Pro­zes­se über­schat­ten Vi­ven­di

Der frü­he­re Kon­zern­chef des fran­zö­si­schen Me­di­en­kon­zerns muss sich vor Ge­richt ver­ant­wor­ten

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - GW,

Acht Jah­re nach­dem der fran­zö­si­sche Me­di­en-und Tele­com­kon­zern Vi­ven­di knapp an der Plei­te vor­bei­schramm­te, ste­hen seit die­ser Wo­che der frü­he­re Un­ter­neh­mens­chef Je­an-Ma­rie Mes­sier so­wie an­de­re ehe­ma­li­ge Spit­zen­ma­na­ger vor Ge­richt. Dem einst als Wun­der­kind ge­fei­er­ten Mes­sier, der das Un­ter­neh­men mit sei­ner ex­zes­si­ven Ein­kaufs­tour an den Ran­de der Zah­lungs­un­fä­hig­keit ge­bracht hat­te, wer­den Kurs­ma­ni­pu­la­ti­on, ir­re­füh­ren­de In­for­mie­rung der Fi­nanz­märk­te so­wie Un­treue vor­ge­wor­fen. Als Ne­ben­klä­ger in dem bis 25. Ju­ni an­ge­setz­ten Pro­zess tritt ne­ben Vi­ven­di ei­ne Grup­pe fran­zö­si­scher Klein­ak­tio­nä­re auf. Sie for­dert von den ins­ge­samt sie­ben An­ge­klag­ten 10 Mio. € Scha­dens­er­satz.

Sam­mel­kla­ge in den USA

Der Pro­zess ist das ins­ge­samt vier­te Ver­fah­ren seit dem Raus­wurf Mes­siers An­fang Ju­li 2002. Kurz zu­vor hat­te Vi­ven­di für das Vor­jahr ei­nen Ver­lust von 13,6 Mrd. € be­kannt­ge­ge­ben. Mes­sier hat­te dem eins­ti­gen Ver­sor­ger mit ris­kan­ten Ak­qui­si­tio­nen ei­nen Schul­den­berg von 35 Mrd.€ ein­ge­brockt. Nach­dem Frank­reichs Bör­sen­auf­sicht Mes­sier und Vi­ven­di im De­zem­ber 2004 we­gen ir­re­füh­ren­der In­for­ma­tio­nen der Märk­te zu ei­ner Stra­fe von je 1 Mio.€ ver­ur­teilt hat­te, ver­rin­ger­te ein Be­ru­fungs­ge­richt die Stra­fen spä­ter.

Im Ja­nu­ar hat­te dann ein US-Ge­richt ei­ner Ak­tio­närs­sam­mel­kla­ge statt­ge­ge­ben und den Kon­zern für schul­dig be­fun­den, In­ves­to­ren ge­täuscht zu ha­ben. Mes­sier da­ge­gen wur­de frei­ge­spro­chen. Vi­ven­di will ge­gen das Ur­teil an­ge­hen. Ex­per­ten rech­nen da­mit, dass al­lein die Fest­set­zung der Ent­schä­di­gungs­hö­he ge­gen ein Jahr dau­ern wird und das an­schlies­sen­de Be­ru­fungs­ver­fah­ren wei­te­re acht­zehn Mo­na­te. Auf der Ak­tio­närs­ver­samm­lung En­de April war die Sam­mel­kla­ge in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten ei­nes der Haupt­the­men. Die Vi­ven­di-Füh­rung zeigt sich zwar über­zeugt, dass der Kon­zern am En­de nichts zah­len müs­se, schätzt aber den­noch, im Fal­le der Be­stä­ti­gung des Ur­teils ma­xi­mal 800 Mio. € zah­len zu müs­sen.

Auch wenn Vi­ven­di im Pro­zess ge­gen Mes­sier als Ne­ben­klä­ger auf­tritt, gibt es mit dem Ex-Kon­zern­chef nach der Ta­ges­zei­tung «Libération» ei­nen Nicht­an­griffs­pakt. Auf­sichts­rats­chef Je­an-Re­né Four­tou hat­te auf der Ak­tio­närs­ver­samm­lung auf die Fra­ge meh­re­rer An­teils­eig­ner, ob Vi­ven­di ge­gen sei­ne ehe­ma­li­ge Füh­rungs­mann­schaft kla­gen wol­le, auf den Sta­tus des Kon­zerns als Ne­ben­klä­ger in dem jetzt be­gon­ne­nen Pro­zess ver­wie­sen. Er be- ton­te in­des, dass «ei­ne schlech­te Un­ter­neh­mens­füh­rung kein ju­ris­ti­sches De­likt» sei. Die Staats­an­walt­schaft hat­te die Er­mitt­lung ge­gen Mes­sier ei­gent­lich we­gen man­geln­der Be­wei­se ein­stel­len wol­len, doch der zu­stän­di­ge Un­ter­su­chungs­rich­ter hat­te auf ei­nem Pro­zess be­stan­den. Dem 53-Jäh­ri­gen, der heu­te Un­ter­neh­men wie La­g­ar­dè­re und Eu­ra­zeo be­rät, dro­hen bei ei­ner Ver­ur­tei­lung bis zu 5 Jah­re Haft und ei­ne Bus­se von 375000 €.

«Ex­zess und Ar­ro­ganz»

Zu Be­ginn des Pro­zes­ses räum­te Mes­sier ein, Feh­ler be­gan­gen zu ha­ben. «Wenn ich ei­nen Blick zu­rück­wer­fe, wa­ren ei­ni­ge un­se­rer Ent­schei­dun­gen nicht die bes­ten», er­klär­te er. Er be­kann­te auch Feh­ler in der Kom­mu­ni­ka­ti­on: «Das ist vom Zu­stand des Ex­zes­ses zu dem der Ar­ro­ganz über­ge­gan­gen.» Gleich­zei­tig aber gab Mes­sier auch an­de­ren Fak­to­ren wie dem Plat­zen der In­ter­net-Bla­se und dem Kurs­sturz nach den An­schlä­gen vom 11. Sep­tem­ber 2001 ei­ne Mit­schuld, da sie sei­ne Stra­te­gie zu­nich­te­ge­macht hät­ten.

Aus In­ves­to­ren­sicht sind die Vi­ven­diAk­ti­en (KGV von 8) zwar güns­tig be­wer­tet. Aber auch wenn der Aus­gang des Pro­zes­ses kaum Aus­wir­kun­gen für den Kon­zern hat, dürf­te sei­ne Bör­sen­be­wer­tung wei­ter durch die Un­si­cher­hei­ten im Zu­sam­men­hang mit der Sam­mel­kla­ge in den USA und den mög­li­chen Ent­schä­di­gun­gen un­ter Druck ste­hen.

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