Man­che mö­gen’s heiss

FAHR­BE­RICHT Der Opel In­si­gnia OPC ist der bis­her stärks­te Se­ri­en­wa­gen der Mar­ke – Tur­bo­mo­tor, ad­ap­ti­ves Fahr­werk und All­rad­an­trieb – Ab 64 400 Fr.

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Un­ter dem Kür­zel OPC – Opel Per­for­mance Cen­ter – bie­tet der deut­sche Her­stel­ler seit 1999 be­son­ders sport­li­che Ver­sio­nen von ver­schie­de­nen Mo­del­len an. Sie wer­den in der Schweiz sehr ger­ne ge­kauft: 7% al­ler Ver­käu­fe fal­len ak­tu­ell auf die Po­wer­ver­sio­nen, ob­wohl nur vier Mo­del­le als OPC an­ge­bo­ten wer­den.

Da liegt es na­he, dass Opel – trotz des wach­sen­den Um­welt­be­wusst­seins der Kund­schaft – auch die Mit­tel­klas­se­li­mou­si­ne In­si­gnia als OPC-Ver­si­on an­bie­tet. Und die hat es in sich: Mit ei­ner Leis­tung von 239 kW/325 PS ist der In­si­gnia OPC der bis­her stärks­te Se­ri­en­wa­gen des deut­schen Her­stel­lers. Dass die­ses Mo­dell weit mehr bie­tet als nur Leis­tung, zeig­te un­ser Fahr­test.

Reich­hal­ti­ge Aus­stat­tung

Wer auf de­zent ver­pack­te Sport­lich­keit steht, wer auf Un­der­state­ment Wert legt, wird vom mus­ku­lö­sen Auf­tritt des In­si­gnia OPC nicht an­ge­tan sein – al­le an­de­ren da­für um­so mehr. Er stellt sei­ne Kraft näm­lich un­ge­niert zur Schau. Gros­se, chro­m­um­ran­de­te Luft­ein­läs­se und Kie­men in der bul­li­gen Front­schür­ze, breit aus­ge­stell­te Rad­häu­ser, rie­si­ge Rä­der, tie­fer­ge­leg­tes Fahr­werk, in die Heck­schür­ze in­te­grier­te Aus­puf­fen­d­roh­re, Spoi­ler­lip­pen: Die­ses Fahr­zeug könn­te man mit gu­tem Ge­wis­sen an ei­ner Tu­ningmes­se aus­stel­len. Ob prot­zig oder nicht, letzt­lich wirkt das Er­schei­nungs­bild stim­mig und sorgt auf der Stras­se für Auf­se­hen. Wir fuh­ren die Ver­si­on mit Stu­fen­heck; wie die an­de­ren In­si­gnia-Ver­sio­nen ist auch der OPC als Stu­fen-oder Fliess­heck­li­mou­si­ne so­wie als Kom­bi er­hält­lich.

Im In­nen­raum fal­len als Ers­tes die Scha­len­sit­ze von Re­ca­ro auf, de­ren gros­se Sei­ten­wan­gen per­fekt stüt­zen und die auch auf län­ge­ren Fahr­ten be­quem sind. Das un­ten ab­ge­flach­te Sport­lenk­rad ist grif­fig, auch der Kn­auf der Sechs­gang­schal­tung liegt satt in der Hand. Ei­ne spe­zi­el­le In­stru­men­ten­gra­fik so­wie di­ver­se Zier­leis­ten un­ter­schei­den den OPC-In­nen­raum von den an­de­ren Ver­sio­nen.

Un­mit­tel­bar nach der Zün­dung be­geis­tert der Sechs­zy­lin­der mit sei­nem so­no­ren, kraft­vol­len Klang. Der 2,8-l-V6-Tur­boBen­zi­ner mag es denn auch, wenn man ihn dre­hen lässt: Die ma­xi­ma­le Leis­tung von 239 kW/325 PS und das ma­xi­ma­le Dreh­mo­ment von 435 Nm ste­hen bei­de bei 5250U/min an. Doch auch un­ter­halb die­ser Dreh­zahl stellt der V6 reich­lich Kraft zur Ver­fü­gung; le­dig­lich un­ter­halb von 1500 Tou­ren ist das ty­pi­sche «Tur­bo­loch» spür­bar. In 6s spur­tet der OPC von 0 auf 100 km/h, die Höchst­ge­schwin­dig­keit wur­de auf 250 km/h be­grenzt.

Über das ex­akt ab­ge­stimm­te Sechs­gang­ge­trie­be las­sen sich die Gän­ge re­gel­recht hin­ein­knal­len, das Gas­pe­dal nimmt wil­lig Be­feh­le ent­ge­gen, die Brem­sen von Spe­zia­list Brem­bo ver­zö­gern ra­di­kal und kom­pro­miss­los. Für ei­ne be­son­ders sport­li­che Fahr­wei­se steht zu­sätz­lich zu den her­kömm­li­chen Fahr­pro­gram­men «Stan­dard» und «Sport» ein OPC-Mo­dus zur Ver­fü­gung: Dann ist die Len­kung di­rek­ter, das Fahr­werk straf­fer, und der Mo­tor hängt noch gie­ri­ger am Gas. Zu­sätz­lich leuch­ten die In­stru­men­te rot auf, als woll­ten sie den Fah­rer war­nen: Ach­tung, die­ser Mo­dus kann süch­tig ma­chen. Tat­säch­lich er­tapp­te ich mich im­mer wie­der da­bei, auch im nor­ma­len Fahr­be­trieb die­se Tas­te zu drü­cken, nur um dem noch schö­ne­ren Mo­to­ren­klang lau­schen zu kön­nen. Dies zieht na­tür­lich ei­nen hö­he­ren Ver­brauch nach sich: Wir er­mit­tel­ten 13,5 l/100 km, was 2,1 l über dem vom Werk an­ge­ge­be­nen Durch­schnitts­ver­brauch liegt.

Ta­del­lo­ses Fahr­ver­hal­ten

Auf ei­ner kur­vi­gen Land­stras­se zeigt der In­si­gnia OPC sein wah­res Ta­lent. Er liebt Kur­ven – und der Fah­rer des­halb bald das Fahr­zeug. Es macht un­heim­lich Spass, mit dem der­zeit stärks­ten Se­ri­en-Opel über Päs­se zu fah­ren, sei­ne Lenk­prä­zi­si­on und sei­ne Spurt­stär­ke voll aus­zu­kos­ten und sich da­bei auf sei­ne Gut­mü­tig­keit ver­las­sen zu kön­nen. Der se­ri­en­mäs­si­ge All­rad­an­trieb mit Sport­dif­fe­ren­zi­al wur­de heck­be­tont ab­ge­stimmt, an der Vor­der­ach­se sor­gen so­ge­nann­te HiPerS­t­rut-Fe­der­bei­ne, ei­ne Wei­ter­ent­wick­lung der McPher­son-Kon­struk­ti­on, da­für, dass die Len­kung mög­lichst von An­triebs­ein­flüs­sen be­freit wird, was die Trak­ti­on und das Lenk­ge­fühl wei­ter ver­bes­sert.

Der Opel In­si­gnia OPC bie­tet sport­lich ori­en­tier­ten Au­to­fah­rern viel für ver­gleichs­wei­se we­nig Geld. Die von uns ge­fah­re­ne Stu­fen­heck­li­mou­si­ne kos­tet ab 64 400 Fr. – mit ei­ner voll­wer­ti­gen Se­ri­en­aus­stat­tung no­ta­be­ne.

Kur­ven­künst­ler: Der Opel In­si­gnia OPC bie­tet nicht nur Leis­tung, son­dern auch die da­für er­for­der­li­che Kon­trol­le.

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