Al­li­anz will in der Schweiz noch mehr

Mit 4 Mrd. Fr. Ein­nah­men auf Platz vier – Ge­pols­tert selbst für län­ge­re ren­di­tear­me Pha­se – Ka­pi­tal­kraft als Ver­läss­lich­keits­sie­gel – Chan­cen we­gen Kon­so­li­die­rungs­druck

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - THO­MAS HEN­GART­NER

Ka­pi­tal­kraft und fi­nan­zi­el­le So­li­di­tät wer­den in der Ver­si­che­rungs­bran­che noch wich­ti­ger wer­den», sagt Man­fred Kn­of, Chef von Al­li­anz Suis­se. «Ver­mut­lich wer­den die Richt­li­ni­en Sol­venz II, die in der EU nächs­tens ein­ge­führt wer­den, in­ter­na­tio­nal zu ei­ner wei­te­ren Kon­so­li­die­rung der As­se­ku­ranz füh­ren.» Was das für den Schwei­zer Markt und für die hie­si­ge Ein­heit der deut­schen Al­li­anz be­deu­ten wird, möch­te er zwar nicht nä­her aus­füh­ren. «Sol­che Ent­schei­de müs­sen auf der Kon­zern­stu­fe ge­fällt wer­den», macht der Ver­ant­wort­li­che der Schwei­zer Ein­heit des Al­li­anz-Kon­zerns klar. «Ich un­ter­brei­te je­doch Vor­schlä­ge und brin­ge Wün­sche an.»

Das Un­ter­neh­men soll auf der Spur des zu­letzt ein­ge­heims­ten Er­folgs blei­ben. Al­li­anz Suis­se hat 2009 die Ein­nah­men 3% auf gut 4 Mrd. Fr. ge­stei­gert. Der Ge­winn ver­rin­ger­te sich als Fol­ge ei­ner Rück­stel­lungs­bil­dung 13% auf rund 200 Mio. Fr. Die Grup­pe hält im Schwei­zer Markt nach Axa Win­ter­thur, Swiss Li­fe und Zu­rich Fi­nan­ci­al den vier­ten Rang. Be­son­ders gut vor­an­ge­kom­men ist sie im Pen­si­ons­kas­sen­ge­schäft für klei­ne­re Un­ter­neh­men, wo ein 9%-Zu­wachs ge­lang. «Die im Vor­sor­ge­be­reich er­reich­ten Fort­schrit­te wol­len wir wei­ter­füh­ren, und die Markt­an­teils­ge­win­ne in den Sach-und Haft­pflicht­ver­si­che­run­gen sind zu ver­tei­di­gen.»

Für Kun­den der Bes­te wer­den

Doch wie soll das im ge­gen­wär­ti­gen wett­be­werbs­in­ten­si­ven Um­feld ge­lin­gen? Der Schwei­zer Ver­si­che­rungs­markt gilt als ge­sät­tigt. Das Markt­vo­lu­men er­reicht rund 50 Mrd. Fr. und be­wegt sich nur zäh. Kn­of bleibt rea­lis­tisch: «In kon­junk­tur­schwa­chen Pha­sen muss man das Wachs­tums­tem­po ver­lang­sa­men, um die Ren­ta­bi­li­tät zu si­chern». Den­noch sieht er We­ge, sein Ge­schäft vor­an­zu­trei­ben. Be­son­de­re Be­deu­tung legt er dar­auf, dass al­le Leis­tun­gen auf je­der Stu­fe der Or­ga­ni­sa­ti­on auf die Kun­den­be­dürf­nis­se aus­ge­rich­tet wer­den. «Wir wol­len in der Schweiz der kun­den­fo­kus­sier­tes­te An­bie­ter wer­den.» Al­li­anz Suis­se lässt die Wer­tung der Schwei­zer in re­gel­mäs­si­gen Ab­stän­den er­mit­teln.

Der Län­der­chef will das Zu­sam­men­spiel der Ver­triebs­ka­nä­le Aus­sen­dienst, Mak­ler und In­ter­net ver­bes­sern. Grund­sätz­lich ent­schei­de der Kun­de über den Kon­takt. Zweck­dien­lich zu lö­sen sei­en des­halb Kon­flik­te in der Ver­mark­tungs­or­ga­ni­sa­ti­on – et­wa, wer be­stimm­te Kun­den­grup­pen von sich aus an­spre­chen darf. Zu­dem müss­ten die Er­war­tun­gen an den On­line-Ver­trieb ver­nünf­tig ge­fasst wer­den: «Ver­si­che­rung übers In­ter­net wird für jün­ge­re Men­schen in städ­ti­schen Ge­bie­ten zur ernst­haf­ten Al­ter­na­ti­ve, doch die­ser Trend ent­wi­ckelt sich lang­sa­mer als Stu­di­en glau­ben mach­ten».

Ge­wach­sen ist Al­li­anz Suis­se zu­letzt vor­nehm­lich im Vor­sor­ge­be­reich. In nur zwei Jah­ren sind in die­ser Spar­te fast 500 Mio. Prä­mi­en­fran­ken da­zu­ge­kom­men. Die Ren­ta­bi­li­tät wird in­des vom an­hal­ten­den Tief­zins­um­feld be­grenzt. Ha­ben sich Kn­of und sein Team mit die­ser Ex­pan­si­on gar ver­rech­net? «Al­le tra­di­tio­nel­len Le­bens­ver­si­che­rungs­be­rei­che ste­hen in der Tat vor ho­hen Her­aus­for­de­run­gen, doch zu Pa­nik be­steht über­haupt kein An­lass.» Al­li­anz Suis­se sei gut ge­pols­tert, und die Er­trags­per­spek­ti­ven der Ka­pi­tal­an­la­gen er­mög­lich­ten, das Zin­s­tief selbst über ei­nen län­ge­ren Zei­t­raum durch­zu­ste­hen.

An­la­ge­pro­fis am Werk

In der Ver­mö­gens­be­wirt­schaf­tung ha­be die Bran­che die Fi­nanz­kri­se von 2008 pas­sa­bel ge­meis­tert. Aus frü­he­ren Feh­lern sei­en Leh­ren ge­zo­gen wor­den. «Dies­mal ha­ben un­se­re An­la­ge­pro­fis recht­zei­tig die schwan­kungs­an­fäl­li­gen In­vest­ments ver­rin­gert, be­son­ders den Ak­ti­en­be­stand», macht Kn­of klar. Al­li­anz Suis­se hat noch rund 3% des Ver­si­che­rungs­ver­mö­gens in Di­vi­den­den­wer­ten an­ge­legt. «Die­se Quo­te wird si­cher zu ge­ge­be­ner Zeit wie­der et­was nach oben ge­hen.» Zu­ver­sicht­lich ist er auch für die rie­si­gen Mit­tel­an­la­gen in An­lei­hen ver­schie­dens­ter Schuld­ner­ka­te­go­ri­en. Die Hilfs­mass­nah­men der EU und die gross­zü­gi­gen In­ter­ven­tio­nen der No­ten­ban­ken lies­sen ei­ne Sta­bi­li­sie­rung der An­lei­hen­märk­te er­war­ten.

Die Ver­si­che­rungs­bran­che müs­se aber al­les dar­an set­zen, den Ruf in der Öf­fent­lich­keit zu ver­bes­sern. «In der Be­ra­tung muss ehr­li­cher über Chan­cen und Ri­si­ken ge­spro­chen wer­den», meint der Pro­fi, der nach Stu­di­en­ab­schluss in den USA ei­nen in­tel­lek­tu­ell pa­cken­den Job in Eu­ro­pa ge­sucht und in der Al­li­anz den ge­eig­ne­ten Ar­beit­ge­ber ge­fun­den hat. «Die Kun­den möch­ten ih­ren Vor­sor­ge­fran­ken gut und si­cher auf­ge­ho­ben wis­sen. Des­halb soll­ten die An­bie­ter trans­pa­rent ih­re Leis­tungs­wer­te of­fen­le­gen, da­mit sie vom Kon­su­men­ten ver­gli­chen wer­den kön­nen.» Die in Eu­ro­pa ge­bräuch­li­che Sol­venz­quo­te I sei da­zu we­der zeit­ge­mäss noch taug­lich.

Die Al­li­anz Suis­se un­ter­stützt des­halb ve­he­ment die ra­sche Ein­füh­rung ei­ner um­fas­sen­de­ren Ka­pi­ta­li­sie­rungs­re­ge­lung, wie sie der schwei­ze­ri­sche Sol­venz­test (SST) und das von den eu­ro­päi­schen Auf­sichts­be­hör­den vor­be­rei­te­te Sol­vency II vor­se­hen. Die an­spruchs­vol­le neue Sol­venz­kenn­zahl brin­ge der Bran­che mehr Vor-als Nach­tei­le. «Ei­ne aus­sa­ge­kräf­ti­ge Sol­venz­grös­se ist für die Ver­triebs­leu­te ein idea­les Ver­kaufs­ar­gu­ment», be­grün­det Kn­of, «und den Kun­den gibt sie die ge­wünsch­te Si­cher­heit, dass ihr Ver­si­che­rer am En­de der Kon­trakt­lauf­zeit noch da ist.» Selbst­re­dend geht er da­von aus, dass die Al­li­anz-Grup­pe zu den am bes­ten Po­si­tio­nier­ten der Bran­che ge­hört.

Al­le müss­ten hel­fen, den Ruf der Bran­che zu ver­bes­sern, sagt Man­fred Kn­of. Al­li­anz soll da­bei der kun­den­fo­kus­sier­tes­te An­bie­ter wer­den.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.