Rand­los glück­lich in Linz

Finanz und Wirtschaft - - IN KÜRZE - PA

Su­per­leicht, schrau­ben-und schar­nier­los. Ei­ne sol­che Bril­le, die der­ar­tig auf das Mi­ni­mals­te re­du­ziert ist, dürf­te es im Grun­de ge­nom­men gar nicht ge­ben, scherzt Ar­nold Schmied im Ge­spräch. Doch ge­nau mit die­sen hin­ge­hauch­ten und vor al­lem rand­lo­sen Ge­stel­len hat der Bril­len­her­stel­ler Sil­hou­et­te aus Linz (Ös­ter­reich) vor gut zehn Jah­ren die Er­folgs­ge­schich­te be­grün­det. Über acht Mil­lio­nen Mal hat sich die «Ti­tan Mi­ni­mal Art» seit­her be­reits ver­kauft. As­tro­nau­ten der Na­sa tra­gen sie so­gar im All auf der Na­se.

Die er­wei­ter­te Fan­ge­mein­de zählt Hol­ly­wood­stars wie Dus­tin Hoff­man, Ka­te Wins­let, Sa­ra Jes­si­ca Par­ker und «CSI-Mia­mi»-Er­mitt­ler Da­vid Ca­ru­so. Sie al­le schwö­ren auf das rand­lo­se Hig­htech-Ge­stell, das aus be­son­ders bruch­fes­ten, aber gleich­zei­tig bie­ge­fä­hi­gem Be­ta-Ti­tan ge­fer­tigt wird. In der Pro­duk­ti­on sind rund 200 Ar­beits­schrit­te pro Stück nö­tig, wes­halb der Spruch «Hand­ma­de in Aus­tria» auf Sil­hou­et­teB­ril­len durch­aus zu­trifft. Vor zwei Jah­ren stell­te der 1964 ge­grün­de­te Fa­mi­li­en­be­trieb die Her­stel­lung voll­stän­dig auf die rand­lo­sen Tit­an­bril­len um. Ein mu­ti­ger Schritt, denn Sil­hou­et­te setzt da­mit auf nur ei­ne Kern­kom­pe­tenz in ei­nem um­kämpf­ten, stark frag­men­tier­ten Markt, der zur­zeit kaum wächst. Der Markt­an­teil von Sil­hou­et­te dürf­te welt­weit et­wa 1,5% be­tra­gen. In Eu­ro­pa sind es sechs bis sie­ben Pro­zent im Be­reich der rand­lo­sen Bril­len. Von den über tau­send Her­stel­lern be­zeich­net Ar­nold Schmied nur zwei bis drei als wirk­li­che Kon­kur­ren­ten. Die gröss­ten Märk­te sind die USA und Deutsch­land. Auch in Chi­na will sich Sil­hou­et­te nun aus­brei­ten. Dort herrscht wie in al­len In­dus­tri­en Auf­bruch­stim­mung. Ei­ne Pro­duk­ti­on vor Ort kä­me al­ler­dings nicht in Fra­ge. «Um Got­tes wil­len», ant­wor­tet Schmied auf die­se Fra­ge. Die Her­stel­lung blei­be selbst­ver­ständ­lich in Ös­ter­reich. Die Wirt­schafts­kri­se ging an Sil­hou­et­te ( Jah­res­um­satz 200 Mio. €), nicht ganz spur­los vor­über. Das neue Ge­schäfts­jahr ha­be aber wie­der gut be­gon­nen, ver­si­chert der Un­ter­neh­mer. Pro­fi­tiert hat Sil­hou­et­te vom Pa­ra­dig­men­wech­sel in der In­dus­trie vor et­wa zehn Jah­ren. Seit da­mals wer­den Bril­len als schi­cke Mo­de-Ac­ces­soires wahr­ge­nom­men. Rand­lo­se Bril­len, so ver­kauft Schmied die Phi­lo­so­phie sei­ner Pro­duk­te, he­ben be­son­ders die Of­fen­heit ih­rer Trä­ger her­vor. Das Se­hen oh­ne Be­gren­zung sei gleich­zei­tig ei­ne psy­cho­lo­gi­sche Öff­nung. Hin­ter di­cken Bril­len mit auf­fäl­li­gen Rän­dern da­ge­gen ver­ste­cken sich die Trä­ger nur. Das ha­ben Um­fra­gen und re­prä­sen­ta­ti­ve Stu­di­en im­mer wie­der er­ge­ben.

An der Evo­lu­ti­on der Bril­len wür­de die Hör­ge­rä­te­indus­trie nur zu ger­ne an­knüp­fen. Her­stel­ler wie So­no­va hof­fen auf ei­ne ähn­lich po­si­ti­ve Än­de­rung in der Wahr­neh­mung ih­rer Ge­rä­te. Doch das Stig­ma sitzt tief. Ob ei­ne Dre­hung um 180 Grad ge­lingt, sei schwer vor­her­seh­bar. «Er­zwin­gen kann man nichts», kom­men­tiert Schmied tro­cken die Be­mü­hun­gen. Für Sil­hou­et­te ist die Zu­kunft da­ge­gen klar for­mu­liert: Die drit­te Ge­ne­ra­ti­on ist schon in der War­te­schlei­fe. Schmied hat sie­ben Kin­der, die auch sehr in­ter­es­siert am Ge­schäft sei­en. Zu­vor müs­sen al­ler­dings «Lehr-und Wan­der­jah­re» er­bracht wer­den. Der Ver­wandt­schafts­grad al­lein ga­ran­tiert den Ein­tritt in das Tra­di­ti­ons­haus nicht.

führt das Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men Sil­hou­et­te in zwei­ter Ge­ne­ra­ti­on.

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