«Ti­nas» Come­back

Finanz und Wirtschaft - - AUF EINEN BLICK -

PE­TER KUS­TER Res­sort­lei­ter zum The­ma Mit Spa­ren die Wirt­schaft ent­fes­seln Es ist erst ein gu­tes Jahr her, seit Po­li­ti­ker, No­ten­ban­ker und Öko­no­men ein­an­der be­schwo­ren, sämt­li­che Waf­fen der Fis­ka­lund Geld­po­li­tik ge­gen ei­ne dro­hen­de De­pres­si­on ein­zu­set­zen. Sie stütz­ten Im­mo­bi­li­en­märk­te und Ban­ken, schnür­ten Kon­junk­tur­pa­ke­te, lob­ten Ab­wrack­prä­mi­en aus und ver­teil­ten Kon­sum­gut­schei­ne. Die No­ten­ban­ken se­kun­dier­ten mit ei­ner mit­tels quan­ti­ta­ti­ver Lo­cke­rungs­übun­gen po­ten­zier­ten Null­zins­po­li­tik. Selbst die Schweiz ge­horch­te der Lo­gik der nur in der Theo­rie strin­gen­ten an­ti­zy­kli­schen Fis­kal­po­li­tik – glück­li­cher­wei­se und nicht zu­letzt dank ei­nes der Schul­den­wirt­schaft ab­ge­neig­ten Sou­ve­räns mit Mass, so­dass sich die öf­fent­li­chen Fi­nan­zen nicht wie an­dern­orts ver­schlech­ter­ten (vgl. FuW Nr. 65 vom 22. Au­gust 2009).

Heu­te be­grün­den die­sel­ben Po­li­ti­ker und Öko­no­men, wes­halb der Staat sei­nen Haus­halt un­be­dingt mög­lichst rasch kon­so­li­die­ren muss. Der Schreck ob der Schul­den­kri­se Grie­chen­lands und des Sturm­laufs der Märk­te auf die «Fe­s­tung Eu­ro­pa» ist ih­nen tief in die Kno­chen ge­fah­ren. So­gar Deutsch­land, das sich heu­te so güns­tig wie noch nie re­fi­nan­zie­ren kann und so­mit selbst gar nicht un­ter dem Druck der Märk­te steht, hat ei­nen Strauss von Aus­ga­ben­kür­zun­gen an­ge­kün­digt (vgl. Sei­te 30). Es ge­be kei­nen an­de­ren Weg, um ei­ner Auf­blä­hung der Schul­den vor­zu­beu­gen, pflich­ten die Öko­no­men von Uni­credit bei und be­ru­fen sich da­für sin­ni­ger­wei­se auf den von Mar­ga­ret That­cher oft ver­wen­de­ten «Ti­na»Slo­gan: «The­re is no al­ter­na­ti­ve.» Per­sön­lich­kei­ten mit dem Sen­dungs­be­wusst­sein und der Wil­lens­stär­ke der Ei­ser­nen La­dy feh­len heu­te in Eu­ro­pas Po­li­ti­ker­kas­te. Die Ein­sicht, dass auch die Ver­schul­dungs­fä­hig­keit der Staa­ten ei­ne von öko­no­mi­schen und nicht po­li­ti­schen Ge­set­zen be­stimm­te Gren­ze hat, ist nicht Spie­gel ei­ner tie­fen li­be­ra­len Über­zeu­gung, son­dern aus der Not ge­bo­ren. Kurz­fris­tig wird die Haus­halts­kon­so­li­die­rung das Wirt­schafts­wachs­tum brem­sen, über den Aus­sen­han­del auch das­je­ni­ge der Schweiz: «Ei­ne re­strik­ti­ve Fi­nanz­po­li­tik in fast al­len Eu­rolän­dern zu­gleich dürf­te kaum oh­ne dämp­fen­de Ef­fek­te auf die Kon­junk­tur mög­lich sein», schreibt die Ex­per­ten­grup­pe des Bun­des in ih­rer jüngs­ten Kon­junk­tur­pro­gno­se (vgl. Sei­te 5), fügt aber so­gleich an, «dass ein glaub­wür­di­ger fi­nanz­po­li­ti­scher Kurs­wech­sel an den Fi­nanz­märk­ten Ver­trau­en schaf­fen und die nach­fra­ge­dämp­fen­den Wir­kun­gen ab­mil­dern könn­te».

Ver­trau­en ist der Schlüs­sel – auch in der lan­gen Frist. Ge­lingt es un­ter dem Da­mokles­schwert der Wäch­ter am An­lei­hen­markt, den Trend zu im­mer mehr Staats­auf­ga­ben samt den da­für not­wen­di­gen Geld­strö­men zu bre­chen, könn­te das für die Wachs­tums­kräf­te im pri­va­ten Sek­tor als Jung­brun­nen wir­ken. Wer die Ent­wick­lung der Staats­quo­te und den Ge­gen­wert, Quan­ti­tät und Qua­li­tät staat­li­cher Di­ens­te, der letz­ten Jahr­zehn­te ana­ly­siert, zieht den Schluss: Ein tem­po­rä­rer Wachs­tums­dämp­fer ist kein zu ho­her Preis für die Ent­fes­se­lung der Wirt­schaft.

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