Neu­es US-Steu­er­ge­setz wirft sei­ne Schat­ten schon jetzt vor­aus

Der For­eign Ac­count Tax Com­p­li­an­ce Act strahlt welt­weit aus und hat auch für den Schwei­zer Fi­nanz­platz weit­rei­chen­de Kon­se­quen­zen

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - URS KA­PAL­LE UND JEA­NI­NE BLU­MER

Mit­te März hat der US-Kon­gress die Kat­ze aus dem Sack ge­las­sen und das neue USS­teu­er­ge­setz Fatca ver­ab­schie­det. So rich­tig zu Ge­sicht be­kom­men hat das Tier bis jetzt al­ler­dings noch nie­mand. Steu­er­spe­zia­lis­ten de­bat­tie­ren dar­über, ob es sich um ei­nen Sä­bel­zahn­ti­ger oder bloss um ei­nen Stu­ben­ka­ter han­delt. Auf je­den Fall zeich­net sich schon heu­te ab, dass die Aus­wir­kun­gen er­heb­lich sind.

Fatca ist ei­ne Re­ak­ti­on der USA auf das The­ma Steu­er­flucht von Ame­ri­ka­nern. Ob­wohl das neue Ge­setz bei­na­he den gan­zen US-Ka­pi­tal­markt und sei­ne Teil­neh­mer rund um den Glo­bus be­trifft, wur­de die Vor­la­ge in al­ler Ei­le im Herbst 2009 aus­ge­ar­bei­tet und be­reits im März 2010 er­las­sen. An­ge­heizt von der Fi­nanz­kri­se, traf sie in Be­zug auf mehr Trans­pa­renz der Steu­er­pflich­ti­gen in den USA auf gros­se Zu­stim­mung.

Der glä­ser­ne Steu­er­zah­ler

Vor die­sem Hin­ter­grund ha­ben die Ban­ken­ver­bän­de in Eu­ro­pa und die Schwei­ze­ri­sche Ban­kier­ver­ei­ni­gung im US-Kon­gress für zwei An­lie­gen lob­by­iert. Ers­tens wur­de Zeit für die Um­set­zung ge­for­dert und zwei­tens vor­ge­schla­gen, das Ge­setz als Rah­men­er­lass zu ge­stal­ten und dem US-Schatz­amt Kom­pe­ten­zen für die Re­ge­lung der prak­ti­schen De­tails zu ge­ben. Bei­de An­lie­gen wur­den auf­ge­nom­men, doch nun stellt sich die Fra­ge, wie es wei­ter­geht. Mit Fatca füh­ren die USA ei­ne neue Qu­el­len­steu­er von 30% auf US-Wert­schrif­ten­er­trä­gen ein. Fi­nanz­in­ter­me­diä­re kön­nen die Qu­el­len­steu­er ver­mei­den, wenn sie mit dem US-Schatz­amt ein Ab­kom­men ab­schlies­sen, un­ter dem sie sich zur Mel­dung ih­rer US-Kun­den ver­pflich­ten. Fatca stellt ei­ne Wei­ter­ent­wick­lung des Qua­li­fied-In­ter­me­di­a­ry-(QI-)Re­gime dar. Un­ter die­sem müs­sen USS­teu­er­pflich­ti­ge den US-Steu­er­be­hör­den of­fen­ge­legt wer­den, wenn sie in US-Wert­schrif­ten in­ves­tie­ren.

Fatca geht nun wei­ter und will den glä­ser­nen Steu­er­pflich­ti­gen er­wir­ken. Ru­di­men­tär ge­sagt, wird das fol­gen­der­mas­sen er­reicht: Fi­nanz­in­ter­me­diä­re aus­ser­halb der USA sol­len ein Ab­kom­men mit dem US-Schatz­amt un­ter­zeich­nen. Sie ver­pflich­ten sich, so­wohl «US Per­sons» als auch «For­eign En­t­i­ties» un­ter ih­ren Kun­den zu iden­ti­fi­zie­ren, die di­rekt oder in­di- rekt von ei­ner «US Per­son» zu min­des­tens 10% ge­hal­ten wer­den.

Die be­zeich­ne­ten «US Per­sons» so­wie die «For­eign En­t­i­ties» müs­sen den USA jähr­lich ge­mel­det wer­den. Da­zu zäh­len An­ga­ben wie Na­me, Adres­se oder auch Steu­er­num­mer der «US Per­son» so­wie die die­ser Per­son zu­re­chen­ba­ren Er­trä­ge. Für «For­eign En­t­i­ties» müs­sen ana­lo­ge Da­ten ge­mel­det wer­den. Das be­deu­tet ei­ne kom­plet­te Of­fen­le­gung. Soll­te die «US Per­son» oder die «For­eign En­ti­ty» der Of­fen­le­gung der In­for­ma­tio­nen nicht zu­stim­men, so ist der Fi­nanz­in­ter­me­di­är ver­pflich­tet, die Kun­den­be­zie­hung auf­zu­lö­sen.

Brei­te De­fi­ni­ti­on

Un­ter dem sehr weit ge­fass­ten Be­griff For­eign Fi­nan­ci­al In­sti­tu­ti­ons (FFI) wer­den bei­spiels­wei­se aus­län­di­sche Ban­ken, Ver­mö­gens­ver­wal­ter, Treu­hän­der, Trusts und Fonds er­fasst. Als «US Per­son» gel­ten al­le na­tür­li­chen Per­so­nen, die ei­ne Steu­er­pflicht in der USA be­grün­den. So­mit um­fasst die­ser Be­griff nicht nur Bür­ger der USA, son­dern auch Dop­pel­bür­ger und Green­card-Be­sit­zer.

Für die Ban­ken stellt sich die Fra­ge, wie sie zu al­len vor­ge­schrie­be­nen Da­ten ih­rer Kun­den kom­men. Im Fall von Neu­kun­den wä­re ei­ne Um­set­zung mög­lich, nö­tig wä­re aber ein Ver­zicht des Kun­den auf das Bank­kun­den­ge­heim­nis. US-Kun­den wer­den bei Er­öff­nung ei­ner neu­en Ge­schäfts­be­zie­hung fort­an wohl ei­ne Fül­le von Fra­gen be­ant­wor­ten müs­sen, da­mit die Bank al­le ge­for­der­ten In­for­ma­tio­nen (Dop­pel­bür­ger­schaft, Green­card, etc.) er­hält. Nicht-US-Kun­den wer­den be­stä­ti­gen müs­sen, dass sie nicht US-Per- so­nen sind. Pro­ble­ma­ti­scher ge­stal­tet es sich für be­ste­hen­de Kun­den, da sol­che In­for­ma­tio­nen bis­lang nicht oder nicht in die­ser Form ge­sam­melt wur­den. Wie soll die Bank wis­sen, dass ein lang­jäh­ri­ger Kun­de plötz­lich ei­ne Green­card er­hal­ten hat? Mit ei­ner re­strik­ti­ven Aus­le­gung von Fatca wür­de ge­nau das ge­for­dert, doch wur­de dem Schatz­amt die Kom­pe­tenz ein­ge­räumt, eben­sol­che Pra­xis­fra­gen prag­ma­tisch zu re­geln.

Noch schwie­ri­ger ge­stal­tet sich die Fest­stel­lung von Be­tei­li­gungs­ver­hält­nis­sen im Fall von Fir­men­kun­den. Hier sind prak­ti­ka­ble Re­geln nö­tig, sonst wird die Administration über­bor­den. Die Schwei­ze­ri­sche Ban­kier­ver­ei­ni­gung ist mit dem Schatz­amt im Ge­spräch, um ei­ne Un­ter­schei­dung in ope­ra­ti­ve und Do­mi­zil­ge­sell­schaf­ten, nach den Vor­schrif­ten über die Geld­wä­sche­rei­prä­ven­ti­on, vor­neh­men zu kön­nen, so­dass ope­ra­ti­ve Ge­sell­schaf­ten, die nicht im Fi­nanz­be­reich tä­tig sind, aus­ge­nom­men wer­den kön­nen.

Be­sorg­ter dürf­ten Fonds der neu­en Iden­ti­fi­ka­ti­ons­pflicht ent­ge­gen­se­hen. Sie wä­ren eben­falls ver­pflich­tet, «US Per­sons» un­ter ih­ren An­teils­in­ha­bern zu er­mit­teln. Aus prak­ti­schen Aspek­ten ist das nicht mög­lich, man den­ke da­bei an die kom­ple­xen, mehr­stu­fi­gen Ver­triebs­struk­tu­ren der Fonds. Die eu­ro­päi­schen Fonds­ver­bän­de ste­hen eben­falls in Dis­kus­si­on mit den US-Be­hör­den, um be­stimm­te Fonds vom Sys­tem aus­zu­neh­men, wenn kein oder bloss ein ge­rin­ges Ri­si­ko für Steu­er­hin­ter­zie­hung be­steht.

Schwei­zer Fi­nanz­in­ter­me­diä­re sind gut be­ra­ten, sich heu­te schon im De­tail mit den neu­en Re­geln zu be­fas­sen. Je­des In­sti­tut muss in na­her Zu­kunft den Grund­satz­ent­scheid tref­fen, ob es ei­nen Ver­trag mit den USA ein­ge­hen will oder nicht. Ei­ne kor­rek­te Um­set­zung der neu­en Re­geln be­darf ei­ner lan­gen Vor­lauf­zeit mit An­pas­sun­gen der IT und der Ge­schäfts­ab­läu­fe. Hier ist es ent­schei­dend, dass das US-Schatz­amt so schnell wie mög­lich de­tail­lier­te Aus­füh­rungs­vor­schrif­ten pu­bli­ziert. So­lan­ge sie nicht vor­han­den sind, kann kein Fi­nanz­in­ter­me­di­är mit der Um­set­zung be­gin­nen. Der Er­folg des Ge­set­zes hängt stark da­von ab, ob die US-Be­hör­den den Fi­nanz­in­ter­me­diä­ren in der Um­set­zung be­hilf­lich sind oder nicht.

Ne­ga­ti­ve Fol­gen

Mit Si­cher­heit wirkt sich Fatca un­güns­tig auf die At­trak­ti­vi­tät von US-Wert­schrif­ten aus. Es gibt Stim­men aus Gross­bri­tan­ni­en, Frank­reich, Deutsch­land und auch aus der Schweiz, die ver­mu­ten, dass vie­le Fi­nanz­in­ter­me­diä­re, vor al­lem mitt­le­re und klei­ne, US-Wert­schrif­ten ver­kau­fen wer­den, um nicht mit den neu­en Qu­el­len­steu­er­vor­schrif­ten kon­fron­tiert zu wer­den. Es ist des­halb im In­ter­es­se der Fi­nanz­in­ter­me­diä­re und der USA, al­les zu un­ter­neh­men, um ei­ne ein­fa­che und prag­ma­ti­sche Um­set­zung zu er­mög­li­chen. Urs Ka­pal­le ist Rechts­an­walt/dipl. Steu­er­ex­per­te so­wie Mit­glied derDi­rek­ti­on/ Lei­ter Fi­nanz­po­li­tik und Steu­ern der Schwei­ze­ri­schen Ban­kier­ver­ei­ni­gung. Jea­ni­ne Blu­mer, Wirt­schafts­ju­ris­tin, ist Tax Con­sul­tant von Pri­ce­wa­ter­hou­seCo­o­pers Zü­rich und zur­zeit Se­con­dee bei der Ban­kier­ver­ei­ni­gung.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.