Grifols bie­tet viel für Tale­cris

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - AE,

Wäh­rend das kri­sen­ge­schüt­tel­te Spa­ni­en die In­ves­to­ren ver­schreckt, wa­gen spa­ni­sche Stan­dard­un­ter­neh­men mil­li­ar­den­schwe­re Zu­käu­fe. Nach der 6,5 Mrd.€ teu­ren Of­fer­te des Tele­com­kon­zerns Te­le­fó­ni­ca für 30% am bra­si­lia­ni­schen Mo­bil­funk­an­bie­ter Vi­vo bie­tet nun Eu­ro­pas füh­ren­der Her­stel­ler von Blut­plas­ma­pro­duk­ten, Grifols aus Bar­ce­lo­na, 3,4 Mrd.$ für sei­nen grös­se­ren US-Kon­kur­ren­ten Tale­cris. Des­sen Haupt­ak­tio­när Cer­be­rus Ca­pi­tal – die Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft hält 49% an Tale­cris – schlug in den mit ei­ner Prä­mie von 53% ver­süss­ten De­al be­reits ein.

Fi­nan­zie­rung ge­si­chert

Das fu­sio­nier­te Un­ter­neh­men wird mit ei­nem Um­satz von 2,8 Mrd.$ die welt­wei­te Num­mer drei im Blut­pro­duk­te­markt hin­ter der ame­ri­ka­ni­schen Phar­ma­grup­pe Bax­ter und dem aus­tra­li­schen Kon­kur­ren­ten CSL. Grifols rech­net mit ei­nem «so­for­ti­gen» Zu­wachs des Ge­winns pro Ak­tie und streicht die Kom­ple­men­ta­ri­tät der bei­den Ge­sell­schaf­ten her­vor. Spä­tes­tens nach vier Jah­ren sol­len die Sy­ner­gi­en jähr­lich 230 Mio. $ ab­wer­fen.

Al­ler­dings müs­sen die US-Be­hör­den die Über­nah­me, die sich in­klu­si­ve der Schul­den von Tale­cris auf 4 Mrd.$ sum­miert, noch ge­neh­mi­gen. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­ten sie CSL den Kauf von Tale­cris, der frü­he­ren Bayer-Toch­ter, we­gen zu ho­her Markt­kon­zen­tra­ti­on un­ter­sagt. Doch Vic­tor Grifols, Prä­si­dent und Haupt­ak­tio­när (42% des Ka­pi­tals), geht da­von aus, dass die Trans­ak­ti­on ge­neh­migt wird: «Dies­mal wer­den nicht die zwei Gröss­ten ge­stärkt, son­dern es bil­den sich drei gros­se Grup­pen.» Die Über­nah­me soll bis Jah­res­en­de ab­ge­schlos­sen wer­den.

Die Fi­nan­zie­rung hat das in neun­zig Län­dern prä­sen­te spa­ni­sche Un­ter­neh­men, das der­zeit an der Bör­se le­dig­lich mit 1,8 Mrd.€ be­wer­tet wird, be­reits ge­si­chert. Ein Ban­ken­kon­sor­ti­um aus gros­sen In­sti­tu­ten – dar­un­ter Deut­sche Bank, BNP Pa­ri­bas, HSBC und Mor­gan St­an­ley – wird die Trans­ak­ti­on mit ei­ner Kre­dit­li­nie von ins­ge­samt 3,4 Mrd.$ er­mög­li­chen. Das be­deu­tet nicht zu­letzt, dass die Fi­nanz­häu­ser von Sinn und Er­folg die­ser Über­nah­me über­zeugt sind.

Bör­se ist skep­tisch

Prä­si­dent Grifols be­ton­te sei­ner­seits, die Über­nah­me sei kein biss­chen ris­kant: «Wir ken­nen das Ge­schäft bes­tens.» Die Of­fer­te be­steht aus ei­nem Ak­ti­en­tausch so­wie ei­nem Ba­r­an­teil von 2,5 Mrd. $. Nach der Über­nah­me wird Cer­be­rus 14% an dem fu­sio­nier­ten Un­ter­neh­men hal­ten und auch im Ver­wal­tungs­rat ver­tre­ten sein. Die Fa­mi­lie Grifols wird 29% des Ka­pi­tals kon­trol­lie­ren.

Der Haupt­markt stellt künf­tig Nord­ame­ri­ka mit ei­nem Um­satz­an­teil von 58% dar, ge­folgt von Eu­ro­pa (28%) und der rest­li­chen Welt (14%). Die Bör­se straf­te die Ak­ti­en zu Wo­chen­be­ginn mit ei­nem Kurs­ver­lust von 8,5% auf 8.47 € ab. Am Di­ens­tag­nach­mit­tag no­tier­ten sie 8.61 €. Kri­tik rie­fen die Prä­mie und die Ver­schul­dung von dann 4,5 Mrd.$ – das Fünf­fa­che des Ebit­da – her­vor. Ba­nes­to Bol­sa gab zu­dem zu be­den­ken, dass der ame­ri­ka­ni­sche Blut­plas­ma­markt we­ni­ger wach­sen wer­de als et­wa der chi­ne­si­sche oder der bra­si­lia­ni­sche. UBS be­hielt die Kauf­emp­feh­lung bei, kürz­te aber das Kurs­ziel von 12 auf 10€.

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