Mi­li­tä­ri­sche Wei­ter­bil­dung als Kar­rie­reb­au­stein?

Aus­wer­tung ei­ner Un­ter­su­chung in der Schwei­zer Ar­mee – Ar­beits­markt be­straft Zu­satz­aus­bil­dung nicht

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - BRU­NO STAF­FEL­BACH UND PHIL­IP­PE MAH­LER

Ha­ben Per­so­nen mit ei­ner mi­li­tä­ri­schen Wei­ter­aus­bil­dung be­ruf­lich ei­nen Vor­teil oder ei­nen Nach­teil? Da­zu ver­gli­chen wir die Ein­kom­mens­klas­sen von Ar­mee­an­ge­hö­ri­gen mit und oh­ne mi­li­tä­ri­sche Zu­satz­aus­bil­dung. Grund­la­ge bil­de­te ei­ne im Jahr 2008 durch­ge­führ­te Be­fra­gung in ei­nem In­fan­te­rie­ba­tail­lon der Schwei­zer Ar­mee. Die Da­ten wur­den im Rah­men ei­nes Wie­der­ho­lungs­kur­ses er­ho­ben. Es stan­den die Ant­wor­ten 380 Ba­tail­lons­an­ge­hö­ri­ger zur Ver­fü­gung. In der Aus­wer­tung wur­den Sol­da­ten und mi­li­tä­ri­sche Ka­der (Of­fi­zie­re und Un­ter­of­fi­zie­re) ge­trennt be­han­delt. Denn Ka­der un­ter­schei­den sich von den Sol­da­ten da­durch, dass sie zu­sätz­lich zur Gr­und­aus­bil­dung ei­ne mi­li­tä­ri­sche Wei­ter­bil­dung ab­sol­vier­ten.

Die Da­ten wur­den öko­no­me­trisch aus­ge­wer­tet. Die Kern­fra­ge lässt sich wie folgt be­ant­wor­ten: Ge­mes­sen an der Ein­kom­mens­klas­se be­straft der Ar­beits­markt ei­ne mi­li­tä­ri­sche Wei­ter­aus­bil­dung nicht. Für ei­ne Of­fi­ziers­aus­bil­dung gilt so­gar das Ge­gen­teil: Per­so­nen mit ei­ner Of­fi­ziers­aus­bil­dung ha­ben ei­ne si­gni­fi­kant hö­he­re Wahr­schein­lich­keit, in ei­ne hö­he­re Lohn­klas­se zu kom­men, als sol­che oh­ne die­se Aus­bil­dung. Die­ser Ef­fekt tritt auch dann ein, wenn die Kor­re­la­tio­nen mit ver­schie­de­nen Kon­troll­va­ria­blen – zi­vi­le Aus-und Wei­ter­bil­dung, Un­ter­neh­mens­grös­se und -bran­che, Be­schäf­ti­gungs­grad und Po­si­ti­on, Dau­er der Un­ter­neh­mens­zu­ge­hö­rig­keit, Al­ter und Zi­vil­stand – be­rei­nigt wer­den.

Dis­kus­si­on der Re­sul­ta­te

Für die Un­ter­su­chung gel­ten ver­schie­de­ne Ein­schrän­kun­gen. So ent­sprin­gen die Da­ten dem Kon­text, der der Be­fra­gung zu­grun­de lag: ei­nem Ba­tail­lon des Hee­res der schwei­ze­ri­schen Mi­liz­ar­mee im Schwei­zer Ar­beits­markt 2008. Aus der Ana­ly­se geht her­vor, dass der Ar­beits­markt ei­ne mi­li­tä­ri­sche Wei­ter­aus­bil­dung – ge­mes­sen an der Ein­kom­mens­klas­se – nicht be­straft. Mit ei­ner sol­chen Zu­satz­aus­bil­dung müs­sen al­so Pro­duk­ti­vi­täts­ge­win­ne ver­bun­den sein.

War­um das so ist, kann die vor­lie­gen­de Un­ter­su­chung nicht be­ant­wor­ten. Zwei Hy­po­the­sen bie­ten sich al­ler­dings an: Qua­li­fi­zie­rung und Se­lek­ti­on. Die Qua­li­fi­zie­rungs­hy­po­the­se be­sagt, dass der Pro­duk­ti­vi­täts­ge­winn durch die Aus­bil­dung – öko­no­misch ge­spro­chen durch die Ak­ku­mu­lie­rung von Hu­man­ka­pi­tal – zu­stan­de ge­kom­men ist. Da­für spricht, dass die Of­fi­ziers­aus­bil­dung ei­nen stär­ke­ren Ein­fluss auf das Ein­kom­men hat, weil sie län­ger dau­ert als die Aus­bil­dung zum Un­ter- of­fi­zier. Die Se­lek­ti­ons­hy­po­the­se sieht dem­ge­gen­über den Pro­duk­ti­vi­täts­ge­winn nicht in der Aus­bil­dung, son­dern in der Aus­wahl zu die­ser Aus­bil­dung. An­ge­hö­ri­ge des Ka­ders sind dem­nach pro­duk­ti­ver, weil sie das Er­geb­nis ei­ner (Ka­der-) Aus­wahl sind, die a prio­ri die Pro­duk­ti­ve­ren se­lek­tiert. Da­für spre­chen die Beur­tei­lungs-, Prüf-und Se­lek­ti­ons­sys­te­me in der Ka­de­raus­wahl.

Im Wett­be­werb um Ka­der

Letzt­lich ba­siert je­de Kar­rie­re auf den glei­chen Gr­und­vor­aus­set­zun­gen: in­te­grer Cha­rak­ter, phy­si­sche und psy­chi­sche Ro­bust­heit, Leis­tungs­be­reit­schaft und Be­geis­te­rungs­ver­mö­gen. In die­ser Hin­sicht gibt es kei­ne Un­ter­schie­de zwi­schen der Ar­mee und an­de­ren Or­ga­ni­sa­tio­nen. Die Be­zie­hung zwi­schen zi­vi­ler und mi­li­tä­ri­scher Lauf­bahn darf auch nicht auf ein Ent­we­der-oder re­du­ziert wer­den. Ers­tens re­sul­tie­ren po­si­ti­ve Wir­kun­gen auf den Be­rufs­er­folg in Wirt­schaft und Ver­wal­tung nicht nur aus ei­ner mi­li­tä­ri­schen Kar­rie­re. Nut­zen­wir­kun­gen kön­nen sich auch durch Zu­satz­en­ga­ge­ments in Po­li­tik, Sport, Kul­tur und/oder in der Füh­rung von Ver­ei­nen er­ge­ben.

Zwei­tens ste­hen «Kar­rie­re­kan­di­da­ten» oft nicht vor der sim­plen Ent­schei­dung: zi­vi­les und/oder mi­li­tä­ri­sches En­ga­ge- ment. Es gibt noch wei­te­re Op­tio­nen, die sie in ih­rer Pla­nung zu be­rück­sich­ti­gen ha­ben, wie zu­sätz­li­che Stu­di­en, Wei­ter­bil­dun­gen, Aus­land­auf­ent­hal­te, Part­ner­bin­dung oder Fa­mi­li­en­grün­dung. Und drit­tens ha­ben Wirt­schafts-und Ver­wal­tungs­un­ter­neh­men so­wie die Ar­mee nicht als Ein­zi­ge Be­darf an Ka­dern. Auch die Po­li­tik – sei­en es die Ge­mein­den, die Kan­to­nen oder die Par­tei­en –, In­ter­es­sen­ver­bän­de, Uni­ver­si­tä­ten, ka­ri­ta­ti­ve Or­ga­ni­sa­tio­nen etc. brau­chen und wol­len die bes­ten Kan­di­da­tin­nen und Kan­di­da­ten.

Des­halb be­fin­det sich die Ar­mee in ei­nem Wett­be­werb um Ka­der. Das for­dert her­aus und zwingt da­zu, über tat­säch­li­che Leis­tung und über Qua­li­tät an die gu­ten Leu­te her­an­zu­kom­men. Das gilt für die Ar­mee im Spe­zi­el­len und für Or­ga­ni­sa­tio­nen, die vom Mi­liz­prin­zip le­ben, im All­ge­mei­nen, aber im sel­ben Mas­se auch für Wirt­schaft und Ver­wal­tung.

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