Un­si­cher­heit bremst Ka­pi­tal­markt

Ein­bruch der Emis­si­ons­vo­lu­men im Mai – Ge­sche­hen von Vor­sicht ge­prägt – IPO-Boom in Chi­na hält an – Re­fi­nan­zie­rungs­ri­si­ken von Un­ter­neh­men ge­ring

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - CLIFFORD PADEVIT,

AK­ein gu­tes Um­feld

m eu­ro­päi­schen Ka­pi­tal­markt herrscht Flau­te. So­wohl Ak­ti­en-als auch Schul­de­n­emis­sio­nen sind im Mai ein­ge­bro­chen. Jüngs­tes Bei­spiel für die Vor­sicht der In­ves­to­ren ist der ge­plan­te Bör­sen­gang von Fer­rous Re­sour­ces. Das IPO (In­iti­al Pu­b­lic Of­fe­ring) des bra­si­lia­ni­schen Ei­sen­erz­för­de­rers in London wur­de die­se Wo­che ge­stoppt. Grund: die Vo­la­ti­li­tät (Kurs­schwan­kun­gen) an den Ak­ti­en­märk­ten. Des­sen un­ge­ach­tet trieb Ju­pi­ter As­set Ma­nage­ment den Bör­sen­gang vor­an. Al­ler­dings muss­te der Preis nach un­ten kor­ri­giert wer­den. Das IPO des dä­ni­schen Nah­rungs­mit­tel­zu­satz­her­stel­lers Chris­ti­an Han­sen am Frei­tag er­ziel­te Prei­se am un­te­ren En­de der Er­war­tung.

«Die Märk­te sind nicht ge­schlos­sen, Trans­ak­tio­nen kom­men zu­stan­de», sagt Mat­t­hew Ko­der, Chef Glo­bal Ca­pi­tal Mar­kets der UBS, ge­gen­über «Fi­nanz und Wirt­schaft». «Aber in ei­nem Um­feld, in dem In­ves­to­ren in Qua­li­tät und Li­qui­di­tät flüch­ten, ist es schwie­rig, neue Wert­schrif­ten aus­zu­ge­ben», er­gänzt er. Wie Da­ten von Dea­lo­gic zei­gen, ist das welt­wei­te Ak­ti­en­emis­si­ons­vo­lu­men im Mai mar­kant zu­rück­ge­gan­gen (vgl. ein­spal­ti­ge Gra­fik). Im Jah­res­ver­gleich liegt das ku­mu­lier­te Vo­lu­men über dem Vor­jahr, aber al­lein dank des IPO-Booms in Chi­na. Das wird wohl so blei­ben: In Chi­na ste­hen Mul­ti­mil­li­ar­den­bör­sen­gän­ge an. Ge­spannt er­war­tet wird der­je­ni­ge der Ag­ri­cul­tu­ral Bank of Chi­na. Nach­dem der Ver­kauf an die bri­ti­sche Le­bens­ver­si­che­rung Pru­den­ti­al ge­schei­tert ist, wird wohl auch AIA an die Bör­se kom­men (vgl. Text­kas­ten). Der Rück­gang der Ak­ti­en­emis­sio­nen spie­gelt sich im An­stieg der Vo­la­ti­li­tät ge­mes­sen am Vix. Je hö­her der In­dex, des­to we­ni­ger ris­kie­ren Un­ter­neh­men Ak­ti­en­trans­ak­tio­nen. «Es sind Bör­sen­gän­ge in der Pi­pe­line, aber die Ver­käu­fer sind nicht ge­neigt, an den Markt zu kom­men», sagt Fe­lix Weber, Chef des In­vest­ment Ban­king von No­mu­ra in der Schweiz. «Im mo­men­ta­nen Um­feld ist die Preis­si­cher­heit ge­ring. Ver­käu­fer ris­kie­ren, 20 bis 30% der Ein­nah­men ein­zu­büs­sen», fügt er an. Ko­der er­war­tet in­des, dass sich die Märk­te in die­sem Jahr sta­bi­li­sie­ren, «vi­el­leicht so­gar noch vor dem Som­mer», wie er er­gänzt.

«Es gibt zwar kei­ne öf­fent­li­chen Zah­len zu ge­plan­ten eu­ro­päi­schen Bör­sen­gän­gen, aber es sind ein paar gros­se Trans­ak­tio­nen in Pla­nung», sagt Ko­der. Ei­ni­ge die­ser Pu­bli­kums­öff­nun­gen sind sol­che, die ver­scho­ben wur­den (vgl. Ta­bel­le). Da­zu kom­men Kan­di­da­ten wie Tra­vel­port und Mer­lin, die im Be­sitz von Pri­va­te-Equi­ty­Fonds sind. Dass sich Fi­nanz­in­ves­to­ren lang­sam von ih­ren Ge­sell­schaf­ten tren­nen, zeigt auch die Pi­pe­line in den USA. Ge­mäss Ko­der sind dort 30 bis 40% des IPO-Auf­trags­be­stands Un­ter­neh­men, die von Fi­nanz­häu­sern ver­kauft wer­den.

Für die meis­ten Kon­zer­ne ist ent­schei­den­der, ob sie Schuld­pa­pie­re aus­ge­ben kön­nen. Sie fra­gen sich, ob der Rück­gang der Vo­lu­men von Schuld­ver­schrei­bun­gen (DCM) An­lass zur Be­un­ru­hi­gung ist. In Eu­ro­pa ist das Emis­si­ons­vo­lu­men im Mai ein­ge­bro­chen, wie eben­falls Da­ten von Dea­lo­gic zei­gen (vgl. zwei­spal­ti­ge Gra­fik).

Ei­ni­ge ha­ben es ge­wagt Welt­weit ist das ge­sam­te DCM-Vo­lu­men (um­fasst al­le Ar­ten von Schuld­ver­schrei­bun­gen) eben­falls rück­läu­fig, trotz des Mit­tel­be­darfs von Staats­schuld­nern.

We­nig Be­darf

Chris Mar­row, Eu­ro­pa­chef für Un­ter­neh­mens­an­lei­hen­emis­sio­nen des Cre­dit Suis­se In­vest­ment Ban­king, be­ru­higt: «Die Ge­sell­schaf­ten ha­ben im letz­ten Jahr von der Nach­fra­ge nach Un­ter­neh­mens­an­lei­hen und tie­fen Zin­sen pro­fi­tiert», sagt er. «Vie­le ha­ben den Fi­nanz­be­darf für 2010 und 2011 mehr als ge­deckt», fügt er an – sie ha­ben al­so kei­nen Be­darf mehr. Glei­cher An­sicht ist Ko­der von der UBS: «Die Bi­lan­zen der Un­ter­neh­men sind ge­sund, und das Re­fi­nan­zie­rungs­ri­si­ko für 2010 und 2011 ist vom Tisch. Die Vo­lu­men könn­ten des­halb tief blei­ben, auch wenn sich die Märk­te sta­bi­li­sie­ren», sagt er. «Der Fi­nanz­be­darf ist tief, weil auch die Über­nah­me­ak­ti­vi­tät ver­hal­ten ist, denn Un­ter­neh­men sind noch im­mer vor­sich­tig», er­gänzt Weber von No­mu­ra. Zah­len von Thom­son Reuters be­stä­ti­gen, dass Über­nah­me­vo­lu­men (M&A) auf tie­fem Ni­veau ver­har­ren.

Das Um­feld ist für Emit­ten­ten gleich­wohl noch im­mer at­trak­tiv, denn die Nach­fra­ge ist in­takt. Schuld­ner könn­ten op­por­tu­nis­tisch han­deln und wer­den mög­li­cher­wei­se mit klei­ne­ren Vo­lu­men an den Markt kom­men, wie Mar­row sagt. «Ei­ni­ge wer­den ver­su­chen, ihr Re­fi­nan­zie­rungs­ri­si­ko der Jah­re 2013 und 2014 zu sen­ken, oder Ob­li­ga­tio­nen mit ho­hen Cou­pons zu­rück­zah­len», schätzt er. Weber sieht an­de­re Mög­lich­kei­ten: «We­gen der ge­stie­ge­nen Vo­la­ti­li­tät den­ken Un­ter­neh­men über Wan­del­an­lei­hen nach.»

Letz­te Ar­bei­ten, be­vor die Ag­ri­cul­tu­ral Bank of Chi­na an die Bör­se kom­men kann.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.