«Mr. In­ter­net» hat ei­ne neue Vi­si­on

On­line-Shop­ping und mo­bi­ler Da­ten­ver­kehr sol­len Ja­pans Tele­com­ser­vice­an­bie­ter Soft­bank zur Num­mer eins in Asi­en ma­chen

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - MAR­TIN FRITZ,

Mit ei­nem aus­sichts­rei­chen Chi­na­ge­schäft ist die ja­pa­ni­sche Un­ter­neh­mer-und In­vestor­le­gen­de Ma­sayo­shi Son ins Ram­pen­licht zu­rück­ge­kehrt. Durch die Ver­bin­dung zwi­schen Yahoo Ja­pan und der chi­ne­si­schen Toch­ter von Ali­ba­ba.com, Tao­bao, soll das welt­gröss­te Auk­ti­ons-und Shop­ping­por­tal ent­ste­hen. Zu­sam­men ha­ben die bei­den Web­diens­te 250 Mio. Kun­den, da­von 60 Mio. in Ja­pan, die zu­letzt 450 Mio. Wa­ren­pos­ten im Wert von 3,8 Bio. Yen (47,5 Mrd. Fr.) um­ge­setzt ha­ben. Markt­füh­rer Ebay hat 90 Mio. An­bie­ter. «Wer welt­weit die Num­mer eins wer­den will, muss in Asi­en die Num­mer eins sein», er­klär­te Son sei­ne neu­es­te Vi­si­on.

Un­ter­des­sen hat der 53-Jäh­ri­ge in sei­ner ja­pa­ni­schen Hei­mat sei­nem frü­he­ren Spitz­na­men «Mr. In­ter­net», den er sich durch New-Eco­no­my-Be­tei­li­gun­gen wäh­rend des IT-Booms um die Jahr­tau­send­wen­de er­warb, wirk­li­che Sub­stanz ver­lie­hen: Sein Netz­be­trei­ber Soft­bank mit Fest­netz-, Breit­band-und Mo­bil­diens­ten ge­winnt durch ag­gres­si­ve Prei­se und ex­klu­si­ve Rech­te an iPho­ne und iPad kon­ti­nu­ier­lich Markt­an­tei­le und will mit dem be­vor­ste­hen­den Schub des mo­bi­len In­ter­nets wei­ter ex­pan­die­ren. Der Trend­set­ter hält 42% an Yahoo Ja­pan und grün­det der­zeit mit dem US-Part­ner Ustream ei­nen Asi­en­ab­le­ger für Live-Sen­dun­gen auf dem Han­dy. Soft­bank ist der ein­zi­ge Han­dy­pro­vi­der welt­weit, der mit Da­ten­trans­fer mehr Geld ein­nimmt als mit An­ru­fen.

Goog­le in Schach ge­hal­ten

In Ja­pan hat In­ter­net-Pio­nier Son sei­ne Un­ter­neh­men eng ver­knüpft. Von ei­nem Soft­bank-Han­dy ge­lan­gen die 22 Mio. Kun­den mit ei­nem Klick auf die YahooStart­sei­te im mo­bi­len Netz mit Such­funk­ti­on und zahl­rei­chen Di­ens­ten. Auch des­halb kann Goog­le in Ja­pan kei­nen Bo­den ge­win­nen. Mit der Zu­sam­men­schal­tung der Shop­ping-Web­sei­ten von Yahoo Ja­pan und Tao­bao.com wird Son zum be­deu­tends­ten aus­län­di­schen E-Com­mer­cePlay­er im Reich der Mit­te. Soft­bank hält nicht nur 34% an der in Hong­kong no­tier­ten Tao­bao-Mut­ter Ali­ba­ba, son­dern auch 35% an Oak Pa­ci­fic In­ter­ac­tive, die die po­pu­lä­ren so­zia­len Netz­werk-und Spie­le­sei­ten Ren­ren und Kai­xin.com be­treibt.

Tao­bao («Schatz­su­che») be­herrscht das On­line-Shop­ping in Chi­na mit 87% An­teil der ver­kauf­ten Wa­ren. 2009 setz­te das Por­tal mit 30,5 Mrd.$ knapp halb so viel um wie Ebay. Die­ses Jahr soll sich der Um­satz ver­dop­peln. In der Zu­sam­men­ar­beit über­nimmt Tao­bao 8 Mio. An­ge­bo­te aus Ja­pan, wäh­rend Yahoo 50 Mio. chi­ne­si­sche Pro­duk­te auf ei­ner «Chi­na Mall» ins Netz stellt. «Mit ei­nem Klick kön­nen un­se­re ja­pa­ni­schen User chi­ne­si­sche Wa­ren in Yen güns­tig kau­fen, weil kein Zwi­schen­händ­ler in­vol­viert ist», warb Son für das neue An­ge­bot. Ei­ni­ge Mar­ken­pro­duk­te und Wa­ren mit Ur­he­ber­rech­ten wie Fil­me wer­den nicht in Ja­pan an­ge­bo­ten, da­mit kei­ne Fäl­schun­gen ver­kauft wer­den.

Ebay zur Auf­ga­be ge­zwun­gen

Tao­bao ver­langt kei­ne Trans­ak­ti­ons­ge­büh­ren, son­dern ver­dient mit Pre­mi­um­Diens­ten und Wer­bung Geld und zwang so Ebay 2006 zur Auf­ga­be in Chi­na. Ge­mäss Ali­ba­ba er­reich­te Tao­bao 2008 die Ge­winn­zo­ne, die Jah­res­ein­nah­me wird auf 200 bis 250 Mio. $ ge­schätzt. Yahoo Ja­pan kas­siert Ge­büh­ren und bie­tet den Usern so­gar Zu­gang zu Ebay-Auk­tio­nen an. Soft­bank er­ziel­te 2009 mit E-Com­mer­ce vor Steu­ern ei­nen Ge­winn von 147 Mrd. Yen (1,8 Mrd. Fr.), wäh­rend das Auk­ti­ons­haus Ebay mit 2,9 Mrd. $ bei­na­he auf das Dop­pel­te kam. Der fi­nan­zi­el­le Wert der Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Tao­bao und Yahoo ist da­her schwer ab­zu­schät­zen.

Soft­bank galt im­mer als In­vest­ment für Ri­si­ko­freu­di­ge. In der IT-Blü­te stieg der Ak­ti­en­kurs auf 198000 Yen. Doch seit Jah­ren be­we­gen sich die Ti­tel un­ter 2300 Yen. Nur wäh­rend der Über­nah­me von Vo­da­fo­ne Ja­pan ver­dop­pel­te sich der Kurs kurz- zei­tig. Der Buy­out wur­de mit dem höchs­ten Fremd­fi­nan­zie­rungs­grad in Nip­pons Ge­schich­te voll­zo­gen. Aber dank der ho­hen Mar­ge von über 40% im Mo­bil­funk­ge­schäft schrumpf­te der Berg von 2,4 Bio. Yen (30 Mrd. Fr.) an zins­pflich­ti­gen Net­to­schul­den seit Ju­ni 2006 um über ein Drit­tel auf 1,5 Bio. Yen. Der freie Cash­flow ver­dop­pel­te sich 2009 auf 391 Mrd. Yen (4,9 Mrd. Fr.). Am An­lei­hen­markt muss­te Soft­bank für ei­ne fünf­jäh­ri­ge An­lei­he da­her zu­letzt nur noch 3,35% be­zah­len.

Ana­lys­ten trau­en Soft­bank trotz ei­ner Preis­po­li­tik, die je­des An­ge­bot der Kon­kur­renz so­fort un­ter­bie­tet, die höchs­te ope­ra­ti­ve Mar­ge zu. Der Han­dy­markt­an­teil von Soft­bank soll ge­mäss Glo­bal Mo­bi­le Ope­ra­tor Fo­re­cast von 19,2% im Jahr 2009 auf 23,3% 2014 stei­gen. Dank dem Fo­kus auf Da­ten­diens­te und Smart­pho­nes wer­de Soft­bank in drei Jah­ren mehr ver­die­nen als Markt­füh­rer NTT Do­Co­Mo, meint CS-Ana­lyst Hi­to­shi Ha­ya­ka­wa. Für das lau­fen­de Ge­schäfts­jahr er­war­tet der Pro­vi­der ei­nen Re­kord­ge­winn von ope­ra­tiv 500 Mrd. Yen (6,25 Mrd. Fr.). Soft­bank und Ali­ba­ba sind zwar vo­la­ti­le Ti­tel, aber auf lan­ge Sicht der bes­te Ein­stieg in Asi­ens E-Com­mer­ce-Boom.

In­ter­net-Pio­nier und Soft­bank-Chef Ma­sayo­shi Son: «Wer welt­weit die Num­mer eins wer­den will, muss in Asi­en die Num­mer eins sein.»

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