Mit­be­stim­mung ein­for­dern

Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce ist in der Schweiz ge­mäss Stu­die von Z-Ca­pi­tal zu­frie­den­stel­lend – Ge­winnt für An­la­ge­ent­scheid an Be­deu­tung

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - FRAN­ZIS­KA PFIS­TER

Ak­tio­nä­re müs­sen ih­re Rech­te stär­ker aus­üben. Wer in ei­ne Pen­si­ons­kas­se ein­zahlt oder An­la­ge­fonds kauft, dem steht es als in­di­rek­ter Mit­ei­gen­tü­mer von Un­ter­neh­men zu, Mit­be­stim­mung ein­zu­for­dern. Pu­bli­kums­ak­tio­nä­re sol­len über Ma­na­ger­löh­ne an der Ge­ne­ral­ver­samm­lung be­fin­den, in­sti­tu­tio­nel­le Ei­g­ner die ver­wal­te­ten Gel­der stär­ker ak­tiv be­wirt­schaf­ten, statt nur In­di­zes ab­zu­bil­den. Die­se For­de­run­gen for­mu­liert der Fonds­ma­na­ger Z-Ca­pi­tal nach der jüngs­ten Un­ter­su­chung zu Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce.

Schwei­zer Un­ter­neh­men leg­ten 2009 In­for­ma­tio­nen leicht bes­ser of­fen als im Jahr da­vor. Ei­ne grös­se­re Zahl schal­tet Sta­tu­ten oder Pro­to­kol­le der Ge­ne­ral­ver­samm­lung auf der Web­sei­te auf. Die Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce ist weit­ge­hend zu­frie­den­stel­lend, er­gab die Stu­die. «Die gros­sen Schrit­te brau­chen Zeit», er­klärt Gregor Gre­ber, CEO von Z-Ca­pi­tal.

Ziel: Pu­bli­kums­ge­sell­schaft

Nach 52 Kri­te­ri­en wur­den 130 Nebenwerte des SPI Ex­tra so­wie die 20 SMIGe­sell­schaf­ten un­ter­sucht (vgl. Ta­bel­le). Von den Ne­ben­wer­ten be­schränkt ein Drit­tel die Stimm-oder Ein­tra­gungs­rech­te, die Hälf­te hat fak­tisch ei­nen Mehr­heits­ak­tio­när: Wer 30% der Stim­men hal­te, steue­re das Un­ter­neh­men, sagt Z-Ca­pi­tal. Die Pu­bli­kums­ak­tio­nä­re par­ti­zi­pie­ren zwar am Er­geb­nis, ha­ben aber nur be­schränkt Mit­spra­che. Die SMI-Un­ter­neh­men sei­en da­ge­gen «eher ech­te» Pu­bli­kums­ge­sell­schaf­ten: Sie ha­ben sel­te­ner Gross­ak­tio­nä­re, ei­nen hö­he­ren Streu­be­sitz und un­ab­hän­gi­ge­re Lei­tungs­gre­mi­en.

Die Un­ter­su­chung er­gab: Die Löh­ne der CEO blie­ben kon­stant, ob­wohl die Er­geb­nis­se der meis­ten Ge­sell­schaf­ten 2009 we­gen der Re­zes­si­on schrumpf­ten. Seit die Be­zü­ge im Ge­schäfts­be­richt of­fen zu le­gen sind, wür­den die Un­ter­neh­men die Sa­lä­re ein­an­der an­glei­chen, kon­sta­tiert Gre­ber. Im Mit­tel wen­den SPI Ex­traGe­sell­schaf­ten 4,6% und SMI-Grup­pen 1,5% des Be­triebs­ge­winns (Stu­fe Ebit­da) zur Ent­löh­nung von Ge­schäfts­lei­tung und Ver­wal­tungs­rat auf.

Ak­tio­nä­ren ste­he das Recht zu, über Ma­na­ger­be­zü­ge ab­zu­stim­men, for­dert ZCa­pi­tal. Auch wenn das Vo­tum kei­ne bin­den­de Wir­kung ha­be, sei es doch ein Si­gnal. «Say on pay be­wegt et­was», ist Gre­ber über­zeugt. Die UBS-Ge­ne­ral­ver­samm­lung ha­be die Wen­de ge­bracht. Erst­mals hät­ten sich die Ei­g­ner ge­gen den Ver­wal­tungs­rat ei­nes Gross­kon­zerns ge­stemmt. Nicht rüt­teln will er an der Po­li­tik, dass das Auf­sichts­gre­mi­um das Ver­gü­tungs­mo­dell fest­legt.

Ab­stim­men kos­tet Zeit

Go­ver­nan­ce-The­men ge­win­nen im An­la­ge­ent­scheid an Be­deu­tung. Doch zielt der Kauf von Ak­ti­en in ers­ter Li­nie auf Kurs­ge­winn ab. Das Stimm­recht aus­zu­üben, bringt ei­nen zeit­li­chen Auf­wand mit sich. Des­halb ver­zich­ten vie­le Ei­g­ner dar­auf. Pri­va­te An­le­ger sind sich zu­dem oft zu we­nig be­wusst, dass De­pot­ban­ken, Fonds­ge­sell­schaf­ten oder Pen­si­ons­kas­sen die Wert­schrif­ten ih­rer Kun­den wei­ter­lei­hen (Se­cu­ri­ties Len­ding). Z-Ca­pi­tal be­tont, auf sol­che Zu­satz­ein­nah­men zu ver­zich­ten. Gre­ber räumt ein, dass wohl vie­le An­le­ger mit der Pro­ble­ma­tik über­for­dert sei­en. Den­noch spricht er sich ge­gen schär­fe­re ge­setz­li­che Vor­schrif­ten aus und pocht auf die Selbst­re­gu­lie­rung durch den Markt.

Der Kern des Pro­blems bleibt: Wie be­wegt man die Ak­tio­nä­re da­zu, an der Ge­ne­ral­ver­samm­lung ab­zu­stim­men? Ein Pa­tent­re­zept hat auch Z-Ca­pi­tal nicht pa­rat.

Nicht al­le Generalversammlungen sind so gut be­sucht wie je­ne der UBS die­ses Früh­jahr.

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