War­hol in den Fuss­stap­fen Pi­cas­sos

Auk­tio­nen für Ge­gen­warts­kunst in New York – Wert­be­rich­ti­gung der Avant­gar­de – Zeit­ge­nös­si­sches De­sign ist be­gehrt

Finanz und Wirtschaft - - KUNSTMARKT - CHRIS­TI­AN VON FA­BER- CA­S­TELL

Von den nack­ten Um­satz­zah­len her be­le­gen die von Chris­tie’s, Sothe­by’s und Phil­lips de Pu­ry & Com­pa­ny vom 11. bis 13. Mai in New York ab­ge­hal­te­nen Auk­tio­nen für Ge­gen­warts­kunst ei­ne ähn­lich ein­drucks­vol­le Markt­er­ho­lung wie ei­ne Wo­che zu­vor die Abend­ver­stei­ge­run­gen im­pres­sio­nis­ti­scher und mo­der­ner Kunst. Ge­gen­über dem mas­siv ein­ge­bro­che­nen To­tal im letz­ten Jahr von 149 Mio. $ für 96 ver­kauf­te Lo­se setz­ten die drei Häu­ser dies­mal mit 182 Ob­jek­ten für 459 Mio. $ fast drei­mal so­viel um.

Klas­si­ker der Zeit­ge­nos­sen

Den­noch gibt es Un­ter­schie­de in der Ent­wick­lung die­ser bei­den vo­lu­men­mäs­sig wich­tigs­ten Be­rei­che des in­ter­na­tio­na­len Kun­st­auk­ti­ons­mark­tes. Chris­tie’s’ und Sothe­by’s’ Abend­auk­tio­nen der Im­pres­sio­nis­ten und der klas­si­schen Mo­der­ne ha­ben mit 531,2 Mio. $ ein Re­kord­vo­lu­men ge­lie­fert – und da­ne­ben mit 106,5 Mio. $ für Pi­cas­sos «Nu­de, Gre­en Lea­ves, and Bust» von 1932 auch gleich noch ei­nen Auk­ti­ons­re­kord­preis für ir­gend­ein Kunst­werk. Da­ge­gen liegt das Auk­ti­ons­vo­lu­men der Zeit­ge­nos­sen von Chris­tie’s, Sothe­by’s und Phil­lips mit 459 Mio. $ für 182 ver­kauf­te Lo­se aber im­mer noch weit un­ter dem Re­kord­vo­lu­men von 770 Mio. $, das die drei Häu­ser im Mai 2008 für die glei­che An­zahl ver­kauf­ter Lo­se er­zielt hat­ten.

Chris­tie’s ver­kauf­te am 11. Mai 74 Wer­ke mit ei­nem To­tal von 232 Mio. $. Jas­per Johns Flag­gen­bild «Flag» (En­caus­ti­kMa­le­rei und Col­la­ge auf Pa­pier auf Lein­wand, si­gniert und da­tiert, 44,5×67,9 cm) aus den Jah­ren 1960 bis 1966 er­ziel­te mit 28,6 Mio. $ den höchs­ten Preis und zu­gleich ei­nen neu­en Künst­ler­re­kord.

Sothe­by’s ver­kauf­te am nächs­ten Abend 50 Wer­ke für 190 Mio. $. Da­von ent­fal­len al­lein 32,6 Mio. $ oder ein Sechs­tel auf An­dy War­hols blau­vio­let­tes «Self­por­trait» (Acryl und Sieb­druck­far­be auf Lein­wand, 274,3×274,3 cm) von 1986 als teu­ers­tes Werk, ge­folgt von ei­ner un­be­ti­tel­ten rost­ro­ten Farb­kom­po­si­ti­on von Mark Roth­ko (Öl auf Lein­wand, si­gniert und da­tiert, 236,5×203,5 cm) aus dem Jahr 1961, die für 31,4 Mio. $ den Be­sit­zer wech­sel­te.

Dass an solch aus­ge­wähl­ten Avant­gar­de­klas­si­kern nach wie vor gut zu ver­die­nen ist, zeigt der Um­stand, dass die­ses Werk seit sei­ner letz­ten Ver­stei­ge­rung für 1,9 Mio. $ im No­vem­ber 1997 ei­ne jähr­li­che Wert­stei­ge­rung um 24% p. a. er­fah­ren hat. Al­ler­dings kön­nen sich auch die­se Höchst­prei­se noch nicht mit de­nen des Re­kord­jah­res 2008 mes­sen: Da­mals hat­te Chris­tie’s für Roth­kos son­nen­un­ter­gangs­far­be­ne Farb­abs­trak­ti­on «No. 15» (Öl auf Lein­wand, si­gniert und da­tiert, 233,3×203,2 cm) von 1952 be­reits 50,4 Mio. $. er­zielt, was ei­nem jähr­li­chen Wert­zu­wachs von 18,4% ge­gen­über den 11 Mio. $ ent­spricht, die die­ses Werk im No­vem­ber 1999 ge­kos­tet hat­te. Und in der an­schlies­sen­den Sothe­by’s-Auk­ti­on war Fran­cis Ba­cons 1976 ge­mal­tes «Tri­ptych» (Öl und Misch­tech­nik auf Lein­wand, si­gniert und da­tiert, 198×442,5 cm) gar auf 86,3 Mio. $ ge­klet­tert. Der­ar­ti­ge Grös­sen­ord­nun­gen wa­ren dies­mal den Im­pres­sio­nis­ten und der klas­si­schen Mo­der­ne vor­be­hal­ten.

Tro­phä­en­künst­ler

Der­zeit scheint sich die fi­nanz­stärks­te Tro­phä­en­kund­schaft je­den­falls eher auf Blue Chips ein­zu­las­sen denn auf Show­kunst à la Da­mi­en Hirst und Jeff Koons. Al­ler­dings tau­chen de­ren einst teu­ers­te Wer­ke zur- zeit auch gar nicht auf dem Markt auf. Auf­fäl­lig ist in die­sem Zu­sam­men­hang der pro­mi­nen­te Auf­tritt An­dy War­hols, der un­ter den je­weils zehn teu­ers­ten Lo­sen der Chris­tie’s-und der Sothe­by’s-Auk­ti­on mit ins­ge­samt vier Ar­bei­ten im Ge­samt­wert von 64,2 Mio. $ ver­tre­ten ist. Von sei­ner Po­pu­la­ri­tät, sei­ner spon­ta­nen Wie­der­er­kenn­bar­keit und sei­ner Markt­ver­füg­bar­keit her könn­te die­ser Künst­ler der­einst so­gar Pa­blo Pi­cas­so als meist­be­gehr­ten Tro­phä­en­künst­ler ab­lö­sen.

Ein et­was an­de­res Bild ver­mit­telt die Abend­auk­ti­on zeit­ge­nös­si­scher Kunst, die Phil­lips de Pu­ry & Com­pa­ny am 13. Mai in New York ab­hielt. Zwar wur­de auch ih­re Preis­rang­lis­te von Ar­bei­ten so­li­de eta­blier­ter Künst­ler wie Richard Prin­ce, Ed Ru­scha, Je­an-Mi­chel Bas­qui­at, Da­mi­en Hirst, Jeff Koons und Ta­ka­shi Mu­ra­ka­mi an­ge­führt. Nicht we­ni­ge die­ser Wer­ke muss­ten aber na­he ih­rem un­te­ren Schätz­preis oder so­gar dar­un­ter ab­ge­ge­ben wer­den, was auf ei­ne teil­wei­se Kor­rek­tur all­zu schnell und un­dif­fe­ren­ziert ge­stie­ge­ner Prei­se ein­zel­ner Avant­gar­de­künst­ler hin­deu­tet.

Dies gilt ins­be­son­de­re für un­ter­halb der Tro­phä­en­klas­se an­ge­sie­del­te Ar­bei­ten ak­tu­el­ler Markt­stars wie Da­mi­en Hirst und Jeff Koons. So wur­de et­wa das aus ei­ner Zweieredi­ti­on von Jeff Koons aus dem Jahr 1986 stam­men­de pla­kat­ähn­li­che Bild «Stay in To­night» (fett­hal­ti­ge Tin­te auf Lein­wand, 175,3×121,9 cm) mit 698500$ knapp un­ter sei­ner tie­fe­ren Ta­xe ver­kauft. Der Preis von 782500$ für ei­ne gros­se un­be­ti­tel­te Lack­far­ben­ma­le­rei von Da­mi­en Hirst in Form ei­nes ro­sa Her­zens mit auf­ge­kleb­ten Schmet­ter­lin­gen (215,3×215,3 cm) aus dem Jahr 2002 ent­spricht so­gar ei­nem deut­lich un­ter der Schät­zung lie­gen­den Ham­mer­preis.

Selbst An­dy War­hol blieb von sol­chen Wert­ver­schie­bun­gen nicht ver­schont. So klet­ter­te sei­ne 1964 ge­mal­te «Bril­lo Soap Pad Box» (Sieb­druck­far­be und Mal­er­far­be auf Sperr­holz, Echt­heits­stem­pel, 43,2×43,2 ×35,6 cm) un­ter glat­ter Ver­dop­pe­lung der tie­fe­ren Schät­zung auf 638 500 $. Nur fünf Lo­se spä­ter er­reich­te da­ge­gen sein Ja­mesDe­an-Bild­nis «Ads Pain­ting – Re­bel Wi­thout a Cau­se» (Acryl und Sieb­druck­far­be auf Lein­wand, si­gniert und da­tiert, 55,9× 55,9 cm) von 1985 selbst ein­schliess­lich Käu­fer­auf­geld mit 602 500 $ noch nicht ein­mal die un­te­re Schät­zung.

Gut oder knapp zum Schätz­preis ver­kauf­ten sich die zwei teu­ers­ten Lo­se an die­ser Auk­ti­on. Richard Prin­ces «Nur­se in Hol­ly­wood, #4» von 2004 (Acryl und Ink­jet­druck auf Lein­wand, si­gniert und da­tiert, 175,3×106,7 cm, Schätz­preis: 5 bis 7 Mio. $) wur­de zu 6,5 Mio. $ zu­ge­schla­gen. Ed Ru­schas «An­gry be­cau­se It’s Plas­ter, Not Milk» von 1965 (Öl auf Lein­wand, si­gniert und da­tiert, 139,7×121,9 cm) fand mit 3,2 Mio. $ ei­nen Käu­fer über dem obe­ren Schätz­preis von 3 Mio. $.

Pro­to­typ von New­son

Ei­ne mög­li­cher­wei­se zu­kunfts­wei­sen­de Ent­wick­lungs­rich­tung des Kunst­mark­tes of­fen­bar­te je­doch ein ganz an­de­rer Aspekt. Ein Pro­to­typ von Marc New­sons be­rühm­tem Alu­mi­ni­um-De­si­gner­mö­bel «Lock­heed Lounge» er­ziel­te näm­lich mit 2,1 Mio. $ den dritt­höchs­ten Preis die­ser Phil­lips-Ver­stei­ge­rung.

Die Ver­bin­dung ver­wand­ter Kunst­markt­spe­zia­li­tä­ten – der Avant­gar­de­kunst und des zeit­ge­nös­si­schen De­signs – ent­spricht dem Kauf­ver­hal­ten pri­va­ter Käu­fer näm­lich weit bes­ser als das ge­läu­fi­ge Kon­zept eng spe­zia­li­sier­ter The­men­auk­tio­nen, das viel mehr auf die Be­dürf­nis­se pro­fes­sio­nel­ler Käu­fer ab­ge­stimmt ist. grie­chisch, Cen­tu­ri­pe, 2. Jh. v. Chr., Hö­he: 58 cm, aus al­ter Gen­fer Samm­lung, Preis: 45 000 € (Ga­le­rie Pu­h­ze, an der Baaf )

An­dy War­hol, «Self­por­trait», 1986, Acryl, Sieb­druck­far­be auf Lein­wand, 274,3×274,3 cm, Schätz­preis: 10 bis 15 Mio. $, Zu­schlags­preis: 32,6 Mio. $ (Sothe­by’s, New York, 12. Mai)

Ter­ra­kot­ta­sta­tu­et­te der Aphro­di­te, gross-

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