Auch lokal stei­gen die Staats­schul­den

Schwei­zer Kan­to­ne und Ge­mein­den wer­den noch ver­mehrt am Ka­pi­tal­markt auf­tre­ten

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - TM

Nicht nur die Ver­bind­lich­kei­ten der Zen­tral­staa­ten stei­gen. Im lau­fen­den Jahr wer­den sich die re­gio­na­len und lo­ka­len Ge­biets­kör­per­schaf­ten in den zwölf von Stan­dard & Poor‘s (S&P) ab­ge­deck­ten west­eu­ro­päi­schen Staa­ten für 260 Mrd.€ neu ver­schul­den (vgl. Ta­bel­le). Das sind 20% mehr als 2009 – ein Jahr, in dem die Staats­ver­schul­dung be­reits ge­stie­gen war. Da sich die kri­sen­be­ding­ten Steu­er­aus­fäl­le teil­wei­se erst 2010 ma­ni­fes­tie­ren, wird der Fi­nan­zie­rungs­be­darf heu­er noch grös­ser sein als im Jahr nach der Leh­man-Plei­te. Dies um­so mehr, als die staat­li­chen In­ves­ti­ti­ons­pro­gram­me vie­ler­orts im­mer noch auf­recht­er­hal­ten wer­den.

S&P or­tet ei­ne Kon­zen­tra­ti­on der Neu­ver­schul­dung in fünf Re­gio­nen: Deut­sche Län­der und Kom­mu­nen ma­chen mit 47% nach wie vor den Lö­wen­an­teil aus, ge­folgt von spa­ni­schen, fran­zö­si­schen, schwei­ze­ri­schen und schwe­di­schen Re­gio­nen. Den

Re­gio­na­le Ebe­ne spürt Steu­er­aus­fäl­le

Agröss­ten Zu­wachs wer­de Spa­ni­en er­fah­ren – an die 50%. Auch die Schwei­zer Kan­to­ne und Ge­mein­den wer­den nach An­sicht der Agen­tur in die­sem Jahr mehr Geld auf­neh­men müs­sen als 2009.

Ein Gross­teil der Neu­ver­schul­dung die­ne der Ab­lö­sung be­ste­hen­der Ver­pflich­tun­gen. Aber ein zu­neh­men­der Teil wer­de be­nutzt, um De­fi­zi­te aus­zu­glei­chen. Ins­ge­samt wür­den die auf­ge­türm­ten Schul­den west­eu­ro­päi­scher Re­gio­nen heu­er 10% auf 1,3 Bio. € stei­gen. Et­wa 70% da­von sei­en aus­ste­hen­de An­lei­hen.

Deutsch­land ha­be sei­ne In­ves­to­ren­ba­sis kon­ti­nu­ier­lich aus­ge­baut. Die­se um­fas­se In-wie Aus­län­der, vor­ab aus eu­ro­päi­schen Staa­ten, aber auch asia­ti­sche Zen­tral­ban­ken. Deut­sche Subs­over­eigns näh­men wei­ter deut­lich mehr als al­le an­de­ren Re­gio­nen Geld auf und blie­ben ein be­lieb­ter Be­stand­teil von Bond­port­fo­li­os blei­ben. In nor­di­schen Ge­fil­den sam­meln Ge­mein­de­fi­nan­zie­rer – wie die hier­zu­lan­de be­kann­ten Kom­mu­nal­kre­dit, Kom­mu­n­e­kre­dit oder Mu­ni­ci­pa­li­ty Fi­nan­ce – das Geld für die Ge­biets­kör­per­schaf­ten. In wie­der an­de­ren Län­dern herrscht die Ab­hän­gig­keit von Bank­kre­di­ten vor.

Die Schwei­zer Kan­to­ne und Ge­mein­den wer­den ge­mäss Pro­jek­tio­nen von S&P ver­mehrt an den Ka­pi­tal­markt ge­lan­gen (vgl. Gra­fik). Von 2005 bis 2009 sei das Emis­si­ons­vo­lu­men dank der gu­ten Wirt­schafts­la­ge und so­mit üp­pig spru­deln­der Steu­er­ein­nah­men so­wie Bud­get­über­schüs­sen ge­ring ge­we­sen. Die Kan­to­ne Zü­rich (AAA), Schwyz (AA+) und St. Gal­len (AA+) wür­den wei- ter über kom­for­ta­ble Li­qui­di­täts­pols­ter ver­fü­gen. Sie trä­ten so­mit 2010 kaum am Pri­mär­markt auf.

Die Bud­get­qua­li­tät der Kan­to­ne wer­de sich in den kom­men­den zwei Jah­ren ver­schlech­tern. S&P er­war­tet zwar für 2009 noch aus­ge­gli­che­ne Haus­hal­te, in­des ein kon­so­li­dier­tes De­fi­zit von 4Mrd. Fr. für das lau­fen­de Jahr. Die Mit­tel­auf­nah­me (in­klu­si­ve Pri­vat­pla­zie­run­gen) sei 2009 mit 20,3 Mrd. be­reits viel hö­her ge­we­sen als 2008 (13,5 Mrd.). Da die Steu­er­ein­nah­men auf­grund des Ver­zö­ge­rungs­ef­fekts wei­ter sin­ken, rech­net die Agen­tur da­mit, dass sich die re­gio­na­len und lo­ka­len Ge­biets­kör­per­schaf­ten in der Schweiz heu­er für 24 Mrd. re­fi­nan­zie­ren wer­den. Bleibt zu hof­fen, dass dar­in dem Bei­spiel von Win­ter­thur und Bern ge­folgt wird und die Geld­auf­nah­me in Form von An­lei­hen­emis­sio­nen ge­schieht.

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