Re­pu­ta­ti­on und Trans­pa­renz

Schwei­zer De­ri­vat­bran­che: Bes­se­re Kun­den­ori­en­tie­rung und In­for­ma­ti­on als Kon­se­quenz der Fi­nanz­kri­se – Han­dels­vo­lu­men steigt

Finanz und Wirtschaft - - FONDS - JAN SCHOCH

An der Bör­se Scoach hat der Um­satz mit struk­tu­rier­ten Pro­duk­ten im ers­ten Quar­tal kräf­tig an­ge­zo­gen: Der Zu­wachs von De­zem­ber bis März be­trug mehr als ein Drit­tel, in Ren­di­te­opti­mie­rungs­pro­duk­ten wa­ren es so­gar fast zwei Drit­tel. Nach ei­nem schwa­chen, von den Aus­läu­fern der Kri­se ge­präg­ten Jahr 2009 darf dies als deut­li­ches Zei­chen da­für ge­wer­tet wer­den, dass die In­ves­to­ren Ver­trau­en zu­rück­ge­won­nen und die Be­deu­tung von de­ri­va­ti­ven In­stru­men­ten für das Ri­si­ko­ma­nage­ment und die Ren­di­te­opti­mie­rung wie­der er­kannt ha­ben.

Die An­bie­ter­sei­te ist nicht un­tä­tig ge­blie­ben, sie wird aber auch in Zu­kunft lau­fend be­wei­sen müs­sen, dass sie ih­rer Ver­ant­wor­tung ge­gen­über den An­le­gern ge­recht wer­den kann.

Markt­an­teil nimmt zu

Aus heu­ti­ger Sicht gibt es kei­nen Grund, war­um der An­teil an ver­brief­ten De­ri­va­ten in Schwei­zer Port­fo­li­os nicht wei­ter­hin stei­gen soll­te. Denn es gibt kaum an­de­re An­la­gen, die in je­dem Markt­sze­na­rio sinn­voll ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Vor­aus­ge­setzt, die Bran­che geht den Weg wei­ter, den sie nach der Kri­se ein­ge­schla­gen hat, ist es durch­aus rea­lis­tisch, dass bis 2015 der An­teil von struk­tu­rier­ten Pro­duk­ten in Schwei­zer Port­fo­li­os von heu­te rund 6% die Hür­de von 10% knackt.

Die An­for­de­run­gen sind viel­fäl­tig und zahl­reich, und kei­ner der Ak­teu­re – Emit­ten­ten, Bank­be­ra­ter und An­le­ger – kommt dar­um her­um, sei­ne Haus­auf­ga­ben gründ­lich zu ma­chen. Die Nach­fra­ge wird nur dann nach­hal­tig wach­sen, wenn de­ri­va­ti­ve In­stru­men­te ers­tens ei­nen ech­ten Mehr­wert lie­fern, d. h., die Ren­di­te des Port­fo­li­os er­hö­hen, zwei­tens ho­he Si­cher­heit im Be­zug auf das Aus­fall­ri­si­ko des Emit­ten­ten bie­ten (z. B. durch Pfand­be­si­che­rung, gu­te Di­ver­si­fi­zie­rung), drit­tens nied­ri­ge Kos­ten ver­ur­sa­chen und schliess­lich vier­tens hoch li­qui­de blei­ben.

Mit der Wahl ei­nes ko­tier­ten pfand­be­si­cher­ten Zer­ti­fi­kats sind vie­le die­ser Punk­te be­reits er­füllt. Die für den An­le­ger pas­sen­de Struk­tur aus­zu­wäh­len und über Sinn und Nut­zen ei­nes be­stimm­ten Pro­duk­tes zu ent­schei­den, er­for­dert je­doch viel Fach­wis­sen auf­sei­ten des Port­fo­lio­ma­na­gers resp. Bank­be­ra­ters so­wie ei­ne ein­ge­hen­de Ana­ly­se der Si­tua­ti­on und des Port­fo­li­os des An­le­gers. Sie soll­ten al­le Mög­lich­kei­ten ken­nen, die De­ri­va­te für Zie­le wie Ka­pi­tal­er­halt, Ab­si­che­rung oder Ren­di­te­opti­mie­rung bie­ten, und ih­re Ri­si­ken ver­ste­hen.

Druck auf die Emit­ten­ten

Spä­tes­tens seit der Fi­nanz­kri­se be­steht ein ho­her Druck auf die Bran­che, ih­rer Ver­ant­wor­tung nach­zu­kom­men und die An­le­ger ver­ständ­lich und um­fas­send zu in­for­mie­ren. Chan­cen und Ri­si­ken wer­den aus- führ­li­cher the­ma­ti­siert, und vor al­lem die Be­treu­ung der In­ves­to­ren nach dem Ver­kauf bzw. Kauf der Pro­duk­te hat ei­ne deut­li­che Wand­lung zum Bes­se­ren er­fah­ren. Zwei gu­te Bei­spie­le da­für sind Ri­si­ko­kenn­zah­len für al­le Struk­tu­ren, die vie­le Emit­ten­ten auf der In­ter­net-Sei­te ver­öf­fent­li­chen, so­wie ein re­gel­mäs­si­ges Re­porting über be­ste­hen­de Pro­duk­te. Dass die Schwei­zer De­ri­vat­bran­che auch die­se Her­aus­for­de­rung schnell an­ge­nom­men hat und nach dem Kon­kurs von Leh­man Bro­thers mit Ant­wor­ten auf­war­ten konn­te, über­rascht nicht so sehr, denn seit ih­ren Kin­der­schu­hen in den Acht­zi­ger­jah­ren hat sie sich be­reits vie­le Ma­le neu er­fun­den (vgl. Text­kas­ten).

Nach er­folg­rei­chen Jah­ren folg­te im Sep­tem­ber 2008 mit Leh­man der gros­se Schock: Tau­sen­de In­sti­tu­tio­nen und Pri­vat­in­ves­to­ren ver­lo­ren zum Teil ein er­heb- li­ches Ver­mö­gen. War das Emit­ten­ten­ri­si­ko zu­vor un­be­rech­tig­ter­wei­se al­len­falls im Klein­ge­druck­ten the­ma­ti­siert wor­den, be­herrsch­te es von nun an je­de Aus­ein­an­der­set­zung mit De­ri­va­ten al­ler Art. Schlag­ar­tig war je­dem Stru­ki-An­le­ger be­wusst, dass er nicht nur Markt-, son­dern auch Kre­dit­ri­si­ken ein­geht.

Es be­stand drin­gen­der Hand­lungs­be­darf, um das an­ge­schla­ge­ne Ver­trau­en wie­der­zu­ge­win­nen. In en­ger Zu­sam­men­ar­beit ent­wi­ckel­ten der Schwei­ze­ri­sche Ver­band für Struk­tu­rier­te Pro­duk­te (SVSP), die Bör­se und ei­ni­ge Emit­ten­ten ei­ne ein­zig­ar­ti­ge Lö­sung: Co­si (Col­la­te­ral Se­cu­red In­stru­ments). Mit die­sen pfand­be­si­cher­ten Zer­ti­fi­ka­ten be­wies der Schwei­zer Markt ein wei­te­res Mal, dass er fle­xi­bel und schnell auf Her­aus­for­de­run­gen re­agie­ren kann und ent­schlos­sen ist, sei­ne Vor­rei­ter­stel­lung zu hal­ten. Zum Aus­fall­ri­si­ko kam das Markt­ri­si­ko, das für ei­ni­ge An­le­ger erst mit dem Ein­bruch der Ak­ti­en­märk­te voll­stän­dig ans Ta­ges­licht kam. Mit ei­nem Port­fo­lio von Worst of Bar­ri­er Re­ver­se Con­ver­ti­bles, die sich auf ähn­li­che Ak­ti­en­kom­bi­na­tio­nen be­zo­gen, war es gut mög­lich, dass der An­le­ger aus je­dem Pro­dukt die je­wei­li­gen Fi­nanz­ti­tel ge­lie­fert be­ka­men, was zu ei­nem un­er­wünsch­ten Klum­pen­ri­si­ko führ­te.

Bei al­lem Scha­den, den die Fi­nanz­kri­se der Re­pu­ta­ti­on von struk­tu­rier­ten Pro­duk­ten zu­ge­fügt hat, sind die deut­lich stär­ke­re Kun­den­ori­en­tie­rung und die ver­bes­ser­te Trans­pa­renz auch ei­ne di­rek­te Kon­se­quenz die­ser Kri­se. Denn nur wenn die An­le­ger das Ver­trau­en wie­der­ge­win­nen, wird die Bran­che lang­fris­tig be­ste­hen. Das ge­stie­ge­ne Han­dels­vo­lu­men des ers­ten Quar­tals ist ei­ne ers­te Be­stä­ti­gung da­für, dass In­ves­to­ren die Be­mü­hun­gen in Rich­tung mehr Trans­pa­renz und Kun­den­ser­vice re­gis­trie­ren und be­grüs­sen. Jan Schoch ist CEO von EFG Fi­nan­ci­al Pro­ducts in Zü­rich.

Im Werk­zeug­kas­ten der struk­tu­rier­ten Pro­duk­te fin­den In­ves­to­ren für je­de Her­aus­for­de­rung das pas­sen­de In­stru­ment.

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