Der Aus­sie ist kein Free Lunch

DE­VI­SEN Ho­he Zin­sen und ei­ne ge­rin­ge Staats­ver­schul­dung ga­ran­tie­ren kei­ne fes­te Wäh­rung

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - UR­SI­NA KUBLI,

An­ge­sichts der ge­gen­wär­ti­gen Schul­den­pro­ble­ma­tik in der Eu­ro­land-Pe­ri­phe­rie blei­ben si­che­re Staats­an­lei­hen ge­fragt. Aus­tra­li­en be­sticht mit ei­ner grund­so­li­den Fi­nanz­la­ge des Staats­haus­halts. Die Brut­to­ver­schul­dung be­trägt Down Un­der le­dig­lich 20% des Brut­to­in­land­pro­dukts, wäh­rend die De­fi­zi­ter­war­tun­gen im neu­en Haus­halts­plan für die Fis­kal­jah­re 2010 und 2011 nach un­ten re­vi­diert wur­den.

Zu­dem ist die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger aus­tra­li­scher Staats­an­lei­hen mit 5,6% at­trak­ti­ver als je­ne der klas­si­schen si­che­ren Hä­fen. Zehn­jäh­ri­ge ame­ri­ka­ni­sche oder Schwei­zer Staats­an­lei­hen ren­tie­ren nur 3,2 bzw. 1,5%. Wäh­rend das Leit­zins­ni­veau der meis­ten gros­sen In­dus­trie­staa­ten nach wie vor na­he Null ver­harrt, ist der Re­fe­renz­satz in Aus­tra­li­en be­reits von 3 auf 4,5% an­ge­ho­ben wor­den.

Kei­ne Re­zes­si­on Down Un­der

Down Un­der hat die glo­ba­le Wirt­schafts­kri­se – dank ag­gres­si­ver Zins­sen­kun­gen, gros­ser fis­kal­po­li­ti­scher Sti­mu­lie­rungs­mass­nah­men und der kräf­ti­gen Aus­rich­tung auf den asia­ti­schen Raum – oh­ne Re­zes­si­on ge­meis­tert. Dem­ent­spre­chend nor­ma­li­sier­te die Re­ser­ve Bank of Aus­tra­lia (RBA) die Geld­po­li­tik früh. Die Zins­sche­re zwi­schen Aus­tra­li­en und den wei­te­ren gros­sen In­dus­trie­staa­ten dürf­te wei­ter be­ste­hen: Vo­r­erst ste­hen bei den gros­sen In­dus­trie­staa­ten kei­ne Zins­er­hö­hun­gen an. Soll­ten An­le­ger dem­nach die Zins­vor­tei­le nut­zen und ih­re Po­si­tio­nen in den aus­tra­li­schen Dol­lar er­hö­hen?

Ho­he Zin­sen füh­ren zu ei­ner stär­ke­ren Wäh­rung – so lau­tet ein häu­fi­ges Kauf­ar­gu­ment für den Aus­sie. Mit ei­nem En­ga­ge­ment in aus­tra­li­sche An­lei­hen wür­de da­mit ne­ben ei­nem Zins­vor­teil zu­dem ein Wäh­rungs­ge­winn rea­li­siert. Doch die Markt­ent­wick­lun­gen ha­ben wie­der­holt be­wie­sen, dass An­le­ger nichts ge­schenkt be­kom­men: Bei­spiels­wei­se ist im ver­gan­ge­nen Mo­nat der Wert des aus­tra­li­schen Dol­lars zum Gre­en­back so­wie zum Fran­ken 10 bzw. 7% ein­ge­bro­chen.

Die­se Ab­wer­tung hat den Zins­vor­teil rasch eli­mi­niert und zu ho­hen Ver­lus­ten ge­führt. Um von hö­he­ren Sät­zen zu pro­fi­tie­ren, muss ein er­heb­li­ches Fremd­wäh­rungs­ri­si­ko ge­tra­gen wer­den. Hö­he­re Zin­sen sind je­doch – vie­len Kauf­ar­gu­men­ten zum Trotz – kein Ga­rant für ei­nen stär­ke­ren Aus­sie. Kurz­fris­tig wer­den die Kurs­schwan­kun­gen gar ver­stärkt. Sind In­ves­to­ren be­reit, ein Wäh­rungs­ri­si­ko ein­zu­ge­hen, wer­ten Hoch­zins­wäh­run­gen auf. Steigt je­doch die Ri­si­ko­aver­si­on, wer­den die hoch­ver­zins­li­chen An­la­gen ab­ge­stos­sen und die Va­lu­ten kom­men ent­spre­chend un­ter Druck.

Auch ge­sun­de Staats­fi­nan­zen bie­ten kei­nen Schutz vor Kurs­ver­lus­ten. Zwar stel­len sie ei­nen struk­tu­rel­len Vor­teil dar. Und be­fin­den sich die Staats­fi­nan­zen auf ei­nem nach­hal­ti­gen Pfad, ist der Staat nicht zu dras­ti­schen Kon­so­li­die­rungs­mass­nah­men ge­zwun­gen. Das stärkt das Po­ten­zi­al­wachs­tum und ei­ne Wäh­rung in der lan­gen Frist ent­spre­chend. Doch in der kur­zen Frist be­stim­men an­de­re Fak­to­ren die Wäh­rungs­ent­wick­lung.

Auf­grund der kräf­ti­gen Aus­rich­tung der aus­tra­li­schen Ex­port­in­dus­trie auf den asia­ti­schen Raum ist Chi­nas Wachs­tum ei­ner der Haupt­trei­ber. Die ho­he chi­ne­si­sche Nach­fra­ge nach Roh­stof­fen führt zu fes­te­ren Prei­sen – da­mit ent­wi­ckeln sich die Han­dels­be­din­gun­gen zu Guns­ten des Roh­stoff­ex­por­teurs Aus­tra­li­en.

Ab­hän­gig von Chi­na

Das zeigt die star­ke Kor­re­la­ti­on zwi­schen dem aus­tra­li­schen Dol­lar und dem chi­ne­si­schen Ein­kaufs­ma­na­ger­index (PMI). Die­ser hat im Fe­bru­ar 2010 sei­nen Hö­he­punkt be­reits hin­ter sich ge­las­sen und dürf­te bis Jah­res­en­de wei­ter fal­len. Ei­ne schwä­che­re chi­ne­si­sche Wachs­tums­dy­na­mik stellt ein Ri­si­ko für Roh­stoff­prei­se dar, was den Aus­sie be­las­ten soll­te.

Die jüngs­te Kor­rek­tur der An­ti­po­den­wäh­rung war je­doch viel aus­ge­präg­ter als die Roh­stoff­prei­se und der chi­ne­si­sche PMI na­he­le­gen. Die Er­klä­rung liegt in der ge­stie­ge­nen Ri­si­ko­aver­si­on: Auf­grund von Car­ry Tra­des (Zins­dif­fe­renz­ge­schäf­ten) ge­rie­ten hoch­ver­zins­li­che Wäh­run­gen in das Fahr­was­ser der all­ge­mei­nen Ri­si­ko­wahr­neh­mung. Nor­ma­li­siert sich die Ri­si­ko­aver­si­on im Markt, könn­te ei­ne Er­ho­lung des aus­tra­li­schen Dol­lars fol­gen. Auf­grund der ge­rin­ge­ren chi­ne­si­schen Wachs­tums­dy­na­mik dürf­te die­se Er­ho­lung al­ler­dings nur kurz­fris­tig sein. Wir er­war­ten, dass der Kurs des Aus­sies bis zum Jah­res­en­de auf 0.78 aus­tr. $/$ sin­ken wird.

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