Fi­nanz­markt­be­reich not­wen­dig sind. Aber sie sind sehr kom­plex, und ih­re Vor-und Nach­tei­le sind noch nicht al­le voll aus­ge­leuch­tet. Zu­dem müs­sen die Mass­nah­men teil­wei­se in­ter­na­tio­nal ab­ge­stimmt wer­den. Wir wol­len so weit­rei­chen­de Be­stim­mun­gen nicht über­has­tet be­schlies­sen.

Der Rat hat auch die von der SP vor­ge­schla­ge­ne Kop­pe­lung des Ab­kom­mens an ei­ne Bo­nus­be­steue­rung ab­ge­lehnt. Ist die­ses The­ma da­mit vom Tisch? Nein, es ist si­cher nicht er­le­digt, da­zu wer­den wei­te­re Vor­stös­se ein­ge­reicht wer­den. Auch in der CVP ist ei­ne ge­wis­se Be­reit­schaft vor­han­den, in die­sem Be­reich ak­tiv zu wer­den. Es geht aber nicht um die Be­steue­rung der Bo­nu­s­emp­fän­ger, son­dern um die der Un­ter­neh­men, wor­aus für sie ei­ne Steu­er­er­hö­hung re­sul­tiert. Dem steht die Mög­lich­keit ei­ner Be­ein­flus­sung der Bo­nus­zah­lun­gen über die Ak­tio­nä­re an der GV ge­gen­über. Der Aus­gang ist da noch of­fen.

Wird der Na­tio­nal­rat dem Stän­de­rat in Sa­chen Staats­ver­trag fol­gen? Es ist sehr wohl denk­bar, dass die gros­se Kam­mer zwar dem Staats­ver­trag zu­stimmt, sich die Lin­ke und die Rech­te aber dar­in fin­den, ihn dem fa­kul­ta­ti­ven Re­fe­ren­dum zu un­ter­stel­len, wo­mit ei­ne Dif­fe­renz zum Stän­de­rat ge­schaf­fen wä­re. Das wird das zen­tra­le Ele­ment der Dis­kus­sio­nen in den kom­men­den zwei Wo­chen sein.

In die­sem Fall kä­me das nor­ma­le Dif­fe­renz­ber­ei­ni­gungs­ver­fah­ren zum Zug? Stän­de­rat er­war­tet, dass der Ein Nein hät­te für die Schwei­zer Wirt­schaft ne­ga­ti­ve Fol­gen. Ja, der Ent­scheid könn­te drei Mal hin her ge­reicht wer­den zwi­schen den Rä­ten, das wür­de ei­ne hek­ti­sche Sa­che. Soll­te es so weit kom­men, ge­he ich da­von aus, dass die stän­de­rät­li­che Po­si­ti­on, al­so oh­ne Re­fe­ren­dum, ob­sie­gen wür­de. Es stellt sich nun die Fra­ge, ob sich We­ge fin­den las­sen, um der SP und/oder der SVP die Mög­lich­keit zu ge­ben, von ih­ren Ent­schei­den ab­zu­rü­cken und da­bei doch das Ge­sicht zu wah­ren.

Ein sol­cher Weg wä­re die Mo­ti­on, wo­nach Staats­ver­trä­ge dem Par­la­ment vor­zu­le­gen sind, wie dies die SVP will. Ja, das ist ei­ne Mög­lich­keit.

Ist die gan­ze Ge­schich­te de­fi­ni­tiv ab­ge­schlos­sen, wenn sich der Na­tio­nal­rat dem stän­de­rät­li­chen Vor­ge­hen an­schliesst? Be­tref­fend die zwi­schen­staat­li­che Ebe­ne ist das der Fall, die UBS wä­re dann nicht mehr Ge­gen­stand von par­la­men­ta­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Der Wunsch des Par­la­ments je­doch, die An­ge­le­gen­heit auch be­tref­fend die UBSin­ter­nen Ab­läu­fe zu klä­ren, bleibt be­ste­hen. Das Be­dürf­nis nach Trans­pa­renz be­züg­lich die­ser Fra­ge­stel­lun­gen bleibt, wie es auch die Ge­schäfts­prü­fungs­kom­mis­si­on in ih­rem Be­richt fest­ge­hal­ten hat. Das kann aber nicht Auf­trag ei­ner par­la­men­ta­ri­schen Un­ter­su­chungs­kom­mis­si­on sein, sie kann nur das Ver­hal­ten staat­li­cher Or­ga­ne un­ter­su­chen, nicht je­doch pri­va­ter Un­ter­neh­men.

Wä­re die Ge­schich­te mit ei­nem Ja zum Staats­ver­trag auch für die USA er­le­digt? Mit sehr ho­her Wahr­schein­lich­keit wä­re das der Fall. Nicht aus­zu­schlies­sen ist al­ler­dings, dass in­nen­po­li­ti­sche Ent­wick­lun­gen in den USA die gan­ze Steu­er­pro­ble­ma­tik wie­der ak­tu­ell wer­den las­sen. Das ist aber nicht vor­her­seh­bar.

Was wä­ren die Kon­se­quen­zen, wenn der Staats­ver­trag doch noch schei­tern soll­te? Da ist sehr vie­les mög­lich. Die UBS müss­te zu­nächst da­mit rech­nen, dass die ju­ris­ti­schen Mass­nah­men ge­gen sie in den USA wie­der ak­ti­viert wür­den. Ei­ne – al­ler­dings eher un­wahr­schein­li­che – Straf­kla­ge hät­te ver­hee­ren­de, für die Bank exis­tenz­ge­fähr- den­de Fol­gen. Zu­dem ist in Mia­mi noch im­mer ei­ne Zi­vil­kla­ge hän­gig. Die USA könn­ten auch al­le an­de­ren Ban­ken in ver­gleich­ba­rer Si­tua­ti­on be­lan­gen. Zu­dem könn­ten die USA auf­grund des ge­sun­ke­nen Ver­trau­ens in die Schweiz al­le Zah­lungs­strö­me zwi­schen den zwei Län­dern un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht stel­len. Die Un­ter­neh­men müss­ten dann je­weils be­wei­sen, dass die Zah­lungs­strö­me nicht steu­er­re­le­vant sind. Das wür­de auch US-Ge­sell­schaf­ten be­tref­fen, die in der Schweiz ak­tiv sind. Das hät­te für al­le Un­ter­neh­men ei­nen enor­men Auf­wand zur Fol­ge und wür­de den Han­del zwi­schen den Län­dern ge­fähr­den.

Das hät­te auch Aus­wir­kun­gen auf das neue Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men mit den USA, das dort der­zeit of­fen­bar auf Eis liegt. Ja, es ist da­von ist aus­zu­ge­hen, dass die USA in die­sem Fall das Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men nicht ra­ti­fi­zie­ren wür­den.

Wel­che Leh­ren sind aus der gan­zen Ge­schich­te zu zie­hen? Es ist sehr wich­tig, dass die Schweiz mit mög­lichst vie­len Län­dern ver­trag­li­che Be­zie­hun­gen auf­recht­er­hält, ent­spre­chen­de Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men schliesst und dass sie se­ri­ös an­ge­wen­det wer­den. Die Schweiz muss sich ver­mehrt in­ter­na­tio­nal ein­brin­gen, wir brau­chen ei­ne ak­ti­ve­re Aus­sen­po­li­tik. Zu­dem müs­sen die po­li­ti­schen Par­tei­en da­von weg­kom­men, in­nen­po­li­ti­sche Schar­müt­zel über aus­sen­po­li­ti­sche Be­zie­hun­gen oder Ver­trä­ge aus­zu­tra­gen. Die Ge­fahr, dass sol­che Spie­le in ei­ner mitt­le­ren oder grös­se­ren Ka­ta­stro­phe en­den, ist zu gross.

Rolf Schwei­ger

Staats­ver­trag mit den USA ge­neh­migt wird.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.