Di­vi­den­de hat wie­der ho­hen Stel­len­wert

Nach­hal­ti­ge Di­vi­den­den­po­li­tik steht in Deutsch­land hoch im Kurs – Dax-Kon­zer­ne neh­men 2010 ho­he Aus­schüt­tungs­quo­ten in Kauf – Wich­ti­ges Kauf­ar­gu­ment

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - CHRIS­TI­AN BRAUN

Fast zu gut ha­ben es vie­le Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten mit ih­rer Di­vi­den­de für das Ge­schäfts­jahr 2009 ge­meint. Zahl­rei­che Un­ter­neh­men schüt­ten na­he­zu ih­ren gan­zen Ge­winn aus, ei­ni­ge so­gar mehr, und nicht we­ni­ge las­sen ih­ren Ak­tio­nä­ren so­gar et­was zu­kom­men, ob­wohl sie das Jahr mit Ver­lust ab­ge­schlos­sen ha­ben. In Deutsch­land sind ho­he Aus­schüt­tungs­quo­ten be­son­ders un­ter den gros­sen Kon­zer­nen ver­brei­tet, wie die im Mai ver­öf­fent­lich­te Di­vi­den­den­un­ter­su­chung 2010 der Deut­schen Schutz­ver­ei­ni­gung für Wert­pa­pier­be­sitz (DSW) und des Deut­schen In­sti­tuts für Port­fo­lio-Stra­te­gi­en (Dips) ver­deut­licht (vgl. Gra­fik).

Das Phä­no­men ho­her Aus­schüt­tungs­quo­ten ist nicht neu. Schon in den Vor­jah­ren wa­ren deut­sche Un­ter­neh­men ge­mäss DSW/Dips über­aus spen­da­bel: Zwi­schen 2005 und 2009 schüt­te­ten durch­schnitt­lich 13% der im Qua­li­täts­seg­ment der Deut­schen Bör­se (Pri­me Stan­dard) ge­lis­te­ten Un­ter­neh­men mehr aus als sie er­wirt­schaf­tet hat­ten. Sol­che Quo­ten kön­nen Zu­ver­sicht si­gna­li­sie­ren oder Ein­zel­fäl­le ei­ner Di­vi­den­den­stra­te­gie mit ge­glät­te­ter Ge­winn­be­tei­li­gung sein. Be­ste­hen sie über län­ge­re Zeit, ver­heis­sen sie aber we­nig Gu­tes, denn ei­ne Di­vi­den­de, die den Ge­winn über­steigt, greift grund­sätz­lich die Sub­stanz an.

Schutz und Er­trag zu­gleich

DSW-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Ul­rich Ho­cker steht ex­tre­men Aus­schüt­tungs­quo­ten kri­tisch ge­gen­über: «Die Di­vi­den­de kann ih­re po­si­ti­ve Wir­kung nur dann ent­fal­ten, wenn sie re­al er­wirt­schaf­tet wor­den ist und kon­ti­nu­ier­lich ge­zahlt wird», un­ter­streicht er im Re­de­text zur Vor­stel­lung der Di­vi­den­den­un­ter­su­chung 2010. Be­sag­te po­si­ti­ve Wir­kung der Di­vi­den­de ist ge­ra­de heu­te un­ter An­la­ge­ge­sichts­punk­ten wie­der ein gros­ses The­ma, gilt es in dem von Un­si­cher­heit und Skep­sis ge­präg­ten Um­feld doch ei­nen si­che­ren Ha­fen zu fin­den, oh­ne da­bei auf Er­trags­per­spek­ti­ven ver­zich­ten zu müs­sen.

Die Vor­tei­le ei­ner be­stän­di­gen Ge­winn­be­tei­li­gung zei­gen sich zum ei­nen dar­in, dass Ak­ti­en von Un­ter­neh­men, die zu­ver­läs­sig ei­ne (an­spre­chen­de) Di­vi­den­de zah­len, in ei­nem län­ger an­hal­ten­den rau­en Bör­sen­kli­ma ge­mein­hin bes­ser ab­schnei­den als an­de­re und sich nach Rück­schlä­gen auch eher schnel­ler er­ho­len. Zum an­dern drückt sich die po­si­ti­ve Wir­kung dar­in aus, dass ei­ne Di­vi­den­de, die re­inves­tiert wird, den Ver­mö­gens­auf­bau mass­geb­lich be­güns­tigt. Mit Wie­der­an­la­ge der Di­vi­den­den kommt et­wa der Dax seit dem In­dex­be­ginn 1988 auf ei­ne Ren­di­te von 8,5% p. a. (bis En­de März 2010), oh­ne Rein­ves­ti­ti­on sind es laut DSW/Dips 6,1%.

Wenn ein Un­ter­neh­men in wirt­schaft­lich gu­ten wie in wirt­schaft­lich schlech­ten Zei­ten fä­hig ist, aus Ge­winn – noch bes­ser aus frei­em Cash­flow – ei­ne Di­vi­den­de aus- zu­schüt­ten, schafft das am Markt Ver­trau­en. Als Fol­ge da­von hal­ten An­le­ger in schwie­ri­gen Pha­sen eher an den Ti­teln fest, was den Ab­ga­be­druck be­grenzt. Nicht sel­ten ha­ben da­her sol­che Ak­ti­en ein Be­ta von un­ter eins, schwan­ken al­so we­ni­ger als der Ge­samt­markt und gel­ten folg­lich als ver­gleichs­wei­se ri­si­ko­arm (vgl. Mitt­woch­aus­ga­be). Häu­fig sind das Un­ter­neh­men mit ei­nem ho­hen An­teil an über­durch­schnitt­lich kon­junk­tur­re­sis­ten­tem (de­fen­si­vem) Ge­schäft. Ener­gie-und und Te­le­kom­un­ter­neh­men sind ty­pi­sche Bei­spie­le da­für (vgl. Ta­bel­le un­ten).

Nur ge­rin­ger Rück­gang 2010

Die Di­vi­den­de und ih­re Ren­di­te ha­ben seit dem Plat­zen der Tech­no­lo­giebla­se ei­ne be­ein­dru­cken­de Re­nais­sance er­lebt. Ihr Stel­len­wert sei heu­te grös­ser denn je, be­to­nen DSW und Dips. Vor al­lem für Pri­vat­an­le­ger ha­be sich die Ge­winn­be­tei­li­gung als ei­nes der Kauf­ar­gu­men­te für Ak­ti­en schlecht­hin eta­bliert, und deut­sche Ge­sell­schaf­ten hät­ten ih­re gros­se Be­deu­tung längst ver­in­ner­licht; sie be­tei­lig­ten ih­re An­teils­eig­ner über­wie­gend an­ge­mes­sen und vor al­lem nach­hal­tig am Er­geb­nis. 2007 und 2008 ha­ben die Zah­lun­gen in Deutsch­land Re­kord­hö­hen er­reicht, in

Die gröss­ten Di­vi­den­den­zah­ler den zwei Fol­ge­jah­ren nah­men sie we­gen des Kon­junk­tur­ein­bruchs je­weils ab.

Wie hoch die Un­ter­neh­men die Di­vi­den­de ge­wich­ten, zeigt sich dar­an, dass die dies­jäh­ri­ge Aus­schüt­tungs­sum­me der 332 Pri­me-Stan­dard-Ge­sell­schaf­ten nur 13,8% auf 27,26 Mrd.€ zu­rück­ge­gan­gen ist. Die 30 Dax-Un­ter­neh­men er­mäs­sig­ten ih­re Zah­lun­gen gar nur 13,3% auf 24,07 Mrd.€, wo­bei le­dig­lich vier kei­ne Di­vi­den­de ver­teilt ha­ben (vgl. Ta­bel­le rechts); im Pri­me Stan­dard hat die Hälf­te auf ei­ne Aus­zah­lung ver­zich­tet. Um die Di­vi­den­den­zah­lung auf­recht­er­hal­ten zu kön­nen, nah­men die Dax-Kon­zer­ne al­ler­dings teils ho­he Aus­schüt­tungs­quo­ten in Kauf: Über al­le pro­fi­ta­blen Ge­sell­schaf­ten ge­rech­net, wer­den 2010 ge­mäss DSW/Dips 97% des Vor­jah­res­über­schus­ses aus­be­zahlt.

Von den gros­sen deut­schen Di­vi­den­den­zah­lern RWE, Te­le­kom, Eon, Al­li­anz und BASF ha­ben nur Eon und Al­li­anz we­ni­ger als den Ge­winn aus­ge­schüt­tet. Am meis­ten über­bor­det hat die Te­le­kom. Sie hat 2010 das Zehn­fa­che ih­res Net­to­er­trags an ih­re Ak­tio­nä­re ab­ge­führt und schüt­tet auch sonst mehr als ih­ren Über­schuss aus. Doch gilt es das zu re­la­ti­vie­ren: Die eher be­schei­de­nen Ge­win­ne sind vor al­lem auf Ab­schrei­bun­gen zu­rück­zu­füh­ren, der freie Cash­flow da­ge­gen ist gross ge­nug, um die Zah­lung zu de­cken. Auch die BASF kann ih­re Di­vi­den­de aus dem frei­en Cash­flow be­glei­chen. Ih­re Aus­schüt­tungs­quo­te von 110% stellt zu­dem ei­ne glaub­haf­te Aus­nah­me dar, die mit dem Be­stre­ben zu er­klä­ren ist, die Di­vi­den­de zu glät­ten – sie in gu­ten Zei­ten eher zu kap­pen, um für schlech­te Zei­ten ei­ne Re­ser­ve zu ha­ben, da­mit die Ak­tio­nä­re nicht leer aus­ge­hen müs­sen. Dank die­ser Po­li­tik kom­men In­ves­to­ren, die 2010 erst­mals ei­ne Aus­schüt­tung er­hal­ten ha­ben, auf ei­ne Di­vi­den­den­ren­di­te von 3,5 bis 6,2% – ei­ne gu­te Ba­sis für ein län­ger­fris­ti­ges En­ga­ge­ment.

Wie an­de­re Tel­cos hat auch die Deut­sche Te­le­kom ein Di­vi­den­den­ver­spre­chen ab­ge­ge­ben: Für die Jah­re 2010 bis 2012 sol­len min­des­tens 0.70 € je Ak­tie aus­ge­schüt­tet wer­den.

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