Hol­län­der hilft COS aus der Pat­sche

AKTIENEXPOSÉ Ge­ne­ral­ver­samm­lung ent­schei­det über Re­ver­se Take­over – Kaum In­for­ma­tio­nen über I.P.S. – In­ves­to­ren sol­len ab­war­ten

Finanz und Wirtschaft - - KAPITALANLAGEN - BEAT D. HE­BEI­SEN

End­lich kommt Be­we­gung in COS. In der hol­län­di­schen I.P.S. Hol­ding wur­de der lang er­sehn­te Part­ner für ei­nen Re­ver­se Take­over ge­fun­den (vgl. FuW vom Sams­tag). Die Ge­ne­ral­ver­samm­lung vom 29. Ju­ni soll ei­ner Ka­pi­tal­er­hö­hung, oh­ne Be­zugs­recht der bis­he­ri­gen Ak­tio­nä­re, um 35,5 auf 44,9 Mio. Fr. zu­stim­men. Nach der Trans­ak­ti­on wür­de der Hol­län­der Jo­han­nes Kel­ders 79% des Ka­pi­tals hal­ten, und COS wür­de in I.P.S. In­no­va­ti­ve Pa­cka­ging So­lu­ti­ons um­fir­miert. Ein Wech­sel an den Do­mestic Stan­dard der SIX ist ge­plant.

Die Krux ist, dass die In­ves­to­ren kei­ne Ah­nung ha­ben, wer hin­ter der neu­en Ge­sell­schaft steckt. Re­cher­chen im In­ter­net füh­ren zu­erst ein­mal zu un­ter­schied­li­chen Un­ter­neh­men wie IPS In­ter­na­tio­nal Pa­cka­ging Sys­tems, IPS In­te­gra­ted Pa­cka­ging Sys­tems und IPS In­no­va­ti­on Pa­cka­ging. Ers­tes Fa­zit: Der Na­me der neu­en Ge­sell­schaft ist we­nig ide­al. Nach ei­ge­nen An­ga­ben ist I.P.S. seit vie­len Jah­ren in den Be­rei­chen Kunst­stoff­tech­no­lo­gie und Ver­pa­ckungs­sys­te­me tä­tig. Ob die ge­sam­te Grup­pe in die neue Ge­sell­schaft ein­ge­bracht wer­den soll, ist nicht be­kannt.

We­nig Trans­pa­renz

Von den neu­en In­ves­to­ren sind kei­ne In­for­ma­tio­nen zu er­hal­ten. Jo­han­nes Kel­ders ist für die Me­di­en nicht zu spre­chen. Ein kur­zes Ge­spräch mit sei­nem Sohn Quint, dem de­si­gnier­ten CEO, brach­te we­nig. Er zeig­te am Di­ens­tag In­ves­to­ren aus der Schweiz und den USA ei­ne Pro­duk­ti­ons­stät­te in Deutsch­land. Mit da­bei war auch COS-Prä­si­dent Kurt Früh.

Vie­les deu­tet dar­auf hin, dass nur ge­ra­de das neu ent­wi­ckel­te Ai­ro­pack-Sys­tem aus­ge­glie­dert wird. Das Ver­fah­ren ba­siert auf ei­ner neu­ar­ti­gen Tech­no­lo­gie. Statt mit kon­ven­tio­nel­len, che­mi­schen Treib­mit­teln wird der Druck, zum Bei­spiel in ei­ner Ra­sier­schaum­do­se, mit ei­nem Aus­gleichs­ven­til und ei­nem luft­ge­füll­ten Druck­spei­cher kom­pen­siert. Ne­ben dem Ver­zicht auf heik­le Ga­se ist das Sys­tem zu­dem dar­auf aus­ge­rich­tet, dass der Druck­be­häl­ter nicht mehr aus Weiss­blech oder Alu­mi­ni­um, son­dern aus ein­fach re­zy­klier­ba­rem Kunst­stoff sein kann.

Die Über­nah­me­kom­mis­si­on hat für die an­vi­sier­te Trans­ak­ti­on am Di­ens­tag grü­nes Licht ge­ge­ben. Kel­ders muss da­mit den Min­der­heits­ak­tio­nä­ren kein Über­nah­me­an­ge­bot un­ter­brei­ten. Es ist vor­ge­se­hen, dass er 7,1 Mio. neue Ti­tel zum Preis von 6.36 Fr. zeich­net. Das ent­spricht 45 Mio. Fr., sie sind Teil ei­ner Sach­ein­la­ge von 57 Mio. Fr. Die Wert­hal­tig­keit der von Kel­ders ein­ge­brach­ten Stam­m­an­tei­le an der I.P.S. kann nicht ab­ge­schätzt wer­den. Da muss der Hol­län­der im Rah­men der Ge­ne­ral­ver­samm­lung noch ei­ni­ges er­läu­tern. Die Dif­fe­renz zwi­schen Sach­ein­la­ge und Ka­pi­tal­er­hö­hung im Um­fang von 12 Mio. Fr. wird an Kel­ders aus­ge­zahlt.

Da­für rei­chen die flüs­si­gen Mit­tel von COS nicht. Die Dif­fe­renz kann auch nicht durch den Ver­kauf der Spar­te Me­mo­ry be­gli­chen wer­den. Die­ser Be­reich wird im Rah­men ei­nes Ma­nage­ment Buy­out un­ter Be­tei­li­gung von Kurt Früh zum Preis von 1€ aus­ge­glie­dert. Da­durch re­sul­tiert für COS ein Buch­ver­lust von 4 Mio. Fr. Früh löst im Ge­gen­zug ein Dar­le­hen der COS an die Memq, die Mut­ter­ge­sell­schaft der Me­mo­ry-Spar­te, mit pri­va­ten Mit­teln ab. Das bringt COS 1 Mio. Fr. zu­sätz­li­che Mit­tel.

Schwie­ri­ge Be­wer­tung

An­hand der vor­lie­gen­den In­for­ma­tio­nen kön­nen die Chan­cen der neu­en Ge­sell­schaft nicht ab­ge­schätzt wer­den. Auch das neue Ma­nage­ment un­ter CEO Quint Kel­ders ist schwie­rig ein­zu­stu­fen.

Als neue Ver­wal­tungs­rä­te wer­den den Ak­tio­nä­ren Ben­no Zehn­der, Re­met­schwil, und Alexander Vo­gel, Baar, vor­ge­schla­gen. «Fi­nanz und Wirt­schaft» bleibt in ih­rer Ein­schät­zung vo­r­erst zu­rück­hal­tend. Nach ent­täu­schen­den zehn Jah­ren COS wä­re zu hof­fen, dass I.P.S. den ge­beu­tel­ten Ak­tio­nä­ren end­lich zu neu­en Per­spek­ti­ven ver­hilft.

Kurt Früh hat Vor­ga­ben nie er­reicht.

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