UBS ver­lie­ren an Bo­den

Mit Stock Pi­cking zum Er­folg – No­bel Bio­ca­re und St­raumann no­tie­ren auf Jah­res­tief

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSE SCHWEIZ - CAR­LA PALM

Nun al­so auch die Bri­ten. Ge­mäss der Ra­ting­agen­tur Fitch ist die Quo­te der öf­fent­li­chen Ver­schul­dung in kei­nem an­de­ren Land mit der Bo­ni­täts­no­te AAA seit 2008 so rasch ge­stie­gen wie in Gross­bri­tan­ni­en. Die Aus­sa­ge hilft den In­ves­to­ren nicht ge­ra­de wei­ter. Das oh­ne­hin brü­chi­ge Ver­trau­en in Ak­ti­en­an­la­gen be­kam am Di­ens­tag wei­te­re Ris­se. Doch in ei­ner Welt vol­ler Un­si­cher­hei­ten und Miss­trau­en soll­ten Schwei­zer Ti­tel im Grun­de ge­nom­men ge­fragt sein. Per­len wie die di­vi­den­den­star­ken Nest­lé gibt es schliess­lich nicht an al­len Or­ten.

Auch der Small-und Mid-Cap-Sek­tor bie­tet Aus­nah­me­er­schei­nun­gen. Der Bro­ker Hel­vea hat sie in ei­nem ak­tu­el­len Re­port her­aus­ge­ar­bei­tet und emp­fiehlt dar­in die Pa­pie­re Sul­zer, Giv­au­dan und Ga­le­ni­ca zum Kauf. Sie ra­gen we­gen über­durch­schnitt­li­cher Wachs­tums­per­spek­ti­ven und gu­ter Pro­dukt­pipe­line (Ga­le­ni­ca) für die nächs­ten zwei Jah­re her­aus.

Aus­ser­dem ra­ten die Au­to­ren mit ei­nem et­was spe­ku­la­ti­ve­ren Un­ter­ton zum Kauf von Lon­za, da ei­ne Er­hö­hung der Pro­gno­se er­war­tet wird, und No­bel Bio­ca­re, da der Markt für Zahn­im­plan­ta­te vor ei­ner Er­ho­lung ste­hen könn­te. Aus­ser­dem gilt das Un­ter­neh­men ge­mäss Hel­vea als Über­nah­me­kan­di­dat. Der Blick auf Ein­zel­ak­ti­en, wie auch in die­ser Zei­tung im­mer wie­der emp­foh­len, lohnt sich für den An­le­ger – un­ge­ach­tet al­ler Staats­und Fi­nanz­kri­sen. Der Swiss Markt In­dex SMI ver­lor im Ver­gleich zum ver­gan­ge­nen Frei­tag 0,8% auf 6246.

Wer­bung für Bank­ge­heim­nis

Die Kur­se von Bank­ak­ti­en ga­ben am Di­ens­tag nach, und zwar nicht nur in der Schweiz. Am Hin und Her um den Staats­ver­trag zwi­schen der Schweiz und den USA kann es dem­nach nicht al­lein lie­gen, dass die Ti­tel von UBS (–1,7%) und CS Group (–0,9%) tie­fer be­wer­tet wur­den. Bör­sia­ner schei­nen die gan­ze Sa­che lo­cker zu neh­men – im Wis­sen, dass sich die bei­den Kam­mern des Schwei­zer Par­la­ments bis­lang noch im­mer ge­ei­nigt ha­ben.

Ein Blick in die in­ter­na­tio­na­le Pres­se zeigt im Üb­ri­gen, dass der Ver­zö­ge­rung auch po­si­ti­ve Sei­ten ab­ge­won­nen wer­den. Der fran­zö­si­sche «Fi­ga­ro», die gröss­te bür­ger­li­che Zei­tung des Lan­des, ti­tel­te am Di­ens­tag­nach­mit­tag: «Die Schweiz wei­gert sich, den USA die Na­men von UBS-Kun­den zu ge­ben.» Das klingt in fran­zö­si­schen Oh­ren wie Wer­bung für das Bank­kun­den­ge­heim­nis.

Die Pa­pie­re der As­se­ku­ranz ge­ra­ten in Bör­sen­schwä­chen re­gel­mäs­sig un­ter be­son­ders hef­ti­gen Druck. Man­che An­le­ger fra­gen sich, wie sehr der er­neut brö­ckeln­de Eu­ro auf die Er­trags­kraft der Ver­si­che­rer durch­schlägt. Die mit­tel­gros­sen Schwei­zer An­bie­ter Bâ­loi­se (Ak­ti­en–1,7% ) und Hel­ve­tia (–2,1%) ma­chen rund die Hälf­te des Ge­schäfts im Eu­ro­raum. Wer nicht von ei­ner ra­schen Wie­der­er­star­kung der Ge­mein­schafts­wäh­rung aus­geht, soll­te kon­se­quen­ter­wei­se die Ge­winn­erwar­tung für die­se As­se­ku­ranz­häu­ser et­was zu­rück­neh­men. Den Va­lo­ren von Swiss Li­fe (–4,8%), die eben­falls ziem­lich eu­ro­las­tig ist, mach­te zu­dem die be­vor­ste­hen­de Her­aus­nah­me aus dem Stan­dard­wert­e­in­dex SMI zu schaf­fen. Die Pa­pie­re des «Aus­wech­sel­spie­lers» Tran­so­ce­an (–12%) fal­len al­ler­dings durch ei­ne Form­schwä­che auf (vgl. Text un­ten).

Den Form­zu­stand von Swiss Re (Ak­ti­en –0,3%) ein­zu­schät­zen, ist eben­falls schwie­ri­ger ge­wor­den. Die fi­nan­zi­el­len Fol­gen des Chi­le-Erd­be­bens vom Fe­bru­ar sol­len die ge­sam­te As­se­ku­ranz­bran­che teu­rer als zu Be­ginn er­war­tet zu ste­hen kom­men, heisst es in neu­en Schät­zun­gen der Mün­che­ner Rück. Der deut­sche Kon­zern rech- net selbst mit ei­ner Be­las­tung von neu bis zu 1 Mrd.$. Zu­dem steht im At­lan­tik die Hur­ri­kan­sai­son an. Von Swiss Re dürf­ten die Ak­tio­nä­re am Frei­tag wei­te­re Hin­wei­se er­hal­ten. Dann führt der Rück­ver­si­che­rer ei­nen In­for­ma­ti­ons­an­lass für In­ves­to­ren durch.

Fi­schers Fri­end fischt…

Freund­lich dis­po­niert wa­ren Georg Fischer (–0,2%). Am Mon­tag fiel zu­nächst ein gros­ser Zu­kauf von 100 000 Ak­ti­en zum Kurs von 355 Fr. auf. Of­fen­bar ge­hen die In­ves­to­ren an­ge­sichts der Wachs­tums­ver­spre­chen für 2011 jetzt in Po­si­ti­on. Fischer-Freund Gior­gio Behr hat sei­ne Be­tei­li­gung am Schaff­hau­ser Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men nicht ver­äus­sert. Ob er zu­ge­kauft und sei­nen An­teil auf über 10% er­höht hat, wird sich in den nächs­ten Ta­gen zei­gen, wenn er den Mel­de­pflich­ten nach­kom­men müss­te.

ABB (–1%) hiel­ten sich fast sta­bil in ei­nem schwa­chem Ge­samt­markt. Der Kon­zern will die Chlo­ri­de Group für 860 Mio. £ über­neh­men (vgl. Sei­te ne­ben­an). Gold­man Sachs hat ABB zu­dem in die Con­vic­tion Buy List auf­ge­nom­men.

Nah­rungs­mit­tel­spe­zia­list Aryz­ta (Ak­ti­en +8,3%) wagt sich gar an zwei Über­nah­men. An­läss­lich der Pu­bli­ka­ti­on des Neun­mo­nats­um­sat­zes gab das Un­ter­neh­men den Kauf von Fresh Start Ba­ke­ries und Gre­at Kit­chens be­kannt und er­höh­te die Er­war­tun­gen für das Ge­samt­ge­schäfts­jahr (vgl. Sei­te 16).

No­bel Bio­ca­re (–4,1%) ga­ben wei­ter nach. Doch in die Va­lo­ren könn­te bald wie­der Be­we­gung nach oben kom­men. Mor­gan St­an­ley nahm die Ti­tel des Zahn­im­plan­tat­her­stel­lers von ih­rer Best-Sel­lLis­te. Der Ab­ga­be­druck könn­te so­mit zu­rück­ge­hen. Vo­r­erst fie­len die Ak­ti­en je­doch auf Jah­res­tief. Den Pa­pie­ren von Kon­kur­rent St­raumann (–6,7%) er­ging es nicht viel bes­ser. Es ist im Mo­ment nicht ab­seh­bar, wann sich der Markt für Zahn­im­plan­ta­te er­ho­len wird. No­bel Bio­ca­re stellt für die­ses Ge­schäfts­jahr kei­ne Pro­gno­se. St­raumann rech­net im­mer­hin mit ei­ner Er­ho­lung im un­te­ren ein­stel­li­gen Pro­zent­be­reich ab 2011.

No­var­tis oder Merck Se­ro­no

No­var­tis (–1,1%) konn­ten sich hal­ten. Am Don­ners­tag wird zu­dem die US-Ge­sund­heits­be­hör­de FDA in ei­nem be­ra­ten­den Aus­schuss über die Zu­las­sung von Gi­le­nia be­ra­ten. Das Me­di­ka­ment wä­re ei­nes der we­ni­gen ora­len Prä­pa­ra­te ge­gen Mul­ti­ple Sk­le­ro­se. Die Ne­ben­wir­kun­gen sind be­trächt­lich, was im Markt aber be­reits be­kannt ist. Ei­ne un­güns­ti­ge Ent­schei­dung des Aus­schus­ses wür­de den Kurs da­her nur kurz­zei­tig drü­cken. Ei­ne po­si­ti­ve Emp­feh­lung da­ge­gen könn­te den Ak­ti­en Schwung ver­lei­hen.

Merck Se­ro­no hat ei­nen Zu­las­sungs­an­trag für das Kon­kur­renz­pro­dukt Cl­ad­ri­bin im zwei­ten An­lauf in den USA be­reits ein­ge­reicht. Der Wett­lauf um ein neu­es MS-Mit­tel hat da­mit be­gon­nen.

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