Vrene­li, Phil­har­mo­ni­ker & Co. sind ei­ne Al­ter­na­ti­ve zu Gold-ETF

Lan­ge War­te­zei­ten für Edel­me­tall­bar­ren und -mün­zen – Al­ter Gold­schmuck jetzt ver­kau­fen – Zum Ma­te­ri­al­wert ge­sellt sich der Samm­ler­wert

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - PE­TER MAN­HART

Ver­mö­gen zu er­wer­ben, ist ei­ne Sa­che, es lang­fris­tig zu wah­ren, ei­ne ganz an­de­re. Zeug­nis da­von le­gen die vie­len Dy­nas­ti­en in der Ge­schich­te ab, die ka­men und gin­gen. Ge­gen­wär­tig ist die Be­sitz­stand­wah­rung be­son­ders kniff­lig – die Angst vor Wäh­rungs­ver­lus­ten und ei­ner mas­si­ven Geld­ent­wer­tung geht um. In­fla­ti­on ist seit je­her ein Mit­tel, des­sen Staa­ten sich be­die­nen, um ma­ro­de Staats­haus­hal­te zu sa­nie­ren re­spek­ti­ve Schul­den­ber­ge ab­zu­tra­gen. Kein Wun­der fürch­ten In­ves­to­ren um ihr Hab und Gut. Was al­so tun?

In sol­chen Zei­ten strahlt kein Me­tall so viel Glanz aus wie Gold. Zu­gu­te kommt Gold die Ge­schich­te, in der es über wei­te Stre­cken als Zah­lungs­mit­tel ge­dient hat. Und of­fen­bar wol­len vie­le Pri­vat­an­le­ger der­zeit ge­nau das – Mün­zen aus Edel­me­tall oder klei­ne Bar­ren. Prä­ge­an­stal­ten kön­nen mit der gros­sen Nach­fra­ge kaum Schritt hal­ten. Kauf­wil­li­ge müs­sen teil­wei­se mit er­heb­li­chen War­te­zei­ten le­ben.

Mit Ver­stand in­ves­tie­ren

Das ist aber nicht ei­ner ge­ne­rell ge­rin­gen phy­si­schen Ver­füg­bar­keit ge­schul­det. Viel­mehr ha­ben Pro­du­zen­ten es ver­passt, in den letz­ten Jah­ren ge­nü­gend gros­se Ka­pa­zi­tä­ten auf­zu­bau­en. Be­son­ders die Deut­schen kauf­ten in der Schweiz wie wild Vrene­li, ist auf ver­schie­de­nen Ka­nä­len zu hö­ren. Ein wich­ti­ger Grund da­für ist, dass sich die Re­gio­nal­ban­ken in Deutsch­land mehr­heit­lich aus dem phy­si­schen Gold­han­del zu­rück­ge­zo­gen ha­ben.

Ob es ein güns­ti­ger Zeit­punkt ist, Krü­ger­rands, Ame­ri­can Eagles, Phil­har­mo­ni­ker oder eben Vrene­li zu kau­fen? Schliess­lich sind die Prei­se hoch wie nie. Ei­ne al­te In­ves­to­ren­weis­heit lau­tet «Buy low, sell high». So ge­se­hen wä­re es jetzt an der Zeit, sich von Gold zu tren­nen – be­son­ders von al­tem Schmuck, der nur in Schub­la­den ver­staubt. Das tun auch vie­le. Alt­gold­händ­ler ha­ben Kon­junk­tur. Al­ler­dings strei­chen Ana­lys­ten­be­rich­te im­mer wie- der her­aus, Gold sei ei­ne Art Ver­si­che­rungs­po­li­ce, die in un­si­che­ren Zei­ten wie die­sen un­er­läss­lich zu be­sit­zen sei. Für die kom­men­de De­ka­de ge­hen nicht we­ni­ge Au­gu­ren von ei­nem Preis­an­stieg auf 2400 $ pro Un­ze aus. Je­de schlech­te Nach­richt ver­leiht dem Gold­preis Auf­trieb, und des­halb scheint er in den kom­men­den Mo­na­ten und wohl auch Jah­ren recht gut un­ter­stützt zu sein.

An­le­ger fra­gen nun viel häu­fi­ger Si­cher­heit nach als Mehr­ren­di­te – die Ri­si­ko­aver­si­on ist seit Aus­bruch der Fi­nanz­kri­se mar­kant ge­stie­gen, und die Rück­kehr zu kon­ti­nu­ier­li­chem Wirt­schafts­wachs­tum wird hü­ben wie drü­ben des At­lan­tiks im­mer wie­der durch neu ent­deck­te «Lei­chen im Kel­ler» ver­zö­gert.

Un­ter­stüt­zend für Edel­me­tal­le wirkt des Wei­tern, dass sie nach wie vor noch kein Be­stand­teil vie­ler di­ver­si­fi­zier­ter Port­fo­li­os sind. Doch hier zeich­net sich ein Trend­wech­sel ab. Auch In­ves­to­ren, die lan­ge Zeit nicht auf Gold & Co. setz­ten, be­gin­nen die­se An­la­ge­klas­se im In­ves­ti­ti­ons­ent­scheid zu­neh­mend zu be­rück­sich­ti­gen. Das tun sie in ers­ter Li­nie mit ko­tier­ten In­dex­fonds (Ex­ch­an­ge Tra­ded Funds, ETF), die mit phy­si­schem Gold hin­ter­legt sind (vgl. FuW Nr. 16 vom 27. Fe­bru­ar).

Da­bei han­delt es sich um ei­ne Schwei­zer Spe­zia­li­tät. An­bie­tern aus Eu­ro­pa steht die­se Mög­lich­keit we­gen des ju­ris­ti­schen Klein­ge­druck­ten nicht of­fen. Gold­mün­zen sind ei­ne der schöns­ten For­men, in Edel­me­tal­le zu in­ves­tie­ren. Zum Ma­te­ri­al­ge­sellt sich der Samm­ler­wert. Der Münz­kun­de oder Nu­mis­ma­tik wird mit Lei­den­schaft nach­ge­gan­gen. Für Ein­stei­ger ist vor al­lem wich­tig, dass sie Mün­zen mit gu­ter Qua­li­tät kau­fen. Zwar muss da­für ein Auf­preis be­zahlt wer­den, doch steigt der Wert sol­cher Stü­cke in der Ten­denz schnel­ler und deut­li­cher als je­ner von schlecht er­hal­te­nen Mün­zen.

Wie­so nicht Brak­tea­ten?

Da­bei muss es sich nicht im­mer um Edel­me­tal­le han­deln. Ei­ne Ni­sche bil­den die so­ge­nann­ten Hohl­pfen­ni­ge oder Brak­tea­ten. Es han­delt sich um ein­sei­tig in dün­nem Sil­ber­blech ge­präg­te Pfen­ni­ge des Mit­tel­al­ters, die vom 11. bis zum 13. Jahr­hun­dert in Deutsch­land, Ös­ter­reich und der Schweiz ge­läu­fig wa­ren – sie gin­gen auf ei­ne mas­si­ve Münz­ver­schlech­te­rung im 11. Jahr­hun­dert zu­rück.

Aber auch Schwei­zer Sil­ber-und Gold­mün­zen von Bund und Kan­to­nen sind ein loh­nens­wer­tes Sam­mel­ge­biet. Zu­sätz­lich zum Wert ge­win­nen An­le­ger Ein­bli­cke in die fas­zi­nie­ren­de Kul­tur­ge­schich­te des Gel­des. Be­son­ders heu­te gilt: Wer die Ge­gen­wart ver­ste­hen will, muss die Ge­schich­te ken­nen.

Zum 100. To­des­tag von Al­bert An­ker hat Swiss­mint ei­ne Son­der­mün­ze auf­ge­legt.

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