Auf­schwung wankt nicht

De­vi­sen­re­ser­ven der SNB stei­gen im Mai von 154 auf 232 Mrd. Fr.! – Co­op klotzt und ist nicht bil­lig

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - TOM­MA­SO MANZIN

Die Angst, der V-för­mi­ge Auf­schwung könn­te doch noch ei­nen Knick oder ei­ne Del­le er­hal­ten, ver­un­si­chert der­zeit die An­le­ger. Auch die Er­ho­lung der Schwei­zer Wirt­schaft ist kein Selbst­läu­fer. Die Schul­den­kri­se und die da­mit ver­bun­de­nen Spar­pa­ke­te der Re­gie­run­gen set­zen neue Fra­ge­zei­chen hin­ter die bis­he­ri­gen – eher op­ti­mis­ti­schen – Kon­junk­tur­er­war­tun­gen (vgl. Sei­te 30). Das Staats­se­kre­ta­ri­at für Wirt­schaft (Se­co) hat am Di­ens­tag sei­ne Pro­gno­se für das kom­men­de Jahr nach un­ten re­vi­diert (vgl. Ta­bel­le). Neu er­war­tet es 1,6% Wachs­tum (März­pro­gno­se: 2%). Für das lau­fen­de Jahr gibt sich der Bund da­für op­ti­mis­ti­scher: Das Brut­to­in­land­pro­dukt (BIP) soll statt 1,4 nun 1,8% wach­sen.

Ne­ben den un­ge­wis­se­ren Kon­junk­tur­aus­sich­ten im Eu­ro­raum wir­ke auch der zum Eu­ro har­te Fran­ken dämp­fend, auch wenn er sich seit An­fang Jahr ge­gen­über an­de­ren wich­ti­gen Wäh­run­gen wie Dol­lar oder Yen ab­ge­wer­tet ha­be. Knapp 60% der Schwei­zer Wa­ren­aus­fuh­ren ge­lan­gen nach Eu­ro­land. Die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank (SNB) hat im Mai ih­re De­vi­sen­re­ser­ven er­neut kräf­tig auf­ge­stockt. Sie stie­gen ge­mäss der Da­ten­bank des Bun­des­amts für Sta­tis­tik (die SNB pu­bli­ziert die Zahl erst am 21. Ju­ni, vgl. FuW Nr. 39 vom 22. Mai) in­nert Mo­nats­f­rist von 153,6 Mrd. auf 232,4 Mrd. Fr., ein Spie­gel der Wech­sel­kurs­in­ter­ven­tio­nen. Ob die jüngs­te Er­star­kung des Fran­kens der Ein­sicht ge­schul­det ist, dass auch ei­ne No­ten­bank­bi­lanz ih­re Gren­zen hat?

Ar­beits­markt im­mer bes­ser

Auf Gren­zen weist auch das Se­co hin: Die glo­ba­le Er­ho­lung hän­ge bis­her am Tropf der äus­serst ex­pan­si­ven Geld-und Fis­kal­po­li­tik. Die­se kön­ne nicht ewig wei­ter­ge­führt wer­den, da vie­le Staa­ten in­zwi­schen hoch­ver­schul­det sind (vgl. Sei­te 2).

Für die Bin­nen­wirt­schaft er­war­ten die Ex­per­ten des Bun­des ei­ne an­hal­tend so­li­de Ent­wick­lung, wenn­gleich mit nach­las­sen­der Dy­na­mik (Bau­in­ves­ti­tio­nen). Po­si­ti­ve Im­pul­se kom­men nach wie vor vom Pri­vat­kon­sum, der sich über­aus ro­bust zeigt – nicht zu­letzt dank der Auf­hel­lun­gen am Ar­beits­markt. Des­sen Er­ho­lung wird sich ge­mäss Se­co fort­set­zen. Die Ar­beits­lo­sen­quo­te er­reicht dem­nach im Durch­schnitt 3,9 in die­sem Jahr und geht 2011 auf 3,7% zu­rück. Im März wa­ren noch Ar­beits­lo­sen­quo­ten von über 4% be­fürch­tet wor­den. Auch die wei­ter tie­fe In­fla­ti­on be­güns­tigt die Bin­nen­nach­fra­ge. Ei­ne be­schleu­nig­te Teue­rung zeich­ne sich nicht ab, den­noch er­höht das Se­co die Pro­gno­sen für die Jah­res­in­fla­ti­ons­ra­te 2010 bzw. 2011 auf 1,1% (0,8%) re­spek­ti­ve auf 0,8% (0,7%) für 2011.

Ver­gan­ge­nen Mo­nat ist die Ar­beits­lo­sig­keit er­neut ge­sun­ken: Die Quo­te ver­rin­ger­te sich auf 3,8% (April: 4%). Auf die­sem Stand no­tier­te sie zu­letzt im Au­gust 2009.

Ob­schon die Ri­si­ko­aver­si­on glo­bal wie­der auf dem Vor­marsch sei, ha­be die Kon­kurs­ra­te spe­ku­la­ti­ver Schuld­ner in den USA En­de Mai auf 6,7% ab­ge­nom­men. Dies pro­to­kol­liert Stan­dard & Poor’s (S&P) in ei­ner Stu­die. Im No­vem­ber 2009 lag die Quo­te noch auf 11,3% und im April auf 8,4%. Al­ler­dings lie­ge da­mit die Aus­fall­wahr­schein­lich­keit noch im­mer über dem lang­jäh­ri­gen Durch­schnitt von 4,5%.

Sich über die Ri­si­ko­aver­si­on be­kla­gen kann Co­op der­weil ge­wiss nicht. Am Di­ens­tag lan­cier­ten Raiff­ei­sen Schweiz, Bas­ler Kan­to­nal­bank (BKB) und Co­op Bank (oh­ne Buch) 2% Co­op Schweiz 2010/2016 über 500 Mio. zu 49 Ba­sis­punk­ten (Bp) über Swap. Mit dem Gross­ver­tei­ler, der von CS und ZKB mit A– so­wie von UBS mit BBB+ ein­ge­stuft ist, kommt da­mit nach Hol­cim (vgl. FuW Nr. 41 vom 29. Mai) ein wei­te­rer Cor­po­ra­te an den Markt. Zu­letzt hat­te Co­op vor gut ei­nem Jahr Fran­ken auf­ge­nom­men, da­mals noch zu 179 Bp Auf­schlag zum Swap (vgl. FuW Nr. 20 vom 14. März 2009).

Der Spre­ad sei kein «Ge­schenk», weiss Raiff­ei­sen, al­ler­dings sei das An­ge­bot im In­land­seg­ment mo­men­tan ge­ring, man sei zu­frie­den mit der Trans­ak­ti­on. Der

Ri­si­ko­ver­schie­bung auf nächs­tes Jahr Na­me ste­he für So­li­di­tät und ei­ne de­fen­si­ve Bran­che. Co­op ha­be das tie­fe Zins­ni­veau nut­zen wol­len.

Trotz sport­li­chen Spreads ha­be prak­tisch al­les pla­ziert wer­den kön­nen, er­klärt BKB, man sei selbst über­rascht. Die Nach­fra­ge sei breit ge­streut ge­we­sen. Dass der Cou­pon im­mer­hin 2% be­trug, ha­be ge­hol­fen – im­mer­hin be­tra­ge der Ren­di­te­auf­schlag zum «Eid­ge­nos­sen» 100 Bp.

Am Di­ens­tag stock­te die Tre­so­re­rie 3% Eid­ge­nos­sen­schaft 2004/2019 auf. Der Be­trag wird am Mitt­woch be­kannt­ge­ge­ben. Ei­ne Ei­gen­tran­che be­hält der Bund aber­mals nicht für sich.

CS stock­te der­weil den Co­ve­r­ed Bond 1¼% Swed­bank Mort­ga­ge 2010/2013 um 125 Mio. auf 375 Mio. auf. Am ver­gan­ge­nen Mitt­woch der Pri­mär­markt­chro­nik der FuW ent­wischt war 1¾% Ba­sel­land­schaft­li­che Kan­to­nal­bank 2010/2019 über 300 Mio. Fr.

CS prüft Aryz­ta

Fran­ken­schuld­ner So­cié­té Na­tio­na­le des Che­min de Fer Français (SNCF) ver­liert die Best­no­te von S&P und fällt auf AA+. Auf dem EU-Schie­nen­netz wird ab die­sem Jahr der Per­so­nen­ver­kehr li­be­ra­li­siert. Die EU-Kom­mis­si­on ver­langt von den eu­ro­päi­schen Re­gie­run­gen die Ab­schaf­fung der un­be­grenz­ten Ga­ran­tie­zu­sa­gen für ih­re na­tio­na­len Ei­sen­bahn­ge­sell­schaf­ten. Die Ra­ting­agen­tur rech­net je­doch da­mit, dass der fran­zö­si­sche Staat (AAA) SNCF wei­ter­hin mass­geb­lich un­ter­stüt­zen wird. SNCF sind im ver­gan­ge­nen Jahr drei­mal in der Schweiz ein­ge­fah­ren (FuW Nr. 84 vom 28. Ok­to­ber 2009).

Nach­dem schon Moo­dy’s BP letz­te Wo­che zu­rück­ge­stuft hat (vgl. letz­te Aus­ga­be), folgt nun S&P mit ei­ner Rück­stu­fung von AA auf AA–. Die ope­ra­tio­nel­le Her­aus­for­de­rung, das Bohr­loch im Golf von Me­xi­ko zu schlies­sen und al­le da­mit ver­bun­de­nen Kos­ten wer­den als Haupt­grund an­ge­ge­ben. Wie Moo­dy’s setzt auch S&P den Öl­mul­ti auf die Über­prü­fungs­lis­te.

Aryz­ta hat be­kannt­ge­ge­ben, für 1,1 Mrd.$ Fresh Start Ba­ke­ries zu über­neh­men (vgl. Sei­te 16). Die Über­nah­me wird durch Dar­le­hen, An­lei­hen, Pri­vat­pla­zie­run­gen, Bar­geld und Aryz­ta-Ak­ti­en fi­nan­ziert. CS setzt das BBB+ ma­xi­mal bis zur Ver­öf­fent­li­chung der Ge­schäfts­zah­len im Sep­tem­ber auf die Über­prü­fungs­lis­te.

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