Bank­ge­büh­ren in der Kri­tik

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - CP

Für die Ak­tio­nä­re von «Pru», wie die Ver­si­che­rung Pru­den­ti­al in Gross­bri­tan­ni­en lie­be­voll ge­nannt wird», be­deu­tet die Ab­sa­ge der AIA-Trans­ak­ti­on auch ei­ne Nie­der­la­ge. Sie müs­sen sich da­mit ab­fin­den, dass Pru­den­ti­al für den ver­such­ten Kauf ei­ne Rech­nung von 450 Mio. £ (760 Mio. Fr.) zu be­glei­chen hat. Rund ein Drit­tel da­von ist ei­ne An­nu­lie­rungs­ge­bühr (Break Fee), die an die AIA-Be­sit­ze­rin AIG über­wie­sen wird. AIG be­zahlt da­mit un­ter an­de­rem Ho­no­ra­re für Be­ra­ter­ban­ken. Wei­te­re 81 Mio. £ ge­hen an die Ban­ken, die die Ka­pi­tal­er­hö­hung über­nom­men hat­ten und das Geld be­reit­hiel­ten (Un­der­wri­ter). Der gröss­te Teil des Rests sind Ab­si­che­rungs­kos­ten für Wäh­run­gen. Zu­dem wer­den Ho­no­ra­re für Be­ra­ter­ban­ken und An­wäl­te fäl­lig.

Die voll­zo­ge­ne Über­nah­me hät­te al­len in­vol­vier­ten Ban­ken nach Schät­zun­gen rund 850 Mio. $ Ge­büh­ren ein­ge­bracht. Cre­dit Suis­se und J. P. Mor­gan hät­ten als Be­ra­ter und als Un­der­wri­ter dop­pelt kas­siert.

Die enor­men Sum­men fa­chen die Dis­kus­si­on über die Hö­he der Ge­büh­ren an. Das In­sti­tu­tio­nal Share­hol­ders Com­mit­tee, ein Zu­sam­men­schluss der mäch­tigs­ten in­sti­tu­tio­nel­len In­ves­to­ren in Gross­bri­tan­ni­en, hat ei­nen Aus­schuss ein­ge­setzt, der die Bank­ge­büh­ren bei ei­ner Ak­ti­en­ka­pi­tal­er­hö­hung un­ter­sucht. Die Un­der­wri­ter von Pru­den­ti­al hät­ten rund 3,5% des Emis­si­ons­vo­lu­mens von 22 Mrd. $ er­hal­ten, da­mit sie die Ak­ti­en über­neh­men und ver­tei­len. Die­se Ge­bühr hät­ten sie sich mit Sub-Un­der­wri­ter ge­teilt. Vor we­ni­gen Jah­ren sei­en 2% üb­lich ge­we­sen, mo­niert der Ver­band der bri­ti­schen Ver­si­che­rer (ABI). Obend­rein sei der Ab­schlag zum Kurs grös­ser ge­wor­den. Das Ri­si­ko, dass ein Un­der­wri­ter auf den Ak­ti­en sit­zen bleibt, ist da­mit ge­rin­ger.

Bank­ge­büh­ren be­schäf­ti­gen auch die bri­ti­sche Wett­be­werbs­kom­mis­si­on, das Of­fice of Fair Tra­ding (OFT). In ei­ner Vor­un­ter­su­chung will es fest­stel­len, ob der Markt un­ter den In­vest­ment­ban­ken spielt. In der Tat äh­neln sich die Ge­büh­ren für Be­ra­tun­gen bei Über­nah­men oder Ka­pi­tal­trans­ak­tio­nen. Weil die Ein­tritts­bar­rie­ren hoch sind, ist der Markt ab­ge­schot­tet. Ban­ken kön­nen da­her ver­lan­gen, was sie wol­len, und der An­reiz, die Prei­se zu sen­ken, ist ge­ring. Al­ler­dings ist der Preis nicht das ein­zi­ge Ar­gu­ment in der Aus­wahl der Bank. Hart­nä­ckig hält sich das Bon­mot: Es sei noch nie­mand da­für ge­feu­ert wor­den, weil er Gold­man Sachs an­ge­heu­ert ha­be.

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