Der Schul­denSa­mu­rai

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - FRI,

Wie ernst meint es Ja­pans neu­er Re­gie­rungs­chef Nao­to Kan mit dem Kampf ge­gen die Staats­schul­den? Nip­pons öf­fent­li­che Hand stand En­de März mit 882,9 Mrd. Yen (11 Bio. Fr.) und da­mit 185% der Wirt­schafts­leis­tung in der Krei­de, die Hälf­te des Staats­haus­halts wird auf Pump fi­nan­ziert. Seit der Eu­ro­kri­se mahnt das Aus­land im­mer lau­ter ein En­de der Ver­schul­dungs­spi­ra­le an, weil ein An­lei­hen­crash in Nip­pon die Welt­wirt­schaft schwer er­schüt­tern wür­de. «Mei­ne wich­tigs­te Auf­ga­be als Pre­mier­mi­nis­ter ist die Wie­der­her­stel­lung von Ja­pan», kün­dig­te Kan nach sei­ner Wahl et­was ne­bu­lös an. Zu­vor hat­te er vor zu ho­hen Er­war­tun­gen ge­warnt. Die fis­ka­li­sche Ge­sun­dung kön­ne nicht über Nacht ge­sche­hen, sag­te er, aber «ich will zu­min­dest den Trend kor­ri­gie­ren, dass die öf­fent­li­chen Schul­den end­los stei­gen».

Auf die­sen fis­ka­lisch kon­ser­va­ti­ven Weg hat der 63-Jäh­ri­ge erst ge­fun­den, nach­dem er im Ja­nu­ar Fi­nanz­mi­nis­ter ge­wor­den war. Frü­her woll­te Kan wie die meis­ten Po­li­ti­ker in Ja­pan die Kon­junk­tur am liebs­ten mit Staats­aus­ga­ben an­kur­beln, aber der Ab­sturz von Grie­chen­land hat ihm die Au­gen für die Ge­fah­ren ge­öff­net. Noch im Ju­ni will der neue Pre­mier­mi­nis­ter ei­ne Stra­te­gie für ein Wachs­tum von jähr­lich 3%, Eck­punk­te ei­ner Steu­er­re­form und Ziel­vor­ga­ben für den Schul­den­ab­bau ver­kün­den. We­ni­ger in das Bild passt, dass Kan die Po­li­tik sei­nes Vor­gän­gers Ha­toyama fort­set­zen will. Da­zu zäh­len auch hö­he­re So­zi­al­aus­ga­ben.

Der Phy­si­ker und Pa­tent­an­walt ver­steht zwar we­nig von Öko­no­mie. Aber im Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um lob­ten Be­am­te sei­ne Be­reit­schaft zum Zu­hö­ren und Ler­nen. Im Par­la­ment und in Sit­zun­gen nickt Kan ger­ne mal ein. Doch gilt der be­lieb­te Mit­grün­der der De­mo­kra­ti­schen Par­tei als mu­tig, re­spekt­los und zu­pa­ckend. Er be­für­wor­tet ei­nen schwa­chen Yen und ei­ne ul­tra­lo­cke­re Geld­po­li­tik. Des­we­gen gab die Va­lu­ta schon vor sei­ner Wahl nach. Meh­re­re Ban­ken emp­feh­len nun Ti­tel von ja­pa­ni­schen Au­to-und Elek­tro­nik­kon­zer­nen, weil ihr Um­satz und ihr Ge­winn durch ei­ne Yen-Ab­wer­tung zu­nimmt. Als Fi­nanz­mi­nis­ter dräng­te Kan die Bank von Ja­pan im­mer wie­der da­zu, mehr ge­gen die De­fla­ti­on zu un­ter­neh­men. Auch sein bis­he­ri­ger Vi­ze Yo­shi­hi­ko No­da, der neu­er Fi­nanz­mi­nis­ter wird, ver­folgt die­se Li­nie. Die Zin­sen dürf­ten da­her noch län­ger bei 0,1% blei­ben. Tokio

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