Der Geo­ther­mie­markt ist ei­ne heis­se Sa­che

Ba­rack Oba­ma setzt ver­stärkt auf al­ter­na­ti­ve Ener­gi­en – Geo­ther­mie könn­te da­von pro­fi­tie­ren

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - MI­SCHA STÜNZI

Un­ab­läs­sig spru­delt seit En­de April Öl in den Golf von Me­xi­ko. Nicht nur das Image der am Un­glück be­tei­lig­ten Ge­sell­schaf­ten BP, Tran­so­ce­an und Hal­li­bur­ton ist ram­po­niert. Die ge­sam­te Off­s­hore-Öl­in­dus­trie ist ins Kreuz­feu­er der Kri­tik ge­ra­ten. Be­reits hat Prä­si­dent Oba­ma neue Boh­run­gen vor der US-Küs­te auf Eis ge­legt. Er setzt sich noch stär­ker für al­ter­na­ti­ve Ener­gi­en ein. Sie könn­ten zum gros­sen Pro­fi­teur der Öl­ka­ta­stro­phe wer­den. Doch noch hat die Bör­se nicht dar­auf re­agiert.

Im Ge­gen­teil: Seit dem Un­ter­gang der Bohr­in­sel Deep­wa­ter Ho­ri­zon am 22. April hat der Re­ni­xx (Re­ne­wa­ble Ener­gy In­dus­tri­al In­dex) 12,5% – und da­mit mehr als der MSCI World – ver­lo­ren. Vor 2008 sah al­les noch ro­sig aus. Der In­dex klet­ter­te in schwin­del­er­re­gen­de Hö­hen. Dar­in sieht das Wirt­schafts­ma­ga­zin «Eco­no­mist» auch den Haupt­grund für die an­hal­ten­de Ab­wer­tung. Die Kor­rek­tur sei nach der Über­hit­zung nö­tig ge­we­sen – ins­be­son­de­re in So­lar-und Wind­ener­gie­ti­teln. Aus­ser­halb die­ser In­dus­tri­en ge­be es durch­aus Bran­chen mit gros­sem Po­ten­zi­al, meint Dan Es­ty, Pro­fes­sor für Um­welt­recht und -po­li­tik an der Uni­ver­si­tät Ya­le. Na­ment­lich Bio­treib­stof­fe und Geo­ther­mie be­zeich­net er als Wachs­tums­märk­te.

Güns­ti­ger als Kern­kraft

Die USA sind füh­rend in der Ener­gie­ge­win­nung aus Erd­wär­me und ver­fü­gen über ei­ne Ka­pa­zi­tät von 3093 Me­ga­watt (MW) (vgl. Gra­fik). Da­mit schöp­fen sie nur knapp 10% ih­res geo­ther­mi­schen Ener­gie­po­ten­zi­als aus. Doch 2008 wa­ren ge­mäss Geo­ther­mal Ener­gy As­so­cia­ti­on be­reits Kraft­wer­ke für wei­te­re 4000 MW in Pla­nung oder im Bau. Im nörd­li­chen Ka­li­for­ni­en liegt The Gey­sers, das gröss­te ge-

Bran­che mit Um­satz­wachs­tum nutz­te geo­ther­mi­sche Feld. 22 An­la­gen pro­du­zie­ren hier ge­nug Strom für ei­ne Stadt von der Grös­se San Fran­cis­cos.

Und das ge­mäss ei­ner Cre­dit-Suis­seStu­die zu ei­nem güns­ti­gen Preis. Die Bank er­rech­ne­te Pro­duk­ti­ons­kos­ten über die ge­sam­te Le­bens­dau­er von 3,6 Cent pro Ki­lo­watt­stun­de (kWh). Da­mit ist Geo­ther­mie güns­ti­ger als Koh­le (5,5 Cent/kWh) und Kern­kraft (6,2 Cent/kWh). Die Ana­lys­ten be­rück­sich­ti­gen da­bei auch die Steu­er­gut­schrift von 1,9 Cent/kWh zu­guns­ten nach­hal­ti­ger Ener­gi­en. Die­se Staats­hil­fe läuft noch bis En­de 2013. Die Be­rech­nung der CS ver­nach­läs­sigt, dass es im ak­tu­el­len Markt­um­feld schwie­rig ist, Ri­si­ko­ka­pi­tal für den Bau neu­er An­la­gen zu er­hal­ten. Die Zin­sen sind ent­spre­chend hoch, was den ka­pi­tal­in­ten­si­ven Bau von Erd­wär­me­kraft­wer­ken er­schwert. Setzt Ba­rack Oba­ma sei­nen Plan um, 9 Mrd. $ als Ga­ran­ti­en für Kre­di­te be­reit­zu­stel­len, wird das die Si­tua­ti­on ent­schär­fen.

Doch auch die Geo­ther­mie hat ih­re ne­ga­ti­ven Sei­ten: Ähn­lich wie beim Öl müs­sen die nutz­ba­ren Fel­der ge­sucht wer­den. 80% die­ser Stät­ten lie­gen un­ent­deckt vor al­lem in den west­li­chen Bun­des­staa­ten. Mit teu­ren Son­dier­boh­run­gen sol­len die ver­steck­ten Ener­gie­schät­ze lo­ka­li­siert wer­den. Im Zu­ge sol­cher Boh­run­gen ist es in der Ver­gan­gen­heit im­mer wie­der zu Erd­be­ben ge­kom­men. Pro­mi­nen­tes Bei­spiel sind die Erd­stös­se im Raum Ba­sel.

Lang­fris­tig ori­en­tier­ten An­le­gern bie­tet der Wachs­tums­markt in­ter­es­san­te Mög- lich­kei­ten. Auf der ei­nen Sei­te kön­nen Ti­tel von Ver­sor­gern, die un­ter an­de­rem auf Geo­ther­mie set­zen, ge­kauft wer­den. Zwei Ge­sell­schaf­ten ste­hen hier im Fo­kus: PG&E (Pa­ci­fic Gas & Electri­ci­ty) und Cal­pi­ne, der welt­gröss­te Pro­du­zent geo­ther­mi­scher Ener­gie. Der Bran­chen­lea­der ar­bei­te­te bis 2008 un­ter Ch­ap­ter 11 (Re­struk­tu­rie­rung un­ter Gläu­bi­ger­schutz) und steht auch heu­te noch auf wa­cke­li­gen Bei­nen. Im Ge­gen­satz zu PG&E er­wirt­schaf­te­te Cal­pi­ne im ers­ten Quar­tal 2010 ei­nen Ver­lust. Un­ter die­sen Um­stän­den ist PG&E zu be­vor­zu­gen.

Markt ab­hän­gig von Po­li­tik

Auf der an­de­ren, deut­lich spe­ku­la­ti­ve­ren Sei­te gibt es Un­ter­neh­men, die sich ex­pli­zit auf die Geo­ther­mie spe­zia­li­siert ha­ben. Füh­rend sind hier US Geo­ther­mal, Ra­ser Tech­no­lo­gies und Or­mat, die ein­zi­ge in­te­grier­te Ge­sell­schaft, die von der Her­stel­lung bis zum Un­ter­halt und zum Be­trieb des Kraft­werks al­le Leis­tun­gen an­bie­tet. Die drei Un­ter­neh­men ha­ben 2010 Pro­jek­te mit gu­ten Aus­sich­ten lan­ciert.

Bei al­lem Po­ten­zi­al, das dem Geo­ther­mie­markt zu­zu­schrei­ben ist, wird er heu­te im­mer noch zu ei­nem gros­sen Teil von der Po­li­tik und we­ni­ger von den Fun­da­men­tal­da­ten ge­steu­ert. Des­halb gilt: Je län­ger noch Öl in den Golf von Me­xi­ko fliesst, des­to bes­ser ste­hen die Chan­cen, dass die Geo­ther­mie auch für In­ves­to­ren zu ei­ner heis­sen Sa­che wird.

Der Him­mel über dem Geo­ther­mie­markt ist nicht ganz wol­ken­los. Im Bild ein geo­ther­mi­sches Feld nörd­lich von San Fran­cis­co.

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