In­tel kämpft um die Chip-Vor­herr­schaft in por­ta­blen Rech­nern

Tablet-Com­pu­ter­markt ge­winnt an Schwung – Der US-Halb­lei­ter­gi­gant kon­kur­riert mit ARM Hol­dings – Grün­dung ei­nes Jo­int-Ven­tures setzt In­tel un­ter Zug­zwang

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - FRANK HEI­NI­GER

In der tai­wa­ne­si­schen Haupt­stadt Tai­peh ist am Sams­tag die Com­putex – zweit­gröss­te IT-Mes­se der Welt – zu En­de ge­gan­gen. Fünf Ta­ge lang ha­ben Com­pu­ter­kon­zer­ne aus al­ler Welt ih­re Pro­dukt­neu­hei­ten prä­sen­tiert. Auch hier wa­ren die Fol­gen des Hy­pes nicht zu über­se­hen, den App­les iPad aus­ge­löst hat: Kaum ein Hard­ware­kon­zern, der nicht mit ei­ner ei­ge­nen Ver­si­on ei­nes bild­schirm­ge­steu­er­ten Tablet-Com­pu­ters auf­war­ten konn­te. Gros­se Be­ach­tung fan­den et­wa zwei vom Note­book­spe­zia­lis­ten Asus vor­ge­stell­te Mo­del­le, de­ren Lan­cie­rung aber erst An­fang des kom­men­den Jah­res er­fol­gen dürf­te.

Er­neut wur­de deut­lich: Por­ta­ble in­ter­net­fä­hi­ge Ge­rä­te – ob Smart­pho­ne, Ta­blet­Com­pu­ter oder Net­book – lie­gen im Trend. Und wäh­rend die Hard­ware­an­bie­ter um die Gunst der Kun­den buh­len, ge­winnt hin­ter den Ku­lis­sen ein an­de­rer Wett­streit an Fahrt: Wer die zen­tra­len Re­chen­pro­zes­so­ren (CPU) für die auf­stre­ben­den Pro­dukt­ka­te­go­ri­en lie­fern darf.

Fo­kus auf Ener­gie­ef­fi­zi­enz

Im Ring ste­hen sich In­tel und ARM Hol­dings ge­gen­über, die bei­de ih­re an­ge­stamm­ten Märk­te do­mi­nie­ren. So hat USChip-Rie­se In­tel in den letz­ten zwei Jah­ren welt­weit rund 50 Mio. por­ta­bler Com­pu­ter auf Ba­sis sei­ner Atom­pro­zes­so­ren ver­kauft. Der­weil ist die bri­ti­sche ARM Hol­dings im Mo­bil­funk­markt om­ni­prä­sent: In über 95% al­ler Han­dys sind Kom­po­nen­ten auf Ba­sis der ARM-Ar­chi­tek­tur zu fin­den. Der Chip­de­si­gner fer­tigt sel­ber zwar kei­ne Halb­lei­ter. Doch In­dus­trieg­rös­sen wie Samsung und Qual­comm ha­ben ei­ge­ne ARM-Chip­sät­ze ent­wi­ckelt, von de­nen die Bri­ten über Li­zenz­ge­büh­ren pro­fi­tie­ren.

Im im­mer heisser um­kämpf­ten Be­reich der Tablet-PC wei­sen so­wohl In­tel-wie auch ARM-Chips spe­zi­fi­sche Vor­tei­le auf: Wäh­rend Ers­te­re leis­tungs­fä­hi­ger sind und die Nut­zung kom­ple­xe­rer Be­triebs­sys­te­me er­mög­li­chen, punk­ten Letz­te­re mit ge­rin­ge­rem Strom-und Platz­be­darf.

In­tel hat re­gel­mäs­sig be­tont, wie wich­tig es sei, im Seg­ment por­ta­bler Ge­rä­te Fuss zu fas­sen. Nicht nur kann die Ab­hän­gig­keit vom PC-Ge­schäft re­du­ziert wer­den. Auch ver­spre­chen mo­bi­le An­wen­dun­gen deut­lich hö­he­re Wachs­tums­ra­ten. Aus die­sem Grund sind Mit­te Mai von neu­em Ge­rüch­te auf­ge­fla­ckert, In­tel kön­ne an ei­nem Kauf der Mo­bil­funk­spar­te der deut­schen In­fi­ne­on in­ter­es­siert sein.

An der Com­putex hat In­tel nun die neus­te Ge­ne­ra­ti­on von Atom­pro­zes­so­ren vor­ge­stellt, die un­ter dem Co­de­na­men Oak Trail spe­zi­ell auf Tablet-Com­pu­ter aus­ge­rich­tet sein sol­len. Doch die Re­ak­tio­nen von IT-Ana­lys­ten fie­len eher durch­zo­gen aus. Auf der po­si­ti­ven Sei­te war zwar die ho­he Leis­tungs­fä­hig­keit zu ver­mer­ken, die et­wa das Ab­spie­len von HDVi­de­os er­mög­licht. Doch scheint der Nach­teil des re­la­tiv ho­hen Strom­kon­sums wei­ter­hin un­ge­löst zu sein. Ver­klau­su­lier­te Aus­sa­gen von In­tel lies­sen In­dus­trie­ex­per­ten dar­auf schlies­sen, dass sich die Leis­tungs­auf­nah­me bei rund 2,5 Watt be­we­gen dürf­te – wäh­rend ARM-Chips sich in der Re­gel mit nur ei­nem Watt be­gnü­gen.

ARM bald aus­ge­reizt

Zu­dem dürf­te die Markt­lan­cie­rung von Oak Trail erst zu Be­ginn des kom­men­den Jah­res er­fol­gen. Da­mit be­kommt ARM Hol­dings ge­nug Zeit, ih­re Markt­stel­lung zu fes­ti­gen. Denn nicht nur ha­ben sich di­ver­se ARM-ba­sier­te Platt­for­men wie Qual­comms Snap­dra­gon oder Nvi­di­as Te­gra be­reits eta­bliert, die in Ge­rä­ten von Hew­lett Pa­ckard, Dell oder Le­no­vo ver­baut wer­den. Für die Bri­ten spricht auch der er­folg­rei­che Start des iPad: Im Herz von App­les Tablet-PC ar­bei­tet ein von Samsung pro­du­zier­ter ARM-Pro­zes­sor.

Zu­dem wur­de in der lau­fen­den Wo­che die Grün­dung ei­nes Jo­int Ven­tures pu­blik. Un­ter dem Na­men Li­na­ro hat sich ARM Hol­dings mit Tech-Gi­gan­ten wie IBM, Samsung oder Te­xas In­stru­ments zu­sam­men­ge­tan. Ge­mein­sa­mes Ziel ist es, die Ent­wick­lung li­nux­ba­sier­ter Be­triebs­sys­te­me und Pro­gram­mier­werk­zeu­ge für ARMChip­sät­ze ko­or­di­niert vor­an­zu­trei­ben.

Ent­spre­chend op­ti­mis­tisch zeig­te sich jüngst auch Tu­dor Brown. Der Prä­si­dent von ARM nahm da­bei Be­zug auf ei­ne Stu­die von IDC: Die Markt­for­scher ge­hen da­von aus, dass bis 2014 welt­weit 3 Mrd. Ge­rä­te im Be­trieb sind, die auf das In­ter­net zu­grei­fen kön­nen (vgl. Ku­chen­gra­fik). Brown er­klär­te, in den meis­ten Ka­te­go­ri­en könn­ten ARM-Chips ei­nen Markt­an­teil von min­des­tens 50% er­rei­chen.

Die jüngs­ten Er­fol­ge von ARM Hol­dings ha­ben sich in deut­li­chen Kurs­a­van­cen nie­der­ge­schla­gen. Seit Jah­res­be­ginn ha­ben die Ak­ti­en über 50% zu­ge­legt. Mit ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) 2010 von 40 scheint das Kur­s­po­ten­zi­al aber lang­sam aus­ge­reizt zu sein. At­trak­ti­ver schei­nen da­für die Ti­tel von In­tel. Denn auch wenn der Chip­gi­gant im mo­bi­len Seg­ment auf er­bit­ter­ten Wi­der­stand stösst: Die un­be­strit­te­ne Markt­stel­lung bei PC-und Ser­ver­Chips macht ihn wei­ter­hin zur at­trak­ti­ven An­la­ge. Mit ei­nem KGV 2010 von 12 sind die Ti­tel noch nicht zu teu­er. Dank ei­ner Net­to­li­qui­di­tät von 14 Mrd.$ ist In­tel zu­dem bes­tens ka­pi­ta­li­siert.

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