Qan­tas ist zu­ver­sicht­lich

Air­linechef Alan Joy­ce hält das Schlimms­te für über­wun­den

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - URS WÄL­TER­LIN,

Vir­gin Blue scho­ckier­te

Der Chef der gröss­ten aus­tra­li­schen Flug­ge­sell­schaft, Qan­tas Air­ways, sieht po­si­tiv in die Zu­kunft. Im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft» er­klär­te Alan Joy­ce, das Schick­sal ha­be «die Flug­in­dus­trie in den letz­ten Mo­na­ten und Jah­ren mit so ziem­lich al­lem be­straft, mit dem man sie be­stra­fen kann: ei­ner Fi­nanz­kri­se, Epi­de­mi­en und so­gar ei­nem Vul­kan­aus­bruch». Wie die meis­ten in­ter­na­tio­na­len Air­lines litt auch Qan­tas un­ter ei­nem dra­ma­ti­schen Rück­gang der Pas­sa­gier­zah­len. Die­se Ent­wick­lung schlug sich im letz­ten Fi­nanz­jahr in ei­nem Ge­winn­rück­gang um 88% auf 123 Mio. aus­tr. $ nie­der.

Doch Joy­ce glaubt, dass zu­min­dest sein Un­ter­neh­men das Schlimms­te über­wun­den hat. Und zwar in ver­gleichs­wei­se gu­ter Ver­fas­sung: Als ei­ne von nur zwei Flug­ge­sell­schaf­ten welt­weit ha­be Qan­tas noch An­la­ge­qua­li­tät (In­vest­ment Gra­de). «Wir ha­ben früh­zei­tig be­gon­nen, uns mit ei­ner Be­schrän­kung der Sitz­ka­pa­zi­tä­ten und mit der Eva­lu­ie­rung un­se­res Stre­cken­an­ge­bots den ver­än­der­ten Markt­be­din­gun­gen an­zu­pas­sen», er­läu­ter­te Joy­ce. Zu­dem sei die Qan­tas-Grup­pe im ge­sam­ten Markt­spek­trum prä­sent: über die Haupt­mar­ke im ren­ta­blen Bu­si­ness-Sek­tor und über die Toch­ter­ge­sell­schaft Jet­star im Dis­count-und Fe­ri­en­flie­ger­markt. «Die­se Di­ver­si­fi­zie­rung hat uns ei­ne in der Avia­tik­in­dus­trie ein­zig­ar­ti­ge Sta­bi­li­tät ge­ge­ben», sag­te der Qan­tas-Chef. Die über neun­zig von Qan­tas be­stell­ten Flug­zeu­ge – dar­un­ter zwan­zig Ma­schi­nen vom Typ Air­bus A380 – sol­len in den kom­men­den Jah­ren ge­lie­fert wer­den, wenn auch zum Teil mit Ver­zö­ge­rung. Man wer­de sich ge­mäss Joy­ce in der Aus­stat­tung aber auf grösst­mög­li­che Fle­xi­bi­li­tät kon­zen­trie­ren: «Al­le un­se­re Ma­schi­nen müs­sen so­wohl in der Qan­tas-Flot­te ein­ge­setzt wer­den kön­nen als auch bei Jet­star.» Für Joy­ce ist aber klar: Qan­tas soll kein Bil­lig­flie­ger wer­den. «Die Pre­mi­um-Klas­se ist mit dem Ab­flau­en der Fi­nanz­kri­se wie­der am Ab­he­ben.» Wer glau­be, dass es für Bu­si­nes­sund Ers­te-Klas­se-Sit­ze kei­ne Ab­neh­mer mehr ge­be, un­ter­lie­ge ei­nem Trug­schluss: «Wir spü­ren im Hoch­preis­sek­tor ein­deu­tig ei­ne Re­nais­sance.»

We­sent­lich we­ni­ger op­ti­mis­tisch blickt Vir­gin Blue in die Zu­kunft, im In­land­markt die gröss­te Kon­kur­renz von Qan­tas und Jet­star. Die Fir­ma scho­ckier­te En­de Mai die Märk­te, als sie vor der Ge­fahr ei­nes Ge­winn­rück­gangs von 75% auf zwi­schen 20 und 40 Mio. aus­tr. $ warn­te. Der Grund sei ein ra­pi­der Zer­fall der Nach­fra­ge im Markt der Fe­ri­en-und Frei­zeit­flie­gen­den. Der Car­ri­er er­zielt den gröss­ten Teil des Um­sat­zes im In­land­ge­schäft und hat­te mit­ten in der Fi­nanz­kri­se die Aus­wei­tung sei­ner Di­ens­te in die USA lan- ciert. Ana­lys­ten glau­ben, der vor kur­zem er­nann­te CEO John Bor­ghet­ti wer­de das ge­sam­te Stre­cken­netz und An­ge­bot über­ar­bei­ten. In Bor­ghet­ti er­hält Qan­tas Air­ways ei­nen po­ten­ten Ge­gen­spie­ler. Der Ma­na­ger war als Er­satz für den frü­he­ren Qan­tas-CEO Ge­off Di­xon im Ge­spräch, als ihm der Ire Alan Joy­ce vor die Na­se ge­setzt wur­de. Dass die Ge­winn­rück­stu­fung nur we­ni­ge Ta­ge nach dem Ar­beits­be­ginn Bor­ghet­tis pu­blik wur­de, macht Be­ob­ach­ter wie Ben Pot­ter von IG Mar­kets stut­zig: «Wir fra­gen uns, ob er da­mit nicht ein­fach rei­nen Tisch macht, um sei­ne Füh­rung oh­ne Alt­las­ten be­gin­nen zu kön­nen.»

Trotz der schein­bar schlech­ten Pro­gno­sen hat die Rück­stu­fung nur zu we­ni­gen Emp­feh­lun­gen von Bro­kern ge­führt, die Vir­gin-Blue-Ti­tel zu ver­kau­fen. Die Pa­pie­re von Qan­tas Air­ways leg­ten nach den zeit­wei­se star­ken Ver­lus­ten der letz­ten Mo­na­te jüngst wie­der zu.

Air NZ er­höht Ka­pa­zi­tä­ten

Auch die neu­see­län­di­sche Flug­li­nie Air New Ze­a­land sieht Licht am En­de des Tun­nels. Wie der stell­ver­tre­ten­de CEO Norm Thomp­son ge­gen­über «Fi­nanz und Wirt­schaft» er­klär­te, soll mit Be­ginn des Win­ter­flug­plans in der nörd­li­chen He­mi­sphä­re das An­ge­bot auf in­ter­na­tio­na­len Stre­cken um 4,9% aus­ge­baut wer­den, im In­land­markt um 3,8%. «Wir se­hen ein lang­sa­mes, aber kla­res Zei­chen der Er­ho­lung im Luft­ver­kehr», er­klär­te der Ma­na­ger. Die Zu­wachs­zah­len im lau­fen­den Jahr sei­en im Ver­gleich zu 2009 er­freu­lich, sie lä­gen aber noch im­mer 13% un­ter den Wer­ten von 2008. Von No­vem­ber 2010 bis März 2011 wer­de die Sitz­ka­pa­zi­tät auf Flü­gen in die USA und nach Ka­na­da an­ge­ho­ben. Die Ver­füg­bar­keit auf der Langstre­cke zwi­schen Neu­see­land und Gross­bri­tan­ni­en und auf der Rou­te nach Chi­na blei­be un­ver­än­dert. Frü­her ein Staats­kon­zern, ging Air New Ze­a­land 2001 nach ei­ner kur­zen Pha­se als Pri­vat­un­ter­neh­men und dem Fast-Bank­rott in den Mehr­heits­be­sitz der Re­gie­rung zu­rück. Wel­ling­ton kon­trol­liert heu­te 76,5% der Flug­li­nie.

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