Hei­del­berg Ce­ment hat Po­ten­zi­al zur Mar­gen­ver­bes­se­rung

Der deut­sche Bau­stoff­rie­se hat sei­ne gröss­ten fi­nan­zi­el­len Pro­ble­me ge­löst – Auf­stieg in den Dax steht kurz be­vor – Ak­ti­en neh­men viel Fan­ta­sie vor­weg

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - ADRI­AN BLUM

Was sich vor rund ei­nem hal­ben Jahr ab­ge­zeich­net hat, dürf­te bald Tat­sa­che wer­den. Die Deut­sche Bör­se wird kom­men­de Wo­che al­ler Vor­aus­sicht nach die Ak­ti­en von Hei­del­berg Ce­ment per 21. Ju­ni vom MDax in den dreis­sig Wer­te um­fas­sen­den Dax be­för­dern. Die Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung der im Pu­bli­kum be­find­li­chen Ak­ti­en hat­te be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr mar­kant zu­ge­nom­men (vgl. FuW Nr. 94 vom 2. De­zem­ber 2009). Zu ver­dan­ken war dies den um­fang­rei­chen Ka­pi­tal­mass­nah­men (Ka­pi­tal­er­hö­hung von 2,2 Mrd. €) des da­mals an­ge­schla­ge­nen Un­ter­neh­mens zwecks Sa­nie­rung so­wie dem Teil­rück­zug der Fa­mi­li­en­ak­tio­nä­re.

Nr. 1 bei Zu­schlag­stof­fen

Mitt­ler­wei­le ist auch das zwei­te wich­ti­ge Kri­te­ri­um für ei­nen Dax-Auf­stieg er­füllt: das Han­dels­vo­lu­men. Ge­mes­sen an bei­den Mess­grös­sen be­le­gen die Va­lo­ren der­zeit je­weils Rang 22, schrei­ben die Ana­lys­ten der in Es­sen an­säs­si­gen Na­tio­nal-Bank in ei­ner Stu­die. Als Ab­stei­ger aus dem Dax wird es vor­aus­sicht­lich die Ak­ti­en des Stahl-und An­la­gen­bau­kon­zerns Salz­git­ter tref­fen.

Der deut­sche Tra­di­ti­ons­kon­zern ge­hört mit Hol­cim, La­far­ge, CRH, Cemex und Ital­ce­men­ti zur Grup­pe der sechs glo­ba­len Bau­stoff­an­bie­ter, die den Welt­markt do­mi­nie­ren. Je nach Pro­dukt­grup­pe liegt da­bei der ei­ne oder der an­de­re Wett­be­wer­ber wei­ter vor­ne oder wei­ter hin­ten (vgl. Ta­bel­le rechts). Hei­del­berg Ce­ment hat sich da­bei im Jahr 2007 durch die Ak­qui­si­ti­on des bri­ti­schen Kon­kur­ren­ten Han­son an die Spit­ze im Be­reich Zu­schlag­stof­fe be­för­dert (und da­bei fi­nan­zi­ell über­nom­men). Auch re­gio­nal be­trach­tet sind die Wett­be­wer­ber un­ter­schied­lich stark, so ist Hei­del­berg Ce­ment et­wa in In­do­ne­si­en be­son­ders po­tent, La­far­ge in Chi­na und Hol­cim in Asi­en als Gan­zes und spe­zi­ell in In­di­en.

Die fi­nan­zi­el­le Aus­stat­tung von Hei­del­berg Ce­ment sieht mitt­ler­wei­le et­was bes­ser aus, wenn auch noch nicht be­frie­di­gend. Die Net­to­ver­schul­dung wur­de auf 9 Mrd.€ per En­de März ab­ge­baut (En­de 2008: 11,6 Mrd. €). Bis En­de 2011 wird er­war­tet, dass sich der Wert nur lang­sam in Rich­tung 8 Mrd.€ be­wegt. Ein mar­kan­ter Ab­bau ist nicht zu er­war­ten, da Hei­del­berg Ce­ment wohl nicht auf In­ves­ti­tio­nen ver­zich­ten will. Im ver­gan­ge­nen Jahr ver­rin­ger­te sich das Ver­hält­nis von Net­to­schul­den zum ope­ra­ti­ven Er­geb­nis vor Zin­sen, Steu­ern, Ab­schrei­bun­gen und Amor­ti­sa­tio­nen (Ebit­da) von 5,0 auf 4,0 (En­de März 2010: 4,3).

Das Ver­hält­nis Net­to­ver­schul­dung zu Ebit­da dürf­te sich ge­mäss Schät­zun­gen der Bank Merck Finck dank stei­gen­der ope­ra­ti­ver Er­geb­nis­se auf drei ver­bes­sern. Hei­del­berg Ce­ment wird ge­mäss Schät­zun­gen den ope­ra­ti­ven Ebit­da bis 2013 schritt­wei­se auf den im Jahr 2008 er­reich­ten Re­kord­wert von rund 3 Mrd.€ stei­gern. Im ver­gan­ge­nen schwie­ri­gen Jahr wa­ren es rund 2,1 Mrd.€.

Bald bes­se­res Ra­ting in Sicht?

Die Re­fi­nan­zie­rung ist ge­si­chert, wich­ti­ge Kre­dit­li­ni­en wur­den im April bis 2013 (zu bes­se­ren Kon­di­tio­nen) ver­län­gert, und die li­qui­den Mit­tel er­reich­ten En­de März 2,6 Mrd.€. Merck Finck sieht da­mit die Wahr­schein­lich­keit stei­gen, dass Stan­dard & Poor’s 2011 die Be­wer­tung von Hei­del­berg Ce­ment von BB+ auf In­vest­ment­gra­de (BBB) ver­bes­sern könn­te.

Auf ope­ra­ti­ver Ebe­ne war das ers­te Quar­tal we­gen un­güns­ti­ger Wit­te­rungs­ver­hält­nis­se et­was ent­täu­schend, seit März ver­bes­ser­te sich die Si­tua­ti­on aber, was sich bis Mai fort­setz­te. Ex­pan­si­ons­po­ten­zi­al gibt es für Hei­del­berg Ce­ment be­son­ders in Ru­mä­ni­en, Chi­na, In­di­en und In­do­ne­si­en. Er­geb­nis­dy­na­mik er­gibt sich in mehr­fa­cher Hin­sicht: Die Han­sonÜber­nah­me soll­te sich nun end­lich in über­pro­por­tio­na­lem Wachs­tum nie­der­schla­gen, da in In­fra­struk­tur­pro­jek­ten die Nach­fra­ge nach Zu­schlag­stof­fen je­ne nach Ze­ment klar über­tref­fe, schrei­ben die Ana­lys­ten von Merck Finck. Die ope­ra­ti­ve Mar­ge soll­te sich vor al­lem dank wei­te­rer Kos­ten­sen­kun­gen ver­bes­sern. Aus­ser­dem wer­den Ka­pa­zi­tä­ten zu­se­hends bes­ser aus­ge­las­tet sein, und ten­den­zi­ell stei­gen die Ver­kaufs­prei­se leicht.

In den Ak­ti­en von Hei­del­berg Ce­ment ist be­reits viel Fan­ta­sie ent­hal­ten, vor al­lem, was den Dax-Auf­stieg be­trifft. Nur ei­ne über­ra­schend star­ke Mar­gen­ver­bes­se­rung dürf­te den Ti­teln neue Im­pul­se ver­lei­hen und die Va­lo­ren bes­ser als Hol­cim lau­fen las­sen.

Sechs An­bie­ter do­mi­nie­ren

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