«Spre­ad der Ban­ken steigt»

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - BEG

«Der Trick be­steht jetzt dar­in, un­ter al­len Um­stän­den zu ver­mei­den, dass ei­ne An­lei­he im Porte­feuille ei­nen Zah­lungs­aus­fall er­lei­det.» Die­sen Rat­schlag gibt Si­mon Sur­tees, Fi­xed-In­co­me-Spe­zia­list von BNY Mel­lon As­set Ma­nage­ment. Wer in der Fi­nanz­kri­se ei­nen Korb aus Ob­li­ga­tio­nen ge­kauft ha­be, nach­dem der Ri­si­ko­auf­schlag (Cre­dit Spre­ad) in die Hö­he ge­schos­sen war, brauch­te sich we­ni­ger um die ein­zel­nen Ti­tel zu küm­mern. «Der Rück­gang der Spreads und der ent­spre­chen­de Kurs­ge­winn war so gross, dass es kei­ne Rol­le spiel­te, ob ein oder zwei Schuld­ner ei­nen De­fault er­lit­ten.» Nun müss­ten In­ves­to­ren sorg­fäl­tig aus­wäh­len.

Noch An­fang Jahr er­klär­ten Ana­lys­ten, der Ri­si­ko­auf­schlag in An­lei­hen­in­di­zes sei nach wie vor at­trak­tiv. Sur­tees warnt: «An­le­ger soll­ten den In­dex zer­le­gen.» Für Un­ter­neh­men aus­ser­halb der Fi­nanz­bran­che ha­be sich der Ri­si­ko­auf­schlag nach der Kri­se auf ein nor­ma­les Ni­veau ge­senkt. Für Fi­nanz­in­sti­tu­te sei der Spre­ad da­ge­gen nach wie vor hö­her als zu­vor, und das zie­he die In­di­zes nach oben und las­se sie at­trak­tiv aus­se­hen.

Nun lau­te die Fra­ge, ob die Spreads der Ban­ken und Ver­si­che­run­gen bis auf den frü­he­ren Stand sän­ken, oder ob ihr Ver­lauf wei­ter­hin eher ei­nem Ran­dom Walk (Zu­falls­pro­zess) glei­che. Sur­tees re­sü­miert: «In den ver­gan­ge­nen zwei Mo­na­ten ist der Ri­si­ko­auf­schlag für Fi­nanz­in­sti­tu­te deut­lich grös­ser ge­wor­den.»

Der Ban­ken­sek­tor sei nicht aus­rei­chend fi­nan­ziert, führt Sur­tees aus, und auf dem In­ter­ban­ken­markt zei­ge sich ei­ne ge­wis­se Ver­span­nung. Der Geld­markt­zins Li­bor sei zwar kei­nes­wegs so hoch wie nach dem Kol­laps von Leh­man Bro­thers, er zie­he aber lang­sam an. «In der Bran­che könn­ten Pro­ble­me auf­kom­men, das spie­gelt sich in den Spreads.»

Im Ge­gen­satz zu den Ban­ken sei­en die an­de­ren Bran­chen nach dem re­kord­ho­hen Emis­si­ons­vo­lu­men des ver­gan­ge­nen Jah­res aus­rei­chend fi­nan­ziert. Der Pri­mär­markt sei heu­er im April und vor al­lem im Mai zwar aus­ge­trock­net, weil die Zin­sen hef­tig ge­schwankt hät­ten, doch das sei für die­se Un­ter­neh­men kein Pro­blem.

Wie si­cher sind die Staats­an­lei­hen der Eu­ro­län­der? Der er­folg­rei­che Eu­ro­land Bond Fund von Stan­dish, ei­ner Toch­ter von BNY Mel­lon, ha­be An­fang Jahr fast kei­ne Ob­li­ga­tio­nen der Pe­ri­phe­rie­län­der – Grie­chen­land, Ir­land, Ita­li­en, Por­tu­gal und Spa­ni­en – ge­hal­ten. Als die Re­gie­run­gen der Eu­ro­zo­ne im Fe­bru­ar das ers­te Ret­tungs­pa­ket an­kün­dig­ten, ha­be der Fonds auf­ge­stockt, um die Un­ter­ge­wich­tung zum Re­fe­ren­z­in­dex et­was aus­zu­glei­chen. Be­reits im April wur­de die Po­si­ti­on wie­der ab­ge­baut. Per sal­do ha­be das zwar nichts ge­bracht, aber auch nicht ge­scha­det, denn kurz dar­auf sei­en die Kur­se ge­fal­len.

«Die Hilfs­mass­nah­men für Grie­chen­land ge­wäh­ren Li­qui­di­tät, ei­ne Atem­pau­se auch für die an­de­ren Pe­ri­phe­rie­län­der, und wo­mög­lich ei­ne in­di­rek­te Stüt­ze für eu­ro­päi­sche Ban­ken, die vie­le grie­chi­sche Schuld­ti­tel hal­ten.» Zu­dem wer­de der Weg für ei­ne Um­schul­dung ge­eb­net. Der Fonds hal­te nun aus­ser Staats­an­lei­hen Ita­li­ens kei­ne Pa­pie­re der Pe­ri­phe­rie­län­der. Sur­tees: «Wir be­hal­ten die deut­li­che Un­ter­ge­wich­tung ge­gen­über dem Re­fe­ren­z­in­dex bei, bis die Sicht et­was kla­rer wird. Ge­gen­wär­tig sieht es gars­tig aus.»

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