Ge­wusst wie

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ -

Wie der Na­tio­nal­rat sein Ziel er­rei­chen will, sagt er nicht. Die Schweiz soll 2020 ein Fünf­tel we­ni­ger vom Treib­haus­gas Koh­len­di­oxid (CO2) aus­stos­sen als 1990, doch die Mass­nah­men sind völ­lig un­ge­nü­gend. Steht aber das Ziel trotz des üb­li­chen Mur­rens von links und rechts fest, und soll es wirk­lich an­ge­strebt wer­den, muss der Weg da­hin grad­li­nig statt kur­vig sein: Der Staat kann re­gu­lie­ren, sub­ven­tio­nie­ren oder ver­teu­ern.

Be­hör­den mö­gen Vor­schrif­ten und Grenz­wer­te, denn die­se si­chern ih­nen Ein­fluss und Be­schäf­ti­gung und be­las­ten den Staats­haus­halt di­rekt kaum. Sinn­voll sind sie, um mit Au­to­ka­ta­ly­sa­to­ren den Aus­stoss von Gif­ten ein­zu­däm­men. Müs­sen aber al­te wie neue Fa­b­ri­ken den glei­chen CO2-Grenz­wert ein­hal­ten, ist das viel teu­rer, als nur dort zu sa­nie­ren, wo es be­son­ders viel bringt. Und wer im Zug zur Ar­beit pen­delt und sei­nen Of­f­roa­der nur hin und wie­der aus­führt, emit­tiert we­ni­ger Treib­haus­gas als ein Viel­fah­rer mit Hy­brid­an­trieb und gu­tem Ge­wis­sen.

Un­ter­neh­men mö­gen Sub­ven­tio­nen, denn Zu­cker­brot ist be­kömm­li­cher als Peit­sche, und die Rech­nung wird auf al­le Steu­er­zah­ler ver­teilt. Klug kön­nen staat­li­che Bei­trä­ge als Anstoss für neue Tech­no­lo­gi­en sein. Da­zu ge­hört die Aus­rüs­tung von Gas-und Koh­le­kraft­wer­ken, um CO2 bei der Ver­bren­nung ab­zu­tren­nen und un­ter­ir­disch zu la­gern, et­wa dort, wo das Erd­gas her­kam. Fehl am Platz ist das Zu­cker­brot, wenn im öf­ters be­wölk­ten Deutsch­land dank Zu­schuss so vie­le Son­nen­kol­lek­to­ren in­stal­liert wer­den, dass der Bau­stoff Si­li­kon teu­rer wird und An­la­gen in son­ni­ge­ren Ge­fil­den kom­mer­zi­ell ei­nen noch schwe­re­ren Stand ha­ben. Den ef­fi­zi­en­tes­ten Bei­trag zum Um­welt­schutz leis­ten hö­he­re Prei­se, weil sie ei­nen An­reiz zum Spa­ren ge­ben. Ei­ne Len­kungs­ab­ga­be auf Öl, Erd­gas, Ben­zin und Die­sel lässt sich schritt­wei­se so lan­ge hin­auf­set­zen, bis das Ziel er­reicht ist, weil vie­le Ver­brau­cher ih­re Häu­ser bes­ser iso­lie­ren und klei­ne­re Au­tos fah­ren – so ge­sche­hen in den USA, als der Öl­preis 2008 oh­ne Zu­tun des Staa­tes auf Re­kord­hö­he stieg. Sackt der Staat den Er­lös aus der Ab­ga­be nicht ein, son­dern ver­teilt ihn an die Be­völ­ke­rung, steigt die Steu­er­last nicht, und der Len­kungs­ef­fekt spielt den­noch.

Oder in­di­rekt: Die Ver­stei­ge­rung ei­ner be­grenz­ten Zahl von Emis­si­ons­rech­ten an In­dus­trie­be­trie­be und ein Markt da­für brin­gen den Preis­me­cha­nis­mus ins Spiel. Je­der Be­trieb ent­schei­det, ob es sich lohnt, zu sa­nie­ren oder Emis­si­ons­rech­te zu kau­fen.

Mit der 1999 ein­ge­führ­ten CO2-Ab­ga­be auf Heizöl und der Aus­ga­be von Emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­ten an we­ni­ge hun­dert Un­ter­neh­men ist die Schweiz ei­nen klei­nen Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung ge­gan­gen. Er ist zu zag­haft. Die Re­vi­si­on des CO2-Ge­set­zes muss im Stän­de­rat nach­ge­bes­sert wer­den. Wer ein heh­res Ziel fest­schreibt, oh­ne grif­fi­ge und kos­ten­güns­ti­ge Mass­nah­men zu nen­nen, han­delt heuch­le­risch.

Re­dak­tor zur Re­vi­si­on des CO2-Ge­set­zes

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