Tief­punkt

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ -

Die na­tio­nal­rät­li­che De­bat­te über den Staats­ver­trag mit den USA mar­kier­te ei­nen be­schä­men­den Tief­punkt schwei­ze­ri­scher Po­lit­kul­tur. Nach ei­ner stun­den­lan­gen De­bat­te lehn­te die gros­se Kam­mer den Staats­ver­trag mit den USA ab. Po­li­ter­pres­sun­gen durch die SP und der SVP ha­ben da­zu ge­führt. Bei­de stell­ten für die an­de­re Sei­te und vor al­lem die Mit­te­par­tei­en FDP und CVP un­er­füll­ba­re For­de­run­gen und ver­senk­ten so den Ver­trag. Die zwei star­ken Par­tei­en auf den Po­len zur Lin­ken und zur Rech­ten spiel­ten rück­sichts­los ih­re Macht­po­si­tio­nen aus.

Auf der Stre­cke blie­ben die sach­li­che po­li­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung und – das ist noch be­denk­li­cher – das vi­ta­le In­ter­es­se der Schweiz an ei­ner Ei­ni­gung mit den USA. SP und SVP sind ih­re Macht­po­si­tio­nen of­fen­bar wich­ti­ger. Um ihr Po­wer­play zu voll­enden, knüpf­ten sie Din­ge an den Staats­ver­trag, die gar nichts da­mit zu tun ha­ben: Die SP ver­langt ei­ne har­te Be­steue­rung der Bo­ni und Ban­ken, die SVP lehnt ge­nau das ab. Zu­sam­men pro­vo­zier­ten die Par­tei­en in höchst un­hei­li­ger Al­li­anz die Ab­leh­nung des Staats­ver­trags. Da­bei ha­ben sich bei­de Par­tei­en in er­heb­li­che Wi­der­sprü­che ver­strickt. Die SP, Kämp­fe­rin ge­gen das Bank­kun­den­ge­heim­nis, schützt mit ih­rem Nein Steu­er­hin­ter­zie­her in den USA – ein ab­sur­der Schwen­ker. Die SVP ih­rer­seits stellt sich ger­ne als Wirt­schafts­par­tei dar. Mit ih­rem Nein be­weist sie, dass sie ge­nau das nicht ist: Sie fügt der Wirt­schaft mut­wil­lig Scha­den zu.

Ei­nes ist klar: Soll­te der Staats­ver­trag auch in der fol­gen­den Dif­fe­renz­ber­ei­ni­gung zwi­schen den Rä­ten schei­tern, hat die Schweiz mit ne­ga­ti­ven Fol­gen zu rech­nen. Im Fal­le ei­ner wie­der mög­li­chen Straf­kla­ge ge­gen die UBS in den USA wä­re de­ren Exis­tenz ge­fähr­det – mit un­ab­seh­ba­ren Fol­gen. Auch wenn es nicht so weit kom­men soll­te, wür­den die Be­zie­hun­gen zwi­schen der Schweiz und den USA be­ein­träch­tigt – und die Schweiz er­lit­te als ver­trags­brü­chi­ger Staat ei­nen enor­men Ima­ge­scha­den. Die SP und die SVP sind so un­ver­fro­ren und ver­su­chen sich schon jetzt aus ih­rer Ver­ant­wor­tung zu steh­len. Sie ma­chen die an­de­ren Par­tei­en für ne­ga­ti­ve Kon­se­quen­zen aus ei­nem Nein ver­ant­wort­lich, weil sie nicht auf die Er­pres­sun­gen ein­ge­gan­gen sind. Un­er­füll­ba­re For­de­run­gen stel­len und den an­de­ren die Schuld in die Schu­he schie­ben – das ist hin­ter­häl­ti­ge Po­li­tik bar je­des An­stan­des. Es sei un­miss­ver­ständ­lich fest­ge­hal­ten: Soll­te der Staats­ver­trag tat­säch­lich schei­tern, ste­hen al­lei­ne die SP und die SVP in der Ver­ant­wor­tung.

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