Gross­zü­gi­ge Schweiz

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ -

Eu­ro­päi­sche Po­li­ti­ker ge­fal­len sich von Zeit zu Zeit, der Schweiz man­geln­de So­li­da­ri­tät vor­zu­wer­fen – und ver­ges­sen ge­flis­sent­lich, wie viel die Schweiz be­reits be­zahlt. Am Di­ens­tag ver­öf­fent­lich­te die Steu­er­ver­wal­tung die neu­es­ten Zah­len zur Zins­be­steue­rung: 401,1 Mio. Fr. flos­sen 2009 aus die­ser Qu­el­le nach Eu­ro­pa.

Mit der Par­ti­zi­pa­ti­on an der eu­ro­päi­sche Zins­be­steue­rung er­hoff­te sich der da­ma­li­ge Fi­nanz­mi­nis­ter Kas­par Vil­li­ger ei­ne dau­er­haf­te Si­che­rung des Schwei­ze­ri­schen Bank­kun­den­ge­heim­nis­ses auch ge­gen­über Eu­ro­pa – was sei­nen Nach­fol­ger Hans-Ru­dolf Merz zur Be­mer­kung ver­an­lass­te, am Bank­ge­heim­nis wer­de sich Eu­ro­pa die Zäh­ne aus­beis­sen

Das Bank­kun­den­ge­heim­nis hat, min­des­tens in der öf­fent­li­chen Wahr­neh­mung, an Be­deu­tung ein­ge­büsst, die Zins­be­steue­rung nicht, wie die nun ver­öf­fent­lich­ten Zah­len deut­lich ma­chen. Im Ver­gleich zum Vor­jahr fie­len die Ein­nah­men aus der Zins­be­steue­rung zwar 28% auf 534,8 Mio. Fr, was in Bern mit dem ver­än­der­ten Zins­um­feld be­grün­det wird. Die 401,1 Mio. Fr. aus der Tran­che für Eu­ro­pa sind trotz­dem ein schö­ner Zu­schuss, und auch der Bei­trag an den Bund (120,3 Mio. Fr.) und die Kan­to­ne (13,4 Mio. Fr.) kann sich se­hen las­sen.

Die Auf­tei­lung nach Län­dern lässt er­ah­nen, aus wel­chem Land wie viel Geld in der Schweiz in Si­cher­heit ge­bracht wur­de (vgl. Ta­bel­le). Mit Blick auf die Grös­se des Lan­des er­staun­lich ist der ge­gen­über Deutsch­land und Ita­li­en klei­ne­re Bei­trag von Frank­reich. Das kann dar­an lie­gen, dass Fran­zo­sen ihr Geld in der Schweiz so an­le­gen, dass sie nicht von der Zins­be­steue­rung be­trof­fen sind.

Be­mer­kens­wert ist auch ei­ne an­de­re Grös­se: Bür­ger aus EU-Län­dern kön­nen zwi­schen die­ser an­ony­men Ab­ga­be und ei­ner Mel­dung an ih­ren Hei­mat­staat wäh­len. Er­staun­li­cher­wei­se ging auch die An­zahl der Mel­dun­gen zu­rück, und zwar von 43 600 auf 33 000. Der Fi­nanz­platz Schweiz mag in­ner­halb Jah­res­frist ge­schrumpft sein, so viel aber be­stimmt nicht. Viel­mehr könn­te es sein, dass das öf­fent­li­che Trom­mel­feu­er ge­gen an­geb­li­che Steu­er­sün­der den ei­nen oder an­de­ren Spa­rer oder In­ves­tor da­von ab­hielt, die Op­ti­on Mel­dung zu wäh­len. TW

Wer von der Schweiz wie­viel er­hält

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