Star­ke Po­si­ti­on der Schweiz: Vom Ver­käu­fer­markt zur Scoach

Finanz und Wirtschaft - - FONDS - JAN SCHOCH

Ein Blick zu­rück gibt Auf­schluss dar­über, war­um die Schweiz im De­ri­vat­ge­schäft ei­ne der­art star­ke Po­si­ti­on ein­neh­men konn­te: Sie stand stets an vor­ders­ter Front.

Im Früh­jahr 1988 star­te­te die Soffex (Swiss Op­ti­ons and Fu­tures Ex­ch­an­ge) als ers­te voll­elek­tro­ni­sche Ter­min­bör­se der Welt mit in­te­grier­tem Clea­ring­haus. Be­reits zu­vor wa­ren die Schwei­zer zu den gröss­ten In­ves­to­ren in ja­pa­ni­schen War­rants (Op­ti­ons­schei­nen) auf­ge­stie­gen. Als die Bla­se in Ja­pan platz­te, war dies der ers­te Er­fah­rungs­wert über die Ri­si­ken im De­ri­vat­markt. Doch die Mög­lich­kei­ten, Op­tio­nen ein­zu­set­zen, sind viel­fäl­tig und die Schwei­zer Fi­nanz­ak­teu­re fin­dig. 1991 mar­kier­te ei­nen Mei­len­stein. Der da­ma­li­ge Schwei­ze­ri­sche Bank­ver­ein lan­cier­te das ers­te struk­tu­rier­te Pro­dukt im heu­ti­gen Sinn: ei­nen so­ge­nann­ten Groi (Gua­ran­te­ed Re­turn on In­vest­ment), ein Ka­pi­tal­schutz­pro­dukt, und da­mit ei­ne ver­brief­te Kom­bi­na­ti­on aus An­lei­he und Call-Op­ti­on. Das Aus­zah­lungs­pro­fil war ein­fach: Der An­le­ger er­hielt un­ab­hän­gig von der Markt­ent­wick­lung ei­nen vor­de­fi­nier­ten Pro­zent­satz des ein­ge­setz­ten Ka­pi­tals per Ver­fall zu­rück, plus ei­ne Par­ti­zi­pa­ti­on am An­stieg des Ba­sis­werts. Käu­fer der ers­ten struk­tu­rier­ten Pro­duk­te wa­ren meist In­sti­tu­tio­nel­le. Die Trans­ak­ti­ons­grös­sen und Kos­ten pro Pro­dukt wa­ren am heu­ti­gen Stan­dard ge­mes­sen hoch, und ent­spre­chend we­ni­ge Pro­duk­te wur­den lan­ciert. Die In­dus­trie war in je­ner Zeit ein ty­pi­scher Ver­käu­fer­markt, in dem das Fach­wis­sen auf Kun­den­sei­te erst gra­du­ell auf­ge­baut wur­de.

Doch in den ver­gan­ge­nen zwan­zig Jah­ren mach­te die Bran­che ra­sche Fort­schrit­te: Ge­trie­ben durch die wach­sen­de Nach­fra­ge, wur­de das An­ge­bot an neu­en Aus­zah­lungs­pro­fi­len stän­dig er­wei­tert. Die be­gin­nen­de Au­to­ma­ti­sie­rung des Lan­cie­rungs­pro­zes­ses durch vie­le Emit­ten­ten er­mög­lich­te die Aus­ga­be von im­mer mehr un­ter­schied­li­chen Zer­ti­fi­ka­ten in­ner­halb kür­zes­ter Zeit. Zur Freu­de der An­le­ger san­ken die Kos­ten pro Pro­dukt und die Emis­si­ons­grös­sen.

An­fang 2007 nahm die ge­mein­sa­me Toch­ter­ge­sell­schaft der SIX Group und der Deut­schen Bör­se, die Scoach Eu­ro­pa, den Han­del mit struk­tu­rier­ten Pro­duk­ten auf. Über Scoach wer­den Zer­ti­fi­ka­te und Op­ti­ons­schei­ne für Deutsch­land und die Schweiz ge­han­delt. Spä­tes­tens mit die­sem Schritt wur­den struk­tu­rier­te Pro­duk­te auch für Re­tail­kun­den in­ter­es­sant.

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