«Ich er­war­te kei­nen star­ken Preis­ver­fall»

STE­PHAN HAN­SEN Der Ge­schäfts­füh­rer von First So­lar Deutsch­land über die Wachs­tums­aus­sich­ten im Pho­to­vol­ta­ikmarkt und die Schul­den­kri­se

Finanz und Wirtschaft - - PODIUM - IN­TER­VIEW: DIETEGEN MÜL­LER,

First So­lar ist Welt­markt­füh­rer im So­lar­mo­dul­ge­schäft und mit 9,6 Mrd.$ ein Bör­sen­schwer­ge­wicht. Ste­phan Han­sen, Ge­schäfts­füh­rer von First So­lar Deutsch­land und für die Ge­schäfts­ent­wick­lung in Eu­ro­pa, im Na­hen Os­ten und in Afri­ka ver­ant­wort­lich, nimmt Stel­lung zu den Her­aus­for­de­run­gen, vor de­nen die So­lar­bran­che steht. Der stu­dier­te Ma­schi­nen­bau­in­ge­nieur er­war­tet ei­ne Ver­schie­bung des Wachs­tums weg von Deutsch­land hin zu neu­en Märk­ten.

Herr Han­sen, wie läuft das Ge­schäft? Wir wer­den 2010 nicht ge­nug Mo­du­le pro­du­zie­ren kön­nen, um den Be­darf zu de­cken. Das ers­te Halb­jahr läuft sehr gut, die Aus­las­tung ist vor der Ab­sen­kung der deut­schen Ein­spei­se­ver­gü­tung, die ei­gent­lich per 1. Ju­li kom­men soll­te, sehr hoch. Dann dürf­te es vor­über­ge­hend ru­hi­ger wer­den und im vier­ten Quar­tal wie­der stark an­zie­hen. An­fang 2011 dürf­te die Ver­gü­tung er­neut deut­lich fal­len, et­wa 10 bis 12%. Auch gros­se chi­ne­si­sche Her­stel­ler wie Sun­tech, Ying­li und Tri­na ha­ben be­reits si­gna­li­siert, dass sie aus­ver­kauft sind.

Noch ist die Kür­zung der Ein­spei­se­ver­gü­tung nicht durch. Was er­war­ten Sie? dass es so weit kommt. Es gä­be zu vie­le In­ves­to­ren, die ge­schä­digt wür­den. Die Re­gie­rung dürf­te bis zum nächs­ten Na­tio­nal Re­ne­wa­ble Ener­gy Ac­tion Plan 2012 mit dem be­ste­hen­den Mecha­nis­mus le­ben. Dann wer­den die Kar­ten neu ge­mischt. Spa­ni­en hat si­cher viel Po­ten­zi­al, aber das be­dingt den Ein­satz kos­ten­ef­fi­zi­en­ter Tech­no­lo­gi­en.

Wie se­hen Ih­re Zie­le punk­to Kos­ten­ef­fi­zi­enz aus? Der Chef von Mey­er Bur­ger meint, dass ein Si­li­zium­mo­dul im Jahr 2013 Strom à 5 Cent/kWh pro­du­ziert. Das ist ei­ne sehr gu­te Zahl, be­ruht wohl auf vie­len An­nah­men und dürf­te kaum die Ge­samt­kos­ten des Sys­tems er­fas­sen. Ich wün­sche viel Glück!

Wo­mit kal­ku­liert First So­lar? Wir wol­len 2014 in den Be­reich 60 Cent/ kWh kom­men. Wenn wir bei 2$ Ge­samt­kos­ten je Sys­tem sind, kom­men wir je nach Strah­lungs­in­ten­si­tät auf ei­nen Ab­satz­preis von 10 bis 12 Cent/kWh. Dar­auf sind noch Fi­nan­zie­rungs­kos­ten an­zu­rech­nen. Wir be­we­gen uns da­mit in der Wett­be­werbs­fä­hig­keit zur Mit­tel­span­nung. Die Über­tra­gung wä­re ex­tra hin­zu­zu­rech­nen.

Müss­te die So­lar­in­dus­trie nicht fai­rer­wei­se an den Kos­ten für Netz­auf­bau und -un­ter­halt be­tei­ligt wer­den? Das hängt vom För­der­re­gime ab. Künf­tig wird man si­cher auf Netz­ent­gel­te ach­ten. So­lar­strom pau­schal für al­le Netz­kos­ten ein­zu­be­zie­hen, macht kei­nen Sinn. Ent­schei­dend ist: Bringt die So­lar­ein­spei­sung ei­nen Wert­bei­trag, oder ver­stopft sie das Netz, und wird ei­ne Straf­zah­lung fäl­lig? Wir brau­chen die bes­se­re Syn­chro­ni­sa­ti­on von Strom­ab­satz und -pro­duk­ti­on, um die Netz­ka­pa­zi­tä­ten op­ti­mal zu nut­zen.

An­ge­sichts der wit­te­rungs­be­dingt sehr schwan­kungs­rei­chen Er­zeu­gung wür­de ich be­haup­ten, So­lar­strom ver­stopft das Netz eher, als es bes­ser aus­zu­las­ten. Es kommt dar­auf an, wo So­lar­strom ein­ge­speist wird. In Sau­di-Ara­bi­en oder im Sü­den der USA trifft Ihr Ar­gu­ment nicht zu. Neh­men wir Te­xas: Wenn dort für die Wind­ener­gie be­reits ein Netz aus­ge­baut wird, lässt es sich auch für ein gu­tes Wech­sel­spiel zwi­schen der Wind-und der Son­nen­en­er­gie nut­zen. Ge­ne­rell glau­be ich, dass un­se­re Net­ze nicht zu­kunfts­fä­hig und zu un­fle­xi­bel sind. Es braucht ei­ne in­tel­li­gen­te­re de­zen­tra­le Netz­struk­tur. Wer her­aus­fin­det, wie man die er­neu­er­ba­re und die kon­ven­tio­nel­le Ener­gie­er­zeu­gung in­tel­li­gent im Netz kop­pelt, wird ei­nen Ex­port­schla­ger schaf­fen. In Deutsch­land ha­ben wir da­für gu­te Vor­aus­set­zun­gen.

Die deut­sche Ein­spei­se­ver­gü­tung ist sehr teu­er für den Kon­su­men­ten. Die Lern­kur­ve für Kos­ten­sen­kun­gen zeigt, dass es ei­ne star­ke Über­för­de­rung der So­lar­bran­che ge­ge­ben hat. First So­lar hat seit vie­len Jah­ren die Lern­kur­ve bei der Re­du­zie­rung der Kos­ten ab­ge­bil­det. Zu­dem darf man Preis­ent­wick­lung und Kos­ten­ent­wick­lung nicht ver­mi­schen. Wir sind von Un­ter­ka­pa­zi­tä­ten mit sehr ho­hem Preis­ni­veau in kur­zer Zeit in Über­ka­pa­zi­tä­ten mit mas­si­vem Preis­zer­fall ge­lau­fen. Die Fol­gen sieht man heu­te an den vie­len de­fi­zi­tä­ren Her­stel­lern.

Rech­nen Sie mit wei­te­rem Preis­zer­fall? Wir be­ob­ach­ten ei­ne Sta­bi­li­sie­rung, wohl weil lan­ge un­klar war, wann die Sen­kung der Ein­spei­se­ver­gü­tung in Deutsch­land kommt. Das hat ei­ne ho­he Nach­fra­ge ab dem vier­ten Quar­tal 2009 er­zeugt. Ich er­war­te kei­nen star­ken Preis­ver­fall, ten­den­zi­ell wer­den aber An­pas­sun­gen kom­men, im zwei­ten Halb­jahr und 2011.

Wie viel Spiel­raum hat First So­lar für Preis­sen­kun­gen im nächs­ten Jahr? Wir pla­nen mit sin­ken­den Prei­sen und Kos­ten, da wir den Pfad zur Netz­pa­ri­tät sonst nicht schaf­fen kön­nen.

Im Mo­dul­ge­schäft le­ben Sie von der Ver­kaufs­mar­ge. Wo­mit ma­chen Sie Ih­ren Schnitt im Pro­jekt­ge­schäft? Die Ge­samt­pro­jekt­mar­gen sind tie­fer als die Mar­gen im Mo­dul­ver­kauf. Wir sind mit der Pro­jekt­ent­wick­lung meist in Märk­ten tä­tig, die et­was schwie­rig zu be­die­nen sind, weil es dort kei­ne ga­ran­tier­ten Ta­ri­fe gibt. Da müs­sen die Pro­jekt­kos­ten schon re­la­tiv wett­be­werbs­fä­hig sein. In Deutsch­land se­hen wir, dass wohl nächs­tes Jahr Pro­duk­ti­ons­kos­ten und Markt­preis ähn­lich nied­rig lie­gen. Wir müs­sen al­so auch dort sehr wirt­schaft­lich ar­bei­ten.

Ist es der­zeit schwie­ri­ger, an Ei­gen­ka­pi­tal oder an Fremd­ka­pi­tal zu kom­men? Mo­ment ist das Kli­ma nicht schlecht, wir se­hen kei­nen gros­sen Un­ter­schied. Es hängt im­mer vom Pro­jekt ab. Wir be­kom­men gu­te Fi­nan­zie­rungs­pa­ke­te, da First So­lar fi­nan­zi­ell sehr gut da­steht. Ge­ne­rell ist auch die Nach­fra­ge von der Ei­gen­ka­pi­tal­sei­te her gut. In den USA kom­men ers­te Kun­den zu­rück und sa­gen, sie ver­stün­den die Ri­si­ken nun bes­ser. Für die Ver­sor­ger ist der Bau ei­nes So­lar­parks letzt­lich Kraft­werk­ge­schäft.

Geht First So­lar selbst ins Ri­si­ko? Wenn über­haupt, sind wir in der Kon­struk­ti­ons­pha­se mit Ei­gen­ka­pi­tal ver­tre­ten. Wir ar­bei­ten kon­ser­va­tiv und ris­kie­ren un­ser fi­nan­zi­el­les Pols­ter nicht un­nö­tig. Un­se­rer Tech­no­lo­gie bie­tet ei­ne sehr gu­te Ba­sis, kos­ten­ef­fi­zi­ent zu pro­du­zie­ren, und be­darf ge­rin­gen Ka­pi­tal­auf­wands.

Der EU-Um­welt­aus­schuss emp­fiehlt, Pho­to­vol­ta­ik­mo­du­le nicht in die Richt­li­ni­en für ge­fähr­li­che Haus­halt­gü­ter auf­zu­neh­men, wie dies vie­le Ih­rer Wett­be­wer­ber ge­for­dert hat­ten – in First-So­lar-Mo­du­len steckt ja Cad­mi­um. Sind Sie er­leich­tert? Ich hielt den Ver­such, Wett­be­werb mit an­de­ren Mit­teln zu be­trei­ben, nie für sinn­voll. Un­se­re Tech­no­lo­gie ist sehr sorg­fäl­tig be­gut­ach­tet wor­den. Es gibt wich­ti­ge­re The­men, über die wir als Bran­che spre­chen soll­ten, wie die Fra­ge nach bes­se­rer Durch­drin­gung der Ener­gie­ver­sor­gung oder Netz­ma­nage­ment. Sub­stan­zi­ell gibt es kei­ne Er­kennt­nis­se, die den Ein­be­zug von So­lar­mo­du­len in die EU-Richt­li­nie recht­fer­ti­gen. Der Aus­schuss stellt nun Er­neu­er­ba­re Ener­gi­en mit an­de­ren Er­zeu­gungs­tech­no­lo­gi­en gleich, das ist rich­tig und gut.

Könn­ten Sie sich vor­stel­len, Ih­re Wert­schöp­fungs­ket­te aus­zu­wei­ten? Wir sind voll in­te­grier­ter Mo­dul­her­stel­ler und ma­chen, wo sinn­voll, auch Pro­jekt­ge­schäft. Ei­ne Rück­wärts­in­te­gra­ti­on ist kein Ziel. Wir wür­den uns An­la­ge­tech­nik ge­nau­er an­schau­en, wenn wir zur Er­kennt­nis ge­lang­ten, dass die Kon­trol­le dar­über der Schlüs­sel zur Wett­be­werbs­fä­hig­keit ist. Das se­hen wir der­zeit gar nicht.

Al­so hät­ten Sie auch kein In­ter­es­se an Oer­li­kon So­lar? Dass wir in den Teil der Wert­schöp­fungs­ket­te mi­grie­ren, se­he ich wie ge­sagt nicht.

Ste­phan Han­sen glaubt, Chi­na ent­schei­de wo­mög­lich erst 2011 über die So­lar­för­de­rung.

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