Hat sich ei­ne Bla­se ge­bil­det?

EDEL­ME­TAL­LE Über­trie­be­ner Op­ti­mis­mus für Gold – Schul­den­kri­se stützt das Edel­me­tall – Pal­la­di­um sinkt mar­kant

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - BEG/ET

Zwei La­ger ste­hen sich ge­gen­über. Gold­bugs er­klä­ren, der Preis des Edel­me­talls stei­ge wei­ter, denn das An­ge­bot der Mi­nen sei be­grenzt und die Nach­fra­ge in Schwel­len­län­dern wie Chi­na und In­di­en, wo Golds­pa­ren tra­di­tio­nell ver­brei­tet ist, neh­me an­ge­sichts des wirt­schaft­li­chen Wachs­tums und des hö­he­ren Wohl­stands zu. Da­zu kom­me die Sor­ge um die ho­hen staat­li­chen Schul­den­ber­ge und die äus­serst ex­pan­si­ve Geld­po­li­tik der No­ten­ban­ken, die län­ger­fris­tig un­wei­ger­lich zu hö­he­rer In­fla­ti­on füh­re. Gold sei ein pro­ba­tes In­stru­ment, um sich vor der Ent­wer­tung von Pa­pier­geld zu schüt­zen.

Kri­ti­ker war­nen, in Gold könn­te sich ei­ne Bla­se ge­bil­det ha­ben. Wer das Edel­me­tall hal­te, soll­te sich mit De­ri­va­ten ge­gen ei­nen Preis­rück­schlag ab­si­chern, emp­fiehlt Markt­stra­te­ge Egon Tschol von Realtime Ad­vice. Der Si­cher­heits­be­darf und der Op­ti­mis­mus der An­le­ger sei­en über­trie­ben, und in An­be­tracht der im­mer hö­he­ren Preis­pro­gno­sen der Ex­per­ten stel­le sich die Fra­ge, ob nicht ein Stim­mungs­ex­trem der po­si­ti­ven Art er­reicht wor­den sei – und so­mit ei­ne hef­ti­ge Kor­rek­tur be­vor­ste­hen könn­te (vgl. FuW Nr. 41 vom 29. Mai, Sei­te 43). Nach un­ten ge­drückt wer­de der Gold­preis über­dies durch den vor­herr­schen­den De­fla­ti­ons­trend, der al­le An­la­ge­klas­sen er­fas­se. Das Geld­dru­cken der Zen­tral­ban­ken zei­ge we­nig Wir­kung, da die Um­lauf­ge­schwin­dig­keit deut­lich ge­sun­ken sei.

Vo­r­erst soll­ten In­ves­to­ren al­so ei­nen tie­fe­ren Gold­preis ein­kal­ku­lie­ren. Län­ger- fris­tig könn­te Gold von ei­ner Flucht aus Pa­pier­geld in rea­le An­la­gen pro­fi­tie­ren. Ein An­zei­chen da­für sei die Schwä­che des Eu­ros ge­gen­über dem Dol­lar, wird ar­gu­men­tiert. Die Schul­den­kri­se in Grie­chen­land und die fra­gi­le La­ge in an­de­ren Län­dern drü­cken auf die Ein­heits­wäh­rung. Ge­gen­wär­tig gilt der Dol­lar als si­che­rer Ha­fen. In­ves­to­ren kau­fen Tre­a­su­ries, de-

Die wich­tigs­ten Fu­tures auf Roh­stof­fe und Edel­me­tal­le ren Kurs ist ge­stie­gen und die Ren­di­te ent­spre­chend ge­fal­len. Doch auch die USA ha­ben ei­nen rie­si­gen Schul­den­berg auf­ge­türmt, und Kri­ti­ker er­klä­ren, der Dol­lar wä­re viel schwä­cher, dien­te er nicht nach wie vor als Re­ser­ve­wäh­rung. Soll­te die­ser Sta­tus von den In­ves­to­ren der­einst ernst­haft an­ge­zwei­felt wer­den, wür­de Gold tat­säch­lich deut­lich teu­rer. Wer das nicht aus­schliesst, hält Gold als Not­gro­schen – so wie das ja auch die No­ten­ban­ken tun.

Am Frei­tag no­tier­te der Fu­tures auf Gold an der New York Mer­can­ti­le Ex­ch­an­ge (Nymex) 1208.30 $/Un­ze. Seit dem Tief im No­vem­ber 2008 ist der Preis 71% ge­stie­gen, und er liegt nur 3% un­ter dem Re­kord von Mit­te Mai. Un­ter den In­ves­to­ren ist Gold al­so nach wie vor be­gehrt.

Die üb­ri­gen Edel­me­tal­le ha­ben die jüngs­ten Tur­bu­len­zen und Sor­gen um die Staats­ver­schul­dungs­kri­se nicht so glän­zend über­stan­den wie Gold. Sil­ber be­wegt sich seit zwei Mo­na­ten – mit sehr ho­hen Kurs­schwan­kun­gen – zwi­schen 17.50 und 19.50 $ pro Un­ze seit­wärts und kann sich nicht ent­schei­den, ob sei­ne Edel­me­tal­lo­der sei­ne In­dus­trie­me­tall-Cha­rak­te­ris­ti­ken do­mi­nie­ren sol­len.

In Pla­tin und Pal­la­di­um, die ein­deu­tig kon­junk­tur­sen­si­tiv sind, war der Trend nach un­ten aus­ge­präg­ter. Pla­tin ver­lor bin­nen Mo­nats­f­rist bis zum 21. Mai rund 18%, no­tiert im lang­fris­ti­gen Ver­gleich mit 1500 $ pro Un­ze je­doch im­mer noch hoch. In Pal­la­di­um fiel die Kor­rek­tur noch aus­ge­präg­ter aus. Das auf Kon­junk­tur­mel­dun­gen sen­si­bel re­agie­ren­de Me­tall büss­te von sei­nem Hoch von 573$ pro Un­ze vom 26. April bis zum 21. Mai rund 30% ein. Grund dürf­te un­ter an­de­rem die sich an­bah­nen­de Ver­lang­sa­mung der Kon­junk­tur in Chi­na sein. Pal­la­di­um re­agiert be­son­ders hef­tig auf Da­ten aus der Au­to­mo­bil­in­dus­trie.

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